Spannende Begegnungen bei der 3. Oberbergischen Frag-mich-Messe

Als der Verein „Unser Oberberg ist bunt – nicht braun“ Ende letzten Jahres die Planung der 3. Oberbergischen Frag-mich-Messe in Angriff genommen hat, sollte sie im Nordkreis stattfinden. Wir sprachen die Bürgergruppierung Wir sind mehr im Bergischen aus Hückeswagen an, ob sie sich eine Kooperation mit uns vorstellen könnten. Nachdem klar war, worum es geht, gab es sofort Zustimmung, und die Vorbereitungsgruppe, der auch Mitglieder vom Netzwerk gegen Rechts im Oberbergischen Kreis, von der Fraueninitiative Viola und vom Caritasverband Oberberg angehören, konnten bereits Anfang dieses Jahres mit der konkreten Planung beginnen.
Mit einfühlsamen Liedern stimmte die Sängerin Mehrra Solh, gemeinsam mit ihrem Mann Daniel Zielke, in den Nachmittag ein.


Diese besondere Veranstaltung fand im Kultur-Haus Zach, Hückeswagen – unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Dietmar Persian – mit 40 Teilnehmenden statt. Sie war die dritte in der Reihe nach der ersten 2019 in Waldbröl und der zweiten im letzten Jahr in Bergneustadt.
Wie in anderen Kommunen leben auch in Hückeswagen Menschen aus verschiedenen Kulturen seit vielen Jahren harmonisch zusammen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, gegenseitige Ängste und Vorurteile zu überwinden. Dies gelingt am besten, wenn wir die Haltung und den Hintergrund unseres Gegenübers verstehen. Und gerade in Krisenzeiten – in denen wir uns derzeit befinden – in denen rechte Parteien und Gruppen versuchen, durch Hass und Rassismus die Gesellschaft zu spalten, ist es besonders wichtig, den Zusammenhalt zu stärken. Dies ist wieder einmal mit der Oberbergischen Frag-mich-Messe gelungen.
Alle Beteiligten waren hoch zufrieden mit dem Verlauf der anspruchsvollen Veranstaltung, die sich den Themen Kultur, Tod und Trauer, lebenslanges Lernen und Solidarität widmete. Orientierung bei der Umsetzung gab die Dialog-Methode von David Bohm.

Die Teilnehmenden gingen mit großem Respekt, würdevoll und auf Augenhöhe miteinander um. Die angebotenen vier Themen waren so ausgewählt, dass jede und jeder etwas dazu sagen konnte, ganz gleich, mit welchem Hintergrund die Menschen dabei waren, denn es ging in erster Linie darum, Begegnung zu schaffen und zu vertiefen.
Um die Kontaktaufnahme zu erleichtern wurden sogenannte Dialogtische eingerichtet, an denen es jeweils um eines der Themen ging. An jedem Tisch saß eine „Frag-mich-Person“, die sich gern dazu befragen ließ. Anregungen zu Fragestellungen gaben Impulsfragen, die – ebenso wie die Hinweise zur Methode (Wie funktioniert das hier?) – auf den jeweiligen Tischen auslagen.


So haben auch Menschen, die für bestimmte Themen eine Expertise haben, festgestellt, dass sie durch die Sichtweise anderer Personen neue Erkenntnisse für sich selbst gewinnen konnten.
Ein junger syrischer Teilnehmer zog das Fazit: „Von Menschen, die viele soziale Kontakte und große Erfahrung haben, kann man am besten lernen.“
Ein weiterer Teilnehmer brachte einen Gedanken aus dem Tanztraining ein: „Harmonie geht vor Figur.“
Eine Erkenntnis aus einem weiteren Gespräch: „Wir wissen viel zu wenig darüber, wie wir muslimische Menschen im Trauerfall begleiten und ihnen somit helfen können.“
Die Gespräche an den Dialogtischen waren intensiv und ausdauernd und an jedem Tisch jedes Mal – je nach Zusammensetzung der Teilnehmenden – unterschiedlich.


Die veranstaltenden Organisationen wünschen sich eine Fortsetzung der Reihe im nächsten Jahr. Eine Kommune, die Interesse daran hat, eine Frag-mich-Messe vor Ort durchzuführen, kann sich gern unter info@oberberg-ist-bunt.org melden oder bei den anderen beteiligten Organisationen.

Hier der Bericht aus der Bergischen Morgenpost