Friedhof und Burgbergklinik in Denklingen

Auf dem Denklinger Friedhof gibt es ein Feld mit über 90 Grabplatten. Die Menschen, die dort in der Zeit nach Kriegsende bis etwa 1951 bestattet wurden, waren „Displaced Persons“ – entwurzelte NS-Opfer, die KZ-Haft, Kriegsgefangenschaft oder Zwangsarbeit überlebt hatten und aus den verschiedensten Gründen (noch) nicht in ihre Heimat zurückkehren konnten. Die Besatzungsmächte standen im Frühling 1945 vor der Mammutaufgabe, Millionen kranker, traumatisierter und entwurzelter Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen, gesund zu pflegen und ihre Rückkehr in die Heimat zu ermöglichen. Im Rahmen dieser Arbeit wurde auch die Burgbergklinik in Denklingen, die während des Krieges als Lazarett für die deutsche Luftwaffe genutzt worden war, beschlagnahmt und als Heilstätte insbesondere für Lungenkranke genutzt – zunächst bis Ende 1945 in Regie der US-Armee, danach unter Leitung der UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration).

Die Burgbergklinik in Denklingen ist heute ein Seniorenheim. In den ersten Nachkriegsjahren wurde hier weit über 1000 NS-Opfer das Leben gerettet.

Leider gibt es wenige Dokumente über die weit über 1000 Menschen, die durch die Pflege in Denklingen gerettet worden sind.

Bekannt geworden ist die Geschichte von Willi Kessler: Am 18. Oktober 1925 in Berlin geboren, wurde er mit seinen Eltern und seinen Geschwistern am 13. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert. Er überlebte als einziger seiner Familie und irrte nach der Befreiung auf der Suche nach Verwandten und Freunden durch Deutschland. Krank und entkräftet wurde er am 2. Januar 1946 in die Lungenheilstätte Denklingen eingewiesen. Dort wurde er gesund gepflegt, er lernte seine spätere Ehefrau Erika dort kennen. Nach der Hochzeit im August 1946 blieb das Paar im Oberbergischen. Mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers ist hier der ausführliche Bericht von Willi Kessler nachzulesen. (Quelle: „Einer muß überleben – Gespräche mit Auschwitzhäftlingen 40 Jahre danach“, der kleine verlag, Düsseldorf 1984)

Ein Schreiben des Chefarztes vom Oktober 1948 berichtet von 1150 Menschen, die in der Zeit vom Kriegsende bis zum 4.10.1948 behandelt worden sind:

Einzelne erhaltene Arztberichte geben Auskunft über die alltägliche Arbeit (zur vollständigen Ansicht anklicken):

Von den 91 Menschen, die trotz der Pflege nicht mehr gerettet werden konnten und die ihre letzte Ruhe auf dem Friedhof in Denklingen fanden, sind Unterlagen zu finden, die wir im Folgenden wiedergeben, um die Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes wach zu halten.

Herzlichen Dank an das Standesamt der Gemeinde Reichshof, das uns Einblick in die Gräberliste und die Sterbeurkunden gewährt hat!

Die Ortsnamen sind in den Urkunden nach den damaligen Staatsgrenzen und -zugehörigkeiten zugeordnet worden. Dabei wurde die Bezeichnung „Russland“ häufig für alle Republiken der damaligen Sowjetunion verwendet. Wir haben versucht, die heute (2023) gültige Staatsbezeichnung zu ergänzen. Das ist nicht immer gelungen, weil die Orte in der damaligen Schreibweise heute nicht mehr zu finden waren. Für Hinweise zur Verbesserung sind wir dankbar.

Vielen Dank an Sebastian Döpp und Olana Petrenko von der Ruhr-Universität Bochum für die Hilfe bei der Übersetzung kyrillisch geschriebener Dokumente und bei der Recherche ukrainischer Ortsnamen!

Die folgende Auflistung ist nach der Anordnung der Grabplatten sortiert, beginnend mit der untersten Reihe. Anklicken der Initialen im Lageplan führt zu den Informationen über die jeweilige Person.

A.P.J.T.M.A.N.Z.J.S.H.U.W.T.A.C.A.D.V.P.I.L.G.B.
W.Z.E.W.W.B.J.J.J.K.M.B.E.H.P.J.G.D.I.B.K.K.S.M.T.L.K.M.J.F.J.S.H.W.H.OI.B.J.M.
M.S.E.C.E.V.I.S.B.P.P.M.M.B.H.B.N.A.J.L.B.S.T.B.G.M.P.M.L.R.C.H.R.B.S.S.G.A.
M.T.K.O.A.K.G.S.S.K.W.B.N.W.J.W.D.R.J.C.N.M.A.B.B.K.N.D.B.T.A.S.A.S.N.L.T.A.A.K.
M.H.J.P.P.S.J.M.W.B.Z.B.J.P.K.C.J.B.K.S.Z.C.H.K.G.K.A.N.K.K.S.A.A.K.V.P.T.G.A.S.
Lageplan der Grabplatten (auf dem Mobiltelefon im Querformat betrachten)

Bei den Links, die zum Arolsen-Archiv führen, muss vor der Anzeige der Datei eine Zustimmungserklärung bestätigt werden. Das ist etwas umständlich, aber auf jeden Fall lohnend.

Ahrom Smolnikow war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof ein Fabrikarbeiter aus „Rußland“, evangelisch, geboren 1902 in Krasnojarsk, gestorben am 12. Juli 1945 im Alter von 43 Jahren an Polyarthritis und Lungentuberkulose. Sein Name steht auf einer Liste, die die LVA Rheinprovinz dem DRK übermittelte und auf einer Liste der US-Armee, die das Lazaret4t in Denklingen 1945 übernahm. Er wird am 16. Mai 1945 in einer Liste des „85th Evacuation Hospital“ als befreiter russischer Kriegsgefangener (Russian Ex-POWs) aufgeführt. Auf Grund seines Alters muss er Soldat in der sowjetischen Armee und dann in deutscher Kriegsgefangenschaft gewesen sein. Eine kyrillsche Liste des Moskauer Roten Kreuzes bestätigt die Angaben (Nr. 171).

Trofim Guljajew war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof landwirtschaftlicher Arbeiter aus „Rußland“, russisch-orthodx, geboren in Woronesch, gestorben am 15.7.1945 im Alter von 42 Jahren an offener Lungentuberkulose und starker Auszehrung. Auf Grund seines Alters muss er Soldat in der sowjetischen Armee und dann in deutscher Kriegsgefangenschaft gewesen sein. Sein Name steht auf einer Liste, die die LVA Rheinprovinz dem DRK übermittelte und auf einer Liste des Moskauer Roten Kreuzes (Nr. 107, hinter dem Namen mit Geburtsjahr und Sterbedatum steht „gestorben in Denklingen“).

Vrozia Podibailo war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof „Bedienerin“ aus „Rußland“, orthodox, geboren 1922 in Sumy (heute Ukraine), gestorben am 18.Juli 1945 im Alter von 23 Jahren an Lungentuberkulose. Die Angaben finden sich auch auf einer Liste, die die LVA Rheinprovinz dem DRK übermittelte, auf einer Liste des Arbeitsamtes und auf einer Liste des Moskauer Roten Kreuzes (Nr. 131, hinter dem Namen mit Geburtsjahr und Sterbedatum steht „gestorben in Denklingen“). Als junge Ukrainerin gehörte sie wohl zu den vielen Frauen, die nach dem Vorrücken der NS-Wehrmacht nach Deutschland zur Zwangsarbeit deportiert wurden.

Anna Kowalowa kam laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof aus „Rußland“, geboren 1895 in Smolensk, orthodox, gestorben am 18. September 1945 im Alter von 50 Jahren an offener Lungentuberkulose. Die Angaben finden sich auch auf einer Liste, die die LVA Rheinprovinz dem DRK übermittelte und auf einer Liste des Arbeitsamtes.

Salem Alajew war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof landwirtschaftlicher Arbeiter aus „Rußland“, mohammedanisch, geboren in Baku (heute die Hauptstadt Aserbaidschans), gestorben am 26. Juli 1945 im Alter von 40 Jahren an Lungentuberkulose und Knochentuberkulose. Auf Grund seines Alters muss er Soldat in der sowjetischen Armee und dann in deutscher Kriegsgefangenschaft gewesen sein. Sein Name findet sich auch auf einer Liste, die die LVA Rheinprovinz dem DRK übermittelte.

Katjana Krotenko (in den Unterlagen Tatjana Krotenko) war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof aus „Rußland“, orthodox, geboren am 21. Januar 1924 in Kiew (Ukraine), gestorben am 1.August 1945 im Alter von 21 Jahren an Lungentuberkulose und Kehlkopftuberkulose. Die Angaben finden sich auch auf einer Liste, die die LVA Rheinprovinz dem DRK übermittelte, auf einer Liste des Arbeitsamtes und auf einer Liste des Moskauer Roten Kreuzes (Nr. 289, hinter dem Namen mit Geburtsjahr und Sterbedatum steht „gestorben in Denklingen“). Als junge Ukrainerin gehörte sie wohl zu den vielen Frauen, die nach dem Vorrücken der NS-Wehrmacht nach Deutschland zur Zwangsarbeit deportiert wurden.

Achmed Nur war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof ein Bauer aus „Rußland“, mohammedanisch, geboren 1911 in Kulob (heute Tadschikistan), gestorben am 6. August 1945 im Alter von 34 Jahren an offener Lungentuberkulose. Auf Grund seines Geburtsjahrgangs muss er Soldat in der sowjetischen Armee und dann in deutscher Kriegsgefangenschaft gewesen sein. Sein Name steht auch auf einer Liste, die die LVA Rheinprovinz dem DRK übermittelte und auf einer Liste des Moskauer Roten Kreuzes (Nr. 61, hinter dem Namen mit Geburtsjahr und Sterbedatum steht „gefallen in Denklingen“).

Georg Kalupin war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof aus „Rußland“, orthodox, geboren 1911 in Cherson (heute Ukraine), gestorben am 11. August 1945 im Alter von 34 Jahren an offener Lungentuberkulose. Auf Grund seines Geburtsjahrgangs muss auch er Soldat in der sowjetischen Armee und dann in deutscher Kriegsgefangenschaft gewesen sein. Sein Name steht auch auf einer Liste, die die LVA Rheinprovinz dem DRK übermittelte, auf einer Liste des Arbeitsamtes und auf einer Liste des Moskauer Roten Kreuzes (Nr. 290).

Heinrich Karazewski war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof Schüler aus Polen, katholisch, geboren am 15. November 1924 in Warschau, gestorben am 12. April 1946 im Alter von 21 Jahren an Lungentuberkulose. Aus einem Arztbericht der Denklinger Klinik (nicht online verfügbar) war er im Polish Camp Mülheim/Ruhr, dort wurde im Mai 1945 Lungentuberkulose festgestellt. Daraufhin wurde er am 10. Oktober 1945 ins Krankenhaus Marienheide eingewiesen, er verlangte aber am eine Woche spätere am 17 Oktober die Rückführung ins DP-Camp, am 20. Oktober wurde er auf Anordnung der englischen Überwachungsbehörde in Denklingen eingewiesen. Dort ist er am 12. April 1946 gestorben. Die Bezeichnung „Schüler“ deutet darauf hin, dass er schon früh (1939/1940) als Jugendlicher nach Deutschland zur Zwangsarbeit deportiert worden war.

Zika Cvejanovic war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof Bäcker aus „Jugoslawien“, orthodox, wohnhaft in Oberkassel (wahrscheinlich Bonn-Oberkassel, dort gab es vom 1.4.1945 bis zum 1.4.1947 ein DP-Camp im Ernst-Kalkuhl-Gymnasium, Königswintererstraße 534). Er war geboren am 20. Dezember 1906 in Derventa (heute Republika Srpska in Bonsien-Herzegowina), gestorben am 17.Juni 1946 im Alter von 39 Jahren an offener Lungentuberkulose. Wahrscheinlich war er Soldat in der jugoslawischen Armee gewesen, geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft und wurde zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert.

Kasimir Skubin war gerade 19 Jahre alt, als die NS-Wehrmacht Polen überfiel. Er hatte als Soldat versucht, sein Land zu verteidigen, geriet aber offensichtlich in Kriegsgefangenschaft. Laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof war er am 12. Februar 1920 in Gnesen (Gniezno/Polen, von 1939 bis 1945 unter deutscher Besatzung) geboren, er war katholisch und verheiratet mit Gertruda Skubin. Er wird im Sterbebuch als „aktiver Soldat“ bezeichnet, war aber wahrscheinlich nach seiner Gefangennahme zur Zwangsarbeit eingesetzt gewesen. Als Wohnort wird „Lager Etzel / Köln“ angegeben, dort befand sich in der Etzelkaserne ein Camp für polnische DPs. Am 22. Dezember 1946 ist er im Alter von 26 Jahren an offener Lungentuberkulose gestorben

Josef Bobik war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof katholisch und am 14. Mai 1922 in „Medynice / Polen“ (heute Medenytschi, Oblast Lwiw, Ukraine) geboren. Er wird als Landarbeiter bezeichnet, wobei unklar bleibt, ob das der Beruf in der Heimat war oder ob er nach Deutschland zur Zwangsarbeit in der Landwirtschaft deportiert worden war. Als Wohnort wird „Menden, Lager für Verschleppte“ angegeben – in Menden, heute ein Stadtteil von Mülheim/Ruhr, unterhielt die britische Militär von 1945 bis Juli 1948 ein DP-Camp. Am 14. April 1948 ist Josef Bobik im Alter von 26 Jahren an offener Lungentuberkulose gestorben.

Kazimiera Cimochowska geb. Jedlinska war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof am 15. September 1924 in „Stanislowow/Polen“ (heute Iwano-Frankiwsk / Ukraine) geboren. In den Unterlagen steht, sie sei „ohne Beruf“, das bedeutet, dass sie wahrscheinlich zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurde, bevor sie eine Berufsausbildung abgeschlossen hatte. [In den Personalunterlagen der „Bergwerksgesellschaft Hibernia AG, Bergwerksdirektion Gladbeck, Zeche Shamrock“ wird unter dem Namen Kazimiera Jedlinska eine Kokereiarbeiterin geführt, für die zwar der Geburtsort übereinstimmt, nicht aber das Geburtsdatum. Ob es sich um einen Schreibfehler handelt oder ob es eine andere Person war, ließ sich nicht herausfinden.] Sie war verheiratet mit Piotr Cimochowski (ein polnischer Zwangsarbeiter mit diesem Namen, geboren am 15. September 1917, hat vom 7.12.1942 bis zum 31.3.1945 im Bergwerk Ewald in Herten gearbeitet). Am 1. Mai 1948 ist sie im Alter von 24 Jahren an offener Lungentuberkulose gestorben. [Möglicherweise hatte sie eine Tochter: Am 16. Juli 1946 war eine Petra Cimochowska geboren, die am 10. Dezember 1948 aus einem Kinderheim in Bad Lippspringe nach Polen repatriiert wurde.]

Jekabs Pavelsons war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof Bauer bzw. Landarbeiter aus Lettland, evangelisch-lutherisch. Geboren war er am 13. September 1918 in Dampeli bei Ventspils. Als Wohnort wird das DP-Lager Augustdorf (Kreis Lippe) angegeben. Er war verheiratet, aber über seine Ehefrau ist nichts bekannt. In den Unterlagen des Arolsen-Archivs finden sich zwei Karten, auf denen er als DP registriert wurde. Karte 1 wurde am 26. Juni 1946 ausgestellt, Karte 2 ist ohne Datum. Aus den Karten geht hervor, dass er kein Kriegsgefangener war, also muss er zur Zwangsarbeit nach Deutschland gekommen sein. Er starb am 4. Mai 1948 im Alter von 29 Jahren an offener Lungentuberkulose.

Zenona Buchainska (in den Dokumenten „Buchanska“) war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof Landarbeiterin aus Polen und griechisch-katholisch. Sie war am 22. Mai 1923 in „Stolpiec, Wolhynien, Polen“ geboren. (Wolhynien gehört heute zum größten Teil zur Ukraine, über die Geschichte dieses Gebiets und die dort während des Zweiten Weltkriegs verübten Massaker lohnt sich der wikipedia-Artikel) Sie wurde am 22. Mai 1945 als „Displaced Person“ registriert. Auf der DP-Karte ist vermerkt, dass sie sich trotz der polnischen Staatsangehörigkeit als Ukarinerin sah („claimed nationality“), aus dem auf der Rückseite vermerkten Bedarf an Bekleidung geht hervor, dass praktisch nur ihr nacktes Leben aus der Zwangsarbeit retten konnte. Sie muss zu den vielen jungen Frauen gehört haben, die 1941/42 nach dem Überfall der NS-Wehrmacht auf die UdSSR zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt worden waren. Leider geht über ihr persönliches Schicksal in Deutschland nichts aus den Unterlagen hervor. Als Wohnort zur Zeit ihres Aufenthaltes in Denklingen wird „Brauweiler, Lager“ angegeben. Sie ist am 4. September 1948 im Alter von 25 Jahren an offener Lungentuberkulose im Krankenhaus Denklingen gestorben.

Wiera Blaskiewicz geborene Tamuloneck stammte laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof aus Polen, sie war „ohne Beruf“ und katholisch. Sie war geboren am 27. Dezember 1920 in „Zaloziercy bei Wilna / Polen“ (heute Vilnius / Litauen – mehr über die wechselvolle Geschichte der Stadt hier). Über ihr Schicksal als Zwangsarbeiterin in Deutschland wissen wir nichts, sie muss aber sehr krank geworden sein, denn vom 24. April bis 2. Juni 1945, also unmittelbar nach der Befreiung, war sie (unter ihrem Geburtsnamen Tamuloneck) Patientin im Sankt-Barbara-Hospital in Gladbeck, die dort angegebene Adresse „Steinstraße 53“ taucht bei vielen Patient:innen auf, es könnte sich um ein DP-Lager handeln. Nach der Enlassung aus dem Krankenhaus hat sie Heronim Blaskiewicz geheiratet, laut Sterbebuch „wohnhaft in Bochum“. Für sie selber wird als Wohnort „Borghorst, Lager“ angegeben. Am 5. Juli 1949 ist sie im Alter von 28 Jahren an offener Lungentuberkulose in Denklingen gestorben.

Juozas Meksraitis war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof Autoschlosser aus Litauen, katholisch, geboren am 22. Juni 1925 in „Jundiliu, Kreis Sakiai, Litauen“. Im März 1946 wurde eine DP-Karte für ihn ausgestellt, dort ist als Beruf „Bauer“ angegeben, er hat auch als Koch gearbeitet. Da er kein Kriegsgefangener war, muss er als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt worden sein. Er war nach der Befreiung im DP-Lager Wetter untergebracht, von dort muss er ins Hospital nach Denklingen gekommen sein. Er ist dort am 23. Dezember 1948 im Alter von 23 Jahren an Lungentuberkulose gestorben.

Piotr Sienkiewicz war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof Landwirt. Er kam aus Polen, war katholisch und am 2. Februar 1920 in „Biaski bei Bialistok / Polen“ (heutige Schreibweise Białystok) geboren (Lage des GeburtsortsInformationen über den Geburtsort). Ein Peter Sienkiewicz war laut Unterlagen der Ruhrkohle Bergbau AG, Bergwerk Ewald/Schlägel & Eisen, Herten, vom 5. Dezember 1942 bis zum 31. März 1945 als Zwangsarbeiter im Bergbau eingesetzt, allerdings ist als Geburtsdatum der 2. Februar 1921 angegeben. Ob es sich bei einem der Geburtsjahre um einen Schreibfehler handelt oder ob es zwei verschiedene Personen sind, können wir nicht beurteilen. Als Wohnort ist im Sterbebuch „Paderborn/Lager“ (DP-Unterkunft der britischen Militär-Verwaltung) angegeben, gestorben ist Piotr Sienkiewicz am 20. März 1950 in Denklingen im Alter von 30 Jahren an Lungentuberkulose.

Jan Pomoranski stammte laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof aus Polen sein Beruf wird als Kraftfahrer angegeben, er war katholisch. Geboren war am 16. Juli 1914 in „Borow Krasnystaw / Polen“ (der Ort liegt in der Woiwodschaft Lubin in Ostpolen). Aus den Unterlagen seiner Frau Leokadia, geb. Antas, wissen wir, dass die beiden am 16. Mai 1945 in Calenberg geheiratet haben (Heiratsurkunde). Dort war zumindest Leokadia Antas von 1940 bis 1945 als Zwangsarbeiterin in der Landwirtschaft (Quelle1 Quelle2). Die gemeinsame Tochter ist am Maria Barbara ist am 16. April 1946 in Warburg geboren (Geburtsurkunde). Das Paar war, wie aus dem Lebenslauf der Ehefrau hervorgeht, in verschiedenen DP-Lagern, zuletzt in Bocholt, was in der Sterbeurkunde als gemeinsamer Wohnort angegeben wird. Am 1. Dezember 1949 ist Jan Pomoranski im Alter von 35 Jahren in Denklingen an offener Lungentuberkulose gestorben (Sterbeurkunde). Leokadia Pomaranski ist wahrscheinlich nach 1951 in die USA ausgewandert, jedenfalls war das ihr Wunsch in den beim IRO eingereichten Unterlagen.

Magdalena Horvath war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof eine Landarbeiterin aus Ungarn, sie war katholisch und geboren am 4. Januar 1920 in „Venez / Ungarn“ (Ein Ort dieses Namens konnte nicht gefunden werden). Das Geburtsdatum wird in anderen Dokumenten übereinstimmend mit „4. Juni 1920“ angegeben, daher handelt es sich bei dem Eintrag im Sterbebuch wahrscheinlich um einen Schreibfehler. Auf einer am 6. Juni 1945 ausgestellten DP-Karte ist das Geburtsdatum 4. Juni 1920 vermerkt, letzter Wohnort soll „Gissing“ in Österreich gewesen sein (wahrscheinlich Güssing im Grenzgebiet zu Ungarn). Sie wird dort als „Gipsy“ bezeichnet. Das DP-Lager, in dem sie damals war, hatte sie wohl auf eigene Faust verlassen, denn mit Rotstift wurde notiert „left camp whereabout unknown“ (hat das Lager verlassen, Aufenthaltsort unbekannt). Auf einer handschriftlichen Notizkarte wird auf der Rückseite angegeben, dass sie am 1. April 1951 im „DP-Hospital“ Denklingen gestorben ist. Sie muss vor ihrem Tod längere Zeit im Krankenhaus gewesen sein, denn in einer Liste mit Ausländern, die sich nach dem Krieg im Oberbergischen aufhielten, wird sie als Österreicherin in Denklingen aufgeführt. (Wir können davon ausgehen, dass die anderen Personen mit Wohnort „Denklingen“ ebenfalls Patient:innen in der Burgbergklinik waren.)

Einblicke in das Schicksal von Magdalena Horvath und ihrer Familie geben Listen aus verschiedenen Konzentrationslagern: In das Ende 1938 /Anfang 1939 eingerichtete KZ Ravensbrück wurden Ende Juni 1939 440 Sinti und Roma aus dem österreichischen Burgenland deportiert, davon mehr als 50 Frauen mit dem Namen Horvath (Liste 1, Liste 2 Liste 3, Liste 4, Liste 5). Magdalena Horvath (auf Liste 2) war damals gerade 19 Jahre alt geworden. Sie wird in Ravensbrück mit der Nummer 1760 inhaftiert. Alle Frauen werden in den Listen als „arbeitsscheu“ und „Zigeunerin“ diffamiert. Sie muss über 5 Jahre in Ravensbrück gefangen gehalten worden sein, wahrscheinlich als Zwangsarbeiterin in einem der angegliederten Rüstungsbetriebe. Anfang September 1944 werden einige Frauen mit Namen Horvath ins KZ Buchenwald bei Weimar transprotiert, der Namen Magdalena steht zwar auch auf den Listen (Liste 1 Liste 2, Liste 3), aber die Häftlingsnummer und das Geburtsdatum stimmen nicht überein. Im zu Ravensbrück gehörenden Außenlager Altenburg werden am 13. September 1944 28 Frauen mit dem Namen Horvath als Neuzugänge aufgeführt, davon werden acht am 14. bzw. 16. Oktober 1944 ins Vernichtungslager Auschwitz transportiert. Ob Magdalena Horvath bis zur Befreiung in Ravenbrück gefangen war, wissen wir nicht definitiv. Sie hat das Lager zwar überlebt, muss aber auf jeden Fall sehr krank geworden sein. Aus einer Akte des „Care and Maintenance“-Programms der UN-Flüchtlingsorganisation IRO von Ende 1950 geht hervor, dass sie schon seit fünf Jahren mit einer schweren Tuberkulose im Krankenhaus war, die Ärzte in Denklingen sehen eine schlechte Prognose und halten noch zwei weitere Jahre Klinikaufenthalt für nötig (zweite Seite des verlinkten Dokuments). Magdalena Horvath hat noch Pläne: Sie möchte sich in den USA niederlassen (dritte Seite des verlinkten Dokuments). Doch sie hat es nicht geschafft: Am 1. April 1951 ist sie in Denklingen im Alter von 30 Jahren an Lungentuberkulose gestorben. Sie zählt zu der halben Million Sinti und Roma, die dem Rassismus der Nazis zum Opfer gefallen sind.

Maria Tracz geb. Olszewska stammte Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof aus Polen. Es wird kein Beruf bei ihr angegeben, es ist anzunehmen, dass sie noch keine Gelegenheit hatte, einen Beruf zu erlernen, als sie zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurde. Sie war katholisch und geboren am 26. Mai 1924 in „Korzewa/Polen“. [Ein Ort mit diesem Namen haben wir nicht gefunden, im Sterbebuch wird zunächst „Tarnopol“ erwähnt und in einem Nachtrag in „Korzewa“ korrigiert. In der Nähe von Tranopol – im 2. Weltkrieg in Polen, heute mit dem Namen Ternopil in der Ukraine – liegt Kozowka, vielleicht ist dieser Ort gemeint.] . Als Wohnort wird „Denklingen, Heilstätte“ angegeben, sie muss also längere Zeit dort gewesen sein. Maria Tracz war verheiratet, sie hatte am 7. November 1945 in Duisdorf Wladyslaw Tracz geheiratet. Dessen Wohnort wird 1950 mit Bocholt angegeben, wo es 4 DP-Lager gab, darunter eines für polnische Staatsbürger*innen. Das Ehepaar hatte zwei Kinder: Helena Tracz, geboren am 4. Dezember 1945 in Brauweiler, und Stanislaw Tracz, geboren am 13. Februar 1947 in Wimbern/Ruhr. Gestorben ist Maria Tracz am 10. September 1950 im Alter von 26 Jahren in Denklingen an offener Lungentuberkulose. Während der Krankheit der Mutter waren die Kinder zunächst in einem Kinderheim in Bad Rothenfelde, sie sind aber nach dem Tod von Maria Tracz wieder zum Vater gekommen. Wladyslaw Tracz ist im Juli 1951 mit den Kindern in die USA emigriert, sein Name steht zusammen ihnen und einer „Marianna Tracz“, geboren 1907, auf einer Liste von Emigranten

Kalju Ots war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof am 2.Juli 1923 in Vorumaa / Estland geboren. Auch bei ihm ist angegeben, er sei „ohne Beruf“, das heißt, dass er zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurde, bevor er eine Ausbildung abgeschlossen hatte. Als Wohnort steht im Sterbebuch Bocholt, dort gab es 4 DP-Lager, darunter eines für Bürger*innen der baltischen Staaten. Am 19. März 1950 ist er im DP-Hospital Denklingen im Alter von 26 Jahren an offener Lungentuberkulose gestorben.

Albert Kawecki war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof Heizer mit unbekannter Staatsangehörigkeit, er war katholisch und am 14. April 1907 in Wanne-Eickel geboren. Er hatte am 30. April 1928 in Escaudain (Nordfrankreich) Helene Gadomska geheiratet. Am 18. Mai 1946 wurde für ihn eine DP-Karte ausgestellt, auf der er sich als Pole bezeichnet und zunächst den Wunsch äußert, sich in Polen anzusiedeln (in den späteren IRO-Hilfeersuchen steht dann, dass er nicht mehr nach Polen wolle). Aus der Karte geht auch hervor, dass er am Stichtag 1.1.1938 in Frankreich wohnte. Genaueres geht aus Hilfeersuchen an die IRO hervor (Quelle1 Quelle2): Er lebte mit seiner Famile bis 1940 in Frankreich, zunächst in Escaudain, dann in Valenciennes. Dort sind der Sohn Edward und die Töchter Irena und Hildegard geboren, dort hat er als Bergmann gearbeitet. 1940 wurde er nach eigenen Angaben nach Deutschland deportiert, er war aber kein Zwangsarbeiter, sondern erhielt einen Monatslohn von 300 RM für seine Arbeit in der Zeche Prosper in Bottrop, später 350 RM bei Nordstern in Gladbeck. Ab 1945 war die Familie in verschiedenen DP-Camps. Albert Kawecki muss zeitweilig in Denklingen im Krankenhaus gewesen sein, handschriftlich ist vermerkt, dass er im Juli 1948 aus dem Krankenhaus Denklingen entlassen wurde. 1949 wohnte er laut Sterbebuch zusammen mit seiner Frau im Assembly Center für DPs Essen-Kray. Von dort ist er wohl wieder nach Denklingen eingewiesen wurde, wo er am 19. November 1949 in der „Heilstätte Denklingen“im Alter von 42 Jahren an der Bergmannskrankheit „Silikotuberkulose“ gestorben ist.

Gustav Swiderski wird in der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof als „aktiver polnischer Offizier“bezeichnet. Er war katholisch, geboren am 17. April 1895 in Krosno. Als Wohnort wird „Bad Rehburg, Lager“ angegeben; in Bad Rehburg im Kreis Nienburg gab es mehrere Lager und Sanatorien für DPs. Gustav Swiderski war verheiratet und hatte mit seiner Frau Celestyna in Siedlce in Polen gewohnt. Am 9. April 1946 wurde eine DP-Karte für ihn ausgestellt. Gestorben ist er am 3. Juli 1949 im Alter von 54 Jahren an Lungentuberkulose.

Stanislawa Kowalczyk war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof Hausgehilfin aus Polen, katholisch, geboren am 30. Mai 1923 in „Janiszowska bei Kostapol, Polen“ (heute Kostopil in der Ukraine). Für sie wurde 1942 (da war sie 19 Jahre alt) ein „Ausweis für Zivilarbeiterin aus Sowjetrußland“ ausgestellt, aus dem hervorgeht, dass sie zunächst bei der „Firma August Winkhaus“ und ab März 1943 bis Ende 1944 bei „Alfons Hähemann“ in Telgte bei Münster Zwangsarbeit geleistet hat. Im Sterbebuch wird als Wohnort das DP-Lager Augustdorf genannt, von wo aus sie wohl nach Denklingen eingeliefert wurde. Dort ist sie am 22. November 1948 im Alter von 25 Jahren an Lungentuberkulose gestorben.

Wladyslawa Bogusz geb. Kukoba stammte laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof aus der Ukraine, es ist angegeben, sie sei „ohne Beruf“ und katholisch. Geboren ist sie demnach am 24. Januar 1923 in Kiew. Als Wohnort ist in den Listen der Gemeinde das DP-Lager Augustdorf genannt. Sie war verheiratet mit Stanislaus Bogusz, „aufhaltsam in Werl“. In einem IRO-Hilfeersuchen, das der Ehemann im September 1947 gestellt hatte, ist schon angegeben, dass sie krank sei („Wife ill“), sie war nach diesem Antrag schon 1945 im DP-Hospital Denklingen. (Im IRO-Hilfeersuchen ist als Geburtsort von Waldyslawa Bogusz „Sanok“ angegeben. Dafür, dass dies der richtige Geburtsort ist, spricht, dass ihr Name auf einer Liste von in Denklingen verstorbenen Personen aus der Ukraine und aus Russland fehlt.) Sie war dreifache Mutter: Ihr Sohn Antoni ist am 6. Januar 1944 in Hamm geboren, der zweite Sohn Stanislaw am 12. April 1945 (in anderen Unterlagen ist der 11.4.1946 genannt) im DP-Camp Greven, die Tochter Anna am 24. Dezember 1947 im Krankenhaus Senne. Frau Bogusz muss also nach ihrem Aufenthalt in Denklingen im Jahr 1945 wieder bei ihrer Familie gewesen sein, die Geburten haben aber wohl die Auszehrung weiter verstärkt. Am 27. August 1948 ist sie im Alter von 25 Jahren in Denklingen an doppelseitiger Lungentuberkulose gestorben. Wie aus handschriftlichen Vermerken auf dem IRO-Hilfeersuchen hervorgeht, waren die drei Kinder nach dem Tod der Mutter in einem Kinderheim in Bad Lippspringe untergebracht und wurden im Dezember 1948 nach Polen repatriiert.

Natalia Wojcik geb. Drichanski (auf dem Grabstein Orichanski) stammte laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof aus der Ukraine. Sie war katholisch und geboren als Natalia Drichanski am 21. Januar 1923 in „Ducpropctrowski / Ukraine“ (Ein Ort mit diesem Namen konnte nicht gefunden werden, vielleicht ist Dnipro in der damaligen Schreibweise Dnipropetrowsk gemeint). Sie wohnte im DP-Lager „Warta“ für Menschen polnischer Nationalität in Brauweiler. Am 6. April 1945 hatte sie Stanislaw Wojcik geheiratet, die Heirat wurde beim Standesamt Lachen (bei Speyer) beurkundet. Dort hatte es ein Lager für „Zivilarbeiter“, also für Zwangsarbeiter, gegeben. Natalia oder Stanislaw oder beide waren wohl dort interniert und haben direkt nach der Befreiung geheiratet. Für Stanislaw war am 4. Mai 1945 eine DP-Karte ausgestellt worden, auf der auch Natalia vermerkt ist. Am 20. Februar 1948 ist sie im Alter von 25 Jahren an exsudativ-cavernöser Lungentuberkulose gestorben.

Josepha Witkowska war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof eine Schneiderin aus Polen. Sie war katholisch, geboren am 15. März 1925 in „Oruovine / Polen“ (ein Ort dieses Namens wurde nicht gefunden, auch nicht in der Schreibweise „Orvovine“ von der DP-Karte). Als Wohnort ist im Sterbebuch Mühlheim / Ruhr, „Lager für Verschleppte“ angegeben, dort war sie laut DP-Karte seit dem 5. Oktober 1946. Wo sie vorher war, insbesondere wo sie von den Nazis als Zwangsarbeiterin eingesetzt war, geht nicht aus den Unterlagen hervor. [Eine „Josefa Wittkowska“ mit einem ähnlichen Geburtsdatum (15.2.1924) war ab Juni 1941 zunächst in Oberense bei Werl, dann in Wickede Zwangsarbeiterin in landwirtschaftlichen Betrieben.] Sie war bedürftig, aber konnte sich auch selbst helfen: Im Sommer 1946 bekam sie laut DP-Karte ein Hemd, im Januar 1947 ein Paar Schuhe und vier Stränge Wolle – wohl, um sich einen Pullover zu stricken. Ihr Plan war, sich in Rotterdam niederzulassen. Das hat sie nicht mehr geschafft: Am 26. Juli 1947 im Alter von 22 Jahren in Denklingen an offener Lungen- und Darmtuberkulose gestorben.

Dymitry Romaniuk war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof „griechisch-katholisch“ und Landarbeiter aus der Ukraine. Er war geboren am 10. November 1919 in Novica (heutige Schreibweise Novistia), Kreis Kalusch, Ukraine. In der im Februar1947 ausgestellten DP-Karte bezeichnet er sich selbst als Pole, in einer für das DRK ausgestellten Liste wird er als Russe bezeichnet. Auf der Rückseite der DP-Karte ist vermerkt, dass er im Februar 1947 dringend Kleidung benötigte. Er wohnte 1947 im DP-Lager in Velbert – laut Sterbebuch zusammen mit seine Frau Maria Romaniuk geb. Jazczenko. Sein Ziel war es, nach Kanada auszuwandern. Am 29. August 1947 ist er in Denklingen im Alter von 27 Jahren an offener, kavernöser Lungentuberkulose gestorben.

Josef Chmielewski stammte laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof aus Polen, er war Arbeiter. Er wurde im Dezember 1900 in „Soskrajewce, Kreis Kielce“, geboren und war katholisch. Weil keine genaues Geburtsdatum angegegeben ist, ist es schwierig, genaueres über ihn heraus zu finden. Ein Josef Chmielewski, geboren am 12. Dezember 1900 in Kielce, war vom 9. Oktober 1944 bis zum 31. März 1945 Zwangsarbeiter bei der Bahnmeisterei Münster. Als er in das DP-Hospital Denklingen eingeliefert wurde, wohnte er in „Leverkusen, Lager“. Am 25. Dezember 1946 ist er im Alter von 46 Jahren in Denklingen an Lungentuberkulose gestorben. Im Sterbebuch ist vermerkt, dass er verheiratet war. Es fehlen aber Angaben über seine Ehefrau.

Nikolai Mucenieks war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof Eisenbahnbeamter aus Lettland. Er war evangelisch und am 14. Februar 1905 in Riga geboren. Auch in einer DP-Karte wird er als Eisenbahn-Arbeiter bezeichnet, weitere neue Informationen finden sich dort nicht. Als Wohnort wird im Sterbebuch Warendorf bei Münster angegeben (wahrscheinlich im dortigen DP-Lager), gestorben am 10. September 1946 im Alter von 41 Jahren an offener beidseitiger Lungentuberkulose. Sein Tod wurde in einer Meldung der Militärregierung bestätigt.

Anna Bagatis wird in der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof als landwirtschaftliche Arbeiterin aus Lettland bezeichnet. Sie war evangelisch, geboren am 31.Oktober 1896 in „Sanka / Lettland“ (eher Sauka). Ihre DP-Karte gibt leider keine weitere Auskunft. Als Wohnort ist im Sterbebuch das DP-Lager in Bonn-Oberkassel angegeben. Sie ist am 6. Mai 1946 im Alter von 49 Jahren in Denklingen an Lungentuberkulose gestorben. In ihrem Fall sind genauere Angaben über den Todesfall aus der Klinik Denklingen erhalten.

Boris Kostin kam laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof aus „Rußland“. Geboren war er in „Stalino“ (heute Donezk, Ukraine). Das Geburtsdatum ist nicht angegeben, auch sein Wohnort ist „unbekannt“, gestorben ist er am 16. September 1945 im Alter von 35 Jahren an Lungentuberkulose. Sein Tod ist auch in einer Liste des Arbeitsamts bestätigt, aber es gibt keine weiteren Informationen. Auch einen Liste des Roten Kreuzes aus der Sowjetunion ist er zu finden (Nr. 42), dort wird bestätigt, dass er in Denklingen an TBC gestorben ist. Auf Grund seines Geburtsjahrgangs ist er wahrscheinlich als Kriegsgefangener nach Deutschland gekommen, er muss ab dem 9. Mai 1942 in Regensburg als Zwangsarbeiter gewesen sein, denn er wird dort auf einer Liste der AOK geführt, auf der auch das Geburtsdatum steht: 28. Februar 1911. Nach der Befreiung war er dann ab dem 28. April bis zum 25. Mai 1945 mit der Diagnose „Lungentuberkulose“ im Krankenhaus „Maria Hilf“ in Bergisch-Gladbach. Wahrscheinlich ist er von dort nach Denklingen gekommen, wo ihm aber letztendlich doch nicht mehr geholfen werden konnte.

Nikolay Dechtjorow wird in einer Liste des Arbeitsamtes und in einer Liste für das DRK aufgeführt. Er muss ziemlich bald nach der Befreiung in Denklingen eingeliefert worden sein, sein Name erscheint in einer Liste des „85th Evacuation Hospital“ vom 4. Mai 1945 als „Russian Civilian“ (Nr. 737) mit der Diagnose „Tubercolis“. In der Gräberliste und und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof wird er als Schüler aus „Rußland“ bezeichnet, orthodox und geboren in „Somme / Russland“, Wohnort „Somskaja / Russland“ (wahrscheinlich das heutige Sumy in der Ukraine). Die Bezeichnung „Schüler“ deutet darauf hin, dass er schon früh (kurz nach dem Überfall der NS-Wehrmacht auf die Sowjetunion im Juni 1941) als Jugendlicher nach Deutschland zur Zwangsarbeit deportiert worden war. Am 11. September 1945 ist er in Denklingen im Alter von 20 Jahren an offener Lungen- und Kehlkopftuberkulose gestorben.

Boris Tarabunsk wird wie Nikolay Dechtjorow wird in einer Liste des Arbeitsamtes und in einer Liste für das DRK aufgeführt. Sein Name steht auch in einer kyrillischen Liste des sowjetischen Roten Kreuzes (Nr. 82) mit dem Hinweis „gestorben in Denklingen“. Laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof stammte aus „Rußland“, er war orthodox. Geboren war er am 20. Februar 1929 in Kiew, als Wohnort wird ebenfalls Kiew angegeben. Er muss also schon als Kind oder Jugendlicher zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert worden sein, die Deportationen liefen ab 1942. Sein Name taucht auf einer Liste des „Hilfskrankenhauses für Infektionskrankheiten“ in Merten bei Bonn auf, dort war er von 4. Dezember 1944 bis zum 16. Juli 1945 wegen Lungentuberkulose behandelt wurde. Von dort muss er nach Denklingen gekommen sein, wo ihm aber auch nicht mehr geholfen werden konnte. Er starb dort am 2.September 1945 im Alter von 16 Jahren an Lungentuberkulose.

Alexei Scherbinin war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof aus „Rußland“, er war orthodox und geboren in Ivanowo in Russland. Ein Geburtsdatum ist nicht bekannt, aus der Angabe, dass er bei seim Tod 27 Jahre alt war, kann geschlossen werden, dass er 1918 geboren sein muss. So steht es auch in der Liste für das DRK. Er hat als Kriegsgefangener von Oktober 1941 bis zum 13. Januar 1943 bei der Bahnmeisterei in Parsberg (zwischen Nürnberg und Regensburg) Zwangsarbeit verrichtet.Am 24. August 1945 ist er im Alter von 27 Jahren in Denklingen an offener Lungentuberkulose gestorben.

Anton Stankevich ist in einer Liste der Klinik für das DRK und in einer kyrillischen Liste des sowjetischen Roten Kreuzes aufgeführt (Nr. 172). In der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof wird sein Name „Stankewich“ geschrieben. Er wird als Arbeiter aus „Rußland“ geführt, er war orthodox und geboren in „Proskurow / Russland“ (seit 1955 Chmelnyzkyj/Ukraine). Über sein Schicksal in Nazideutschland wissen wir nichts. Er ist am 24. August 1945 im Alter von 24 Jahren in Denklingen an Lungentuberkulose gestorben.

Nikihor Lech ist in einer Liste der Klinik für das DRK und in einer Liste des Arbeitsamts aufgeführt. Er wird zwar in einer Liste des Arbeitsamtes unter „russische Zivilarbeiter“ aufgeführt, es ist aber auf Grund seines Alters eher möglich, dass er Soldat war und als Kriegsgefangener Zwangsarbeit geleistet hatte. In der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof ist angegeben, dass er aus „Rußland“ stammt, seine Religionszugehörigkeit wird mit orthodox bezeichnet. Er war am 5. Mai 1898 in „Sume/Russland“ (vielleicht in Sumy in der Ukraine gemeint) geboren. Er ist am 23. August.1945 im Alter von 47 Jahren in Denklingen an offener Lungentuberkulose gestorben.

Talif Alemov ist in einer Liste der Klinik für das DRK und in einer kyrillischen Liste des sowjetischen Roten Kreuzes aufgeführt (Nr. 79). Über sein Schicksal in Nazi-Deutschland wissen wir nichts. Laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof war er ein Bauer aus „Rußland“, geboren in „Andegan / Russland“ (möglicherweise Andijon in Usbekistan). Er war mohammedanisch. Weil die Nazi-Wehrmacht im zweiten Weltkrieg nicht bis Usbekistan vorgestoßen war, ist er vermutlich als Soldat der sowjetischen Armee in Kriegsgefangenschaft geraten und musste in Deutschland Zwangsarbeit leisten. Gestorben ist er in Denklingen am 18. August 1945 im Alter von 26 Jahren an Lungentuberkulose und Darmtuberkulose.

Adam Krawtszenko ist in einer Liste der Klinik für das DRK, in einer Liste des Arbeitsamts und in einer kyrillischen Liste des sowjetischen Roten Kreuzes aufgeführt (Nr. 291) aufgeführt. Laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof war er Landwirtschaftshelfer aus „Rußland“, geboren in „Schitomir / Russland“ (heute Schytomyr / Ukraine) und orthodox. Er muss bei der Befreiung sehr krank gewesen sein, denn er war vom 27. April bis zum 1. Juni 1945 im Krankenhaus „Maria-Hilf“ in Marialinden bei Overath wegen Tbc in Behandlung. Aus dieser Liste wissen wir auch sein Geburtsdatum: Er war am 10. Oktober 1924 geboren. Wahrscheinlich ist er von dort nach Denklingen gekommen sein, wo er am 12. August 1945 im Alter von 20 Jahren an offener Lungentuberkulose und Darmtuberkulose gestorben ist.

Gunars Alksnis war ein Kind, er hatte nur vier Jahre zu leben. In der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof steht, dass er polnischer Staatsangehörigkeit war. Angaben über seine Eltern gibt es nicht. Er war evangelisch getauft, geboren am 31. Januar 1941 in Riga (das spricht eigentlich gegen eine polnische Staatsangehörigkeit). Am 24. September 1945 ist er in Denklingen an Lungentuberkulose gestorben.

Semen Solowej ist in einer Liste der Klinik für das DRK, in einer Liste des Arbeitsamts und in einer kyrillischen Liste des sowjetischen Roten Kreuzes aufgeführt (Nr. 170) aufgeführt. In der Liste aus der Sowjetunion ist sein Geburtsjahr mit 1886 angegeben, er starb am 26. 9. 1945 in Denklingen, außerdem ist vermerkt, dass er aus Beregovskij Kirovogradsk. Obl. Dolonskij, Raion Berezovka stammte. Die Orte liegen in der Ukraine, die heutigen Ortsnamen sind Berehove, Kirowohrad, Dolynska und Berezivka. In der Liste des Arbeitsamtes wird er zwar unter „russische Zivilarbeiter“ aufgeführt, es ist aber auf Grund seines Alters eher möglich, dass er Soldat war und als Kriegsgefangener Zwangsarbeit geleistet hatte. Er war ab 15. Februar 1944 Zwangsarbeiter in Dillenburg bei der „Plettenberger Gußstahlfabrik“, aus der Liste geht auch hervor, dass er am 24. September 1886 in Beresowska (heute Berezivka) geboren war. In der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof wird er als Bauer aus „Rußland“, geboren in „Kirowograd / Russland“ (heute Kirowohrad / Ukraine) und orthodox. Am 31.Mai 1945 wurde er in das „85th Evac. Hospital“ eingewiesen. Am 26. September 1945 ist er dort in Denklingen im Alter von 59 Jahren an offener Lungentuberkulose gestorben.

Rosa Belusuwa ist in einer Liste der Klinik für das DRK und in einer Liste des Arbeitsamts aufgeführt. In der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof wird sie als Schülerin aus „Rußland“ bezeichnet. Die Bezeichnung „Schülerin“ deutet darauf hin, dass er schon früh (kurz nach dem Überfall der NS-Wehrmacht auf die Sowjetunion im Juni 1941) als Jugendliche nach Deutschland zur Zwangsarbeit deportiert worden war. Sie war geboren in „Liswo/Ural“ und orthodox. Als Wohnort ist im Sterbebuch Rostow angegeben. In einer Liste des Einwohnermeldeamts Düsseldorf ist ihr Geburtsdatum angegeben: Sie war am 26. Jnauar 1926 geboren. In Düsseldorf war sie Zwangsarbeiterin bei „Kurt Boldt, Veloer Str. 11a“. Am 29. September 1945 ist sie im Alter von 19 Jahren in Denklingen an offener Lungentuberkulose gestorben. Auch in zwei kyrillischen Liste des sowjetischen Roten Kreuzes (Liste 2) wird ihr Tod bestätigt.

Cadji Hadschimagamed ist in einer Liste der Klinik für das DRK unter dem Namen Gadji Kuromagamed aufgeführt. Laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof war er ein Arbeiter aus „Rußland“, mohammedanisch, geboren in „Mahatsch-Kala“ (wahrscheinlich Machatschkala in Dagestan). Als Wohnort ist „Tulundala / Nordkaukaus“ angegeben. Auf Grund seines Alters muss er als Angehöriger der sowjetischen Armee in deutscher Kriegsgefangenschaft gewesen sein. Über seine Gefangenschaft in Deiutschland und seinen wahrscheinlischen Einsatz als Zwangsarbeiter konnten – auch auf Grund der unklaren Schreibung seines Namens – keine Unterlagen gefunden werden. Am 9. Oktober 1945 ist er in Denklingen im Alter von 44 Jahren an offener Lungen- und Darmtuberkulose gestorben.

Lena Ribalkena ist in einer Liste der Klinik für das DRK und in einer Liste des Arbeitsamts aufgeführt. Laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof war sie eine Fabrikarbeiterin aus „Russland“, orthodox und geboren in „Stanice-Bruchowieckie / Russland“ (diesen Ort haben wir nicht gefunden). Als Wohnort nach der Befreiung ist Köln angegeben. Über ihre Zeit als Zwangsarbeiterin in Nazi-Deutschland konnten keine Unterlagen gefunden werden. Sie ist am 10. Oktober 1945 im Alter von 23 Jahren in Denklingen an Lungentuberkulose gestorben.

Paul Makarenke (in den Dokumenten: Makarenko) ist in einer Liste der Klinik für das DRK und in einer Liste des Arbeitsamts aufgeführt. Laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof war er ein Bergmann aus „Russland“ Als Geburtsort wird in „Charkow/Russland“ (heute Charkiw/Ukraine) angegeben, als Religionszugehörigkeit orthodox. Der Wohnort ist unbekannt, gestorben ist er am 16. Oktober 1945 in Denklingen im Alter von 42 Jahren an Lungentuberkulose. In der Liste des Arbeitsamtes wird er zwar unter „russische Zivilarbeiter“ aufgeführt, es ist aber auf Grund seines Alters eher möglich, dass er Soldat war und als Kriegsgefangener Zwangsarbeit geleistet hatte. Der Name taucht mehrfach in den Unterlagen des Arolsen-Archivs auf, aber nicht mit einem passenden Geburtsdatum. Bei den Einträgen ohne Geburtsdatum könnte ein Kriegsgefangener, der im Kreis Wunsiedel Zwangsarbeit verrichtete, der in Denklingen begrabene sein (Liste 1 Liste2 Liste 3), weil das Krankenhaus zur Zeit seines Todes von der US-Armee genutzt wurde.

Georg Matysiak stammte laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof aus Polen, geboren am 4. April 1925 in „Grodziek Kreis Warschau“ (wahrscheinlich Grodzisk) und katholisch. Als Wohnort wird Köln angegeben – wahrscheinlich ein DP-Lager dort. Gestorben ist er am 25. November 1945 in Denklingen im Alter von 20 Jahren an Lungen- und Nierentuberkulose. Er ist wahrscheinlich 1939/40 als Jugendlicher zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt worden, es waren aber keine Unterlagen aus dieser Zeit zu finden. Auf einer Sterbeurkunde sind die selben Angaben wie im Sterbebuch eingetragen.

Todor Bolbos – für ihn gibt es eine Bestätigung seines Todes und seines Grabs in Denklingen von der britischen Militärregierung. Laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof war er ein Bauer aus Rumänien, geboren in Dobricel / Rumänien und katholisch Als Wohnort ist „Dobricel, posta Spelmezan (wahrscheinlich Spermezeu), judetu Somes“ angegeben. Er ist am 24. Mai1946 im Alter von 44 Jahren in Denklingen an Lungentuberkulose gestorben.

Boleslaw Spiewak wird in der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof als Kaufmann aus Polen bezeichnet. Er war am 31. Oktober 1905 in Lodz geboren. Aus einer DP-Karte, die am 31. August 1945 ausgestellt wurde, geht hervor, dass er Kriegsgefangener war. Wo er in Gefangenschaft war und wo er gegebenenfalls Zwangsarbeiter war, geht leider aus den Unterlagen nicht hervor. Er brauchte bei Ausstellung der Karte dringend Kleidung, denn auf der Rückseite ist vermerkt, dass ihm von Socken bis Mantel fast alles zugeteilt werden musste. Er war zur Zeit der Einweisung in die Burgbergklinik im Displaced Persons Camp (Köln-)Ossendorf untergebracht. Am 19. November 1946 ist er im Alter von 41 Jahren an offener Lungentuberkulose in Denklingen gestorben.

Josef Laszczak war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof ein katholischer Arbeiter aus Polen. Geboren war er 12. Februar 1915 in „Miedzybordnie, Kreis Biala, Polen“ (möglicherweise Bielsko-Biala). Als Wohnort ist „Münster, Lager“ (in Münster gab es mehrere DP-Unterkünfte) angegeben. Am 20. Januar 1947 im Alter von 32 Jahren an offener Lungentuberkulose in Denklingen gestorben.

Nikolais Alksnis wird in der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof als Mechaniker aus Lettland bezeichnet. Er war am 3. Juli 1900 in Riga geboren und evangelisch. Sein Wohnort zum Zeitpunkt der Einlieferung nach Denklingen ist unbekannt. Er war verheiratet, doch es gibt keine Angaben über sein Ehefrau. Am 6. Juni 1947 ist er im Alter von 46 Jahren in Denklingen an doppelseitiger kavernöser Lungentuberkulose gestorben.

Halina Brzostowska geb. Wojenko kam laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof aus Polen, sie war „ohne Beruf“ und katholisch. Am 25. März 1912 war sie in „Kermenice bei Warschau“ geboren. Sie hatte am 21. November 1938 in „Lakowy Mokre, Kreis Grätz“ (heute Hradec nad Moravicí in Tschechien) Stanislaw Brzostowski ( geboren am 22. März 1907) geheiratet. Das Ehepaar war nach dem Überfall der NS-Wehrmacht auf Polen zur Zwangsarbeit im Ruhrgebiet, es gibt für einzelne Zeitabschnitte Dokumente: Stanislaw war vom 6. bis zum 27. Juli Schmied bei einer Zeche in Herne, vorher vorher war er als „Landarbeiter“ geführt. In der Arbeitskarte ist auch vermerkt, dass er verheiratet war und ein Kind hatte. Dies ist die einzige Spur des Kindes von Halina Brzostowska. Für sie selber gint es einen Eintrag in einer Liste der Zeche „Minister Stein“ in Dortmund, wo sie vom 9. Februar bis zum 20. Juni 1944 als „Zivilarbeiterin“ geführt ist (Nr. 17). Ihr Mann Stanislaw wird vom 28. Juli 1943 bis zum 20. März 1945 in einer Liste in Dortmund erwähnt (Nr. 61) , er war in der Zeit auch auf der Zeche „Minister Stein“ Zwangsarbeiter. Von Ende März bis Ende April 1945 war das Ehepaar in Enger-Besenkamp (heute Kreis Herford) (Quelle 1 Quelle2, Nr 12 und 13), anschließend waren sie in einem DP-Lager in Herford. Laut Sterbebuch wohnten sie schließlich in „Frille bei Minden, Lager für Verschleppte“. Am 11. August 1947 ist Halina Brzostowska im Alter von 35 Jahren in Denklingen an offener, doppelseitiger Lungentuberkulose gestorben.

Michal Baran wird in einer Liste der Klinik für das DRK über „russische und ukrainische Staatsbürger“ aufgeführt. In der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof wird er als „Landarbeiter aus Polen“ bezeichnet. Geboren war er am 16. November 1911 in „Koniuszki bei Lwow in Polen“ (heute Lwiw in der Ukraine), er war griechisch-katholisch. Gestorben ist er am 11. Noveḿber 1947 in Denklingen im Alter von fast 36 Jahren an offener Lungentuberkulose.

Piotr Melnik war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof ein Landarbeiter aus „Rußland“, geboren 4. Februar 1919 in „Koropiec bei Tarnopol“ (heute Ternopil / Ukraine). Die Woiwodschaft Tarnopol hat eine welchselvolle Geschichte: Sie gehörte von 1919 bis 1939 zu Polen, nach dem Überfall der NS-Wehrmacht auf Polen wurde Tarnopol gemäß dem Zusatzprotokoll des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts von sowjetischen Truppen besetzt und Teil der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Nach dem Überfall NS-Deutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 wurde Tarnopol Anfang Juli 1941 von der Wehrmacht besetzt, in der Folge gab es grauenhafte Massaker an der jüdischen Bevölkerung (siehe den oben verlinkten wikipedia-Artikel). Piotr Melnik kann 1939 nicht mehr in der Gegend seiner Geburt gewesen sein. Er muss sich zum Zeitpunkt des Überfalls der Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939 weiter westlich aufgehalten haben, denn aus einer Liste der Betriebskrankenkasse des „Eisenwerk Wanheim G.m.b.H.“ in Duisburg-Wanheim geht hervor, dass er dort ab März 1941 (bis 1945), also deutlich vor dem Überfall auf die Sowjetunion, Zwangsarbeiter war (Nr. 143). Dort wird er als Pole bezeichnet, in der Liste eines Duisburger Krankenhauses, in dem er vom 27. März bis zum 17. Mai 1944 in Behandlung war (Nr. 261), wird er unter „U.d.S.S.R“ geführt. Nach der Befreiung wurde er am 4. April 1946 als DP registriert, auch auf der Karte ist unter „Claimed Nationality“ (rechts oben) die Unklarheit sichtbar. Er äußert den Wunsch, nach Polen zurückzukehren. Aus der Liste auf der Rückseite der Karte wird deutlich, dass er dringend Kleidung brauchte. Er ist wohl noch längere Zeit in verschiedenen DP-Lagern gewesen, Anfang 1948 war er in Brauweiler. Von dort ist er in die Heilstätte Denklingen eingewiesen worden, wo er am 5. August 1948 im Alter von 29 Jahren an offener cavernöser Lungentuberkulose und Kehlkopftuberkulose gestorben ist. Hierüber gibt es eine Sterbeurkunde und eine Bescheinigung der Heilstätte.

Boleslaw Pijanowski war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof ein Schriftsetzer aus Polen. Er war am 6. Januar 1915 in „Wagrowiec, Bezirk Posen, Polen“ geboren und katholisch. Über sein Schicksal in NS-Deutschland haben wir keine Unterlagen gefunden. Er muss auf jeden Fall nach der Befreiung sehr krank gewesen sein und sich in verschiedenen DP-Lagern aufgehalten haben. Zwischenzeitlich war er im Krankenhaus Bad Lippspringe wegen Tuberkulose behandelt worden, danach hatten UN-Behörden seine Spur verloren („whereabouts unknown“ ist auf der Rüchseite der Karte vermerkt). Im Denklinger Sterbebuch ist notiert, dass er zuletzt im DP-Lager in Borghorst (Kreis Steinfurt) wohnte. Am 19. Oktober 1948 ist er in Denklingen im Alter von 33 Jahren an offener Lungentuberkulose gestorben.

Irena Styglan kam laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof aus Polen, die Angabe „ohne Beruf“ lässt vermuten, dass sie nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppt wurde, bevor sie eine Ausbildung machen konnte. Sie war katholisch und geboren am 14. Oktober 1923 in „Boryslaw, Kreis Lwow, Polen“ (heute Lwiw in der Ukraine). Im Sterbebuch ist als Wohnort Denklingen angegeben, also war sie wahrscheinlich sehr lange dort im Hospital. Sie war verheiratet mir Roman Styglan (geboren am 25. Mai 1912), dessen Wohnort im Sterbebuch mit Hamm, Westfalen angegeben wird. Die beiden hatten eine Tochter Danuta, die am 23. März 1945 in Wuppertal geboren war. Aus deren DP-Karte geht auch hervor, dass Irena Styglan vor ihrer Heirat Irena Hunowska hieß. Am 9. Juni 1949 ist sie im Alter von 25 Jahren in Denklingen an offener Lungentuberkulose gestorben. Roman Styglan ist am 21. Mai 1950 (wahrscheinlich mit der Tochter Danuta) nach Neuseeland ausgewandert.

Eduards Vitols war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof Landarbeiter aus Lettland. Er war evangelisch und am 29. Dezember 1909 in „Aivekste bei Jekabpils / Lettland“ geboren. Als Wohnort ist „Bochold, Lager“ angegeben (in Bocholt gab es u.a. ein Lager für DPs aus den baltischen Staaten). Er war laut Sterbebuch verheiratet, doch es gibt keine Angaben über seine Ehefrau. Am 19. Oktober 1949 ist er in Denklingen im Alter von fast 40 Jahren an doppelseitiger Lungentuberkulose gestorben.

Edward Czekaj war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof ein Landarbeiter aus Polen, geboren am 1. März 1923 in „Zatrzyce Mniejsze Kelce, Polen“ (wahrscheinlich Kielce in Polen) und katholisch. Über seine Zeit als Zwangsarbeiter in Deutschland gibt es keine klaren Angaben. Ein Eduard Czekaj ist in einer Liste der „Stolberger Zink AG“ aufgeführt (Nr. 19), eine Suche nach ihm wird im Juni 1949 ohne Ergebnis eingestellt. Leider fehlt bei dieser Person das Geburtsdatum, so dass nicht eindeutig ist, ob es sich um die Person handelt, die in Denklingen bestattet ist. Laut Sterbebuch wohnte Edward Czekaj 1950 „Borghorst, Lager“, er ist am 12. März 1950 im Alter von 27 Jahren an offener Lungentuberkulose in Denklingen gestorben.

Michal Szelest wird in einer Liste der Klinik für das DRK über „russische und ukrainische Staatsbürger“ aufgeführt. In der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof wird er als Kabelleger aus Polen bezeichnet. Er war katholisch und am 21. Januar 1913 in „Pankowice bei Brode / Polen“ geboren (möglicherweise Brody, Ukraine), dort gibt es auch einen Ort mit dem heutigen Namen Pankowa). Über seine Zeit als Zwangsarbeiter wissen wir nichts. Am 8. November 1945 wird eine DP-Karte für ihn ausgestellt, auf der der Geburtsort in Polen bestätigt wird, die Nationalität aber von „polnisch“ in „unkarinisch“ geändert wird. Als Beruf ist dort „Bauer“ eingetragen. 1950 ist im Sterbebuch als Wohnort „Denklingen, Heilstätte“ angegeben, er war wohl schon so lange krank, dass er keinen anderen Wohnsitz mehr hatte. Gestorben ist er am 21. Juni 1950 im Alter von 37 Jahren an offener Lungentuberkulose. Sein Tod ist auch in den Unterlagen über Displaced Persons notiert.

Wladyslaw Zalucki war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof Autoschlosser aus Polen. Er war katholisch, geboren am 27. August 1914 in „Kolomyja / Polen“ (heute zur Ukraine gehörig). Sein Nameerscheint im Juli 1947 auf einer Liste der US-Armee mit DPs, die von Kassel nach Wildflecken (in der Rhön) in ein DP-Camp gebracht wurden (Es fehlt aber ein Geburtsdatum, so dass nicht sicher ist, ob es sich um die gleiche Person handelt). Im Sterbebuch steht: „aufhaltsam in Denklingen“, das deutet darauf hin, dass er schon so lange krank war, dass er keinen anderen Wohnsitz mehr hatte. Am am 7. Juni 1950 ist er im Alter von 35 Jahren an offener Lungentuberkulose in Denklingen gestorben.

Elmar Walk wird in der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof als Landwirt bezeichnet. Er stammte aus Estland, war evangelisch und am 30. Oktober 1925 in „Häädemeeste, Pärnu, Estland“ geboren. Die Angaben stehen auch auf einer im Juli 1948 ausgestellten DP-Karte. Anscheinend ist er danach aus dem Blickfeld der Behörden verschwunden, denn auf einer Karte von 1955 steht, dass sein Aufenthaltsort seit 1948 unbekannt sei. Wann er nach Denklingen gekommen war, ist unklar, er wurde laut Sterbebuch aus dem DP-Lager Brauweiler eingewiesen. Er ist am 16. März 1949 im Alter von 23 Jahren in Denklingen an Lungentuberkulose gestorben.

Wladislaw Bienias war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof ein Landarbeiter aus Polen Er war geboren am 12. September 1921 in Zarnaziw, Radom / Polen und katholisch. Der Name taucht auf einer Liste aus Großalmerode (östlich von Kassel) auf, dort war er vom 19. September 1944 bis zum 1. Mai 1945 (Es fehlt aber ein Geburtsdatum, so dass nicht sicher ist, ob es sich um die gleiche Person handelt). Irgenwann muss er in das DP-Lager in Brauweiler gekommen sein, denn das ist im Sterbebuch als Wohnort angegeben. Am 10. Oktober 1949 ist er im Alter von 28 Jahren in Denklingen an Lungentuberkulose gestorben.

Jan Jaceko wird in der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof als Bäcker aus Polen beschrieben. Er war geboren am 27. Oktober 1922 in Nisko / Polen und katholisch. Über seinen Einsatz als Zwangsarbeiter in Deutschland gibt es keine Unterlagen, die ihm eindeutig zuzuordnen wären. Laut Sterbebuch wohnte er 1949/50 in „Bocholt / Lager„. Am 3. Februar 1950 ist er im Alter von 27 Jahren in Denklingen an offener Lungentuberkulose gestorben.

Jan Tadeusz Kamocki ist die einzige Person, von der es ein Foto gibt. Dahinter steckt eine spannende Geschichte: Er wird in der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof als Student aus Polen bezeichnet, geboren am 25. Oktober 1917 in Warschau und katholisch. Auf einer DP-Karte, ausgestellt am 12. August 1945 in Coburg, werden Geburtsdatum und Geburtsort bestätigt. Er sprach außer Polnisch noch Deutsch, Französisch und Englisch. Laut einer Liste war er (Nr. 15) vom 23. Juni 1945 bis zum 10. Januar 1946 in Coburg und sollte dann in ein DP-Lager nach Bayreuth. Ob er dort angekommen ist, bleibt unklar, denn auf der DP-Karte steht „ departet without leaving new adress“ (abgereist ohne eine neue Adresse anzugeben). Seine Brüder haben nach ihm gesucht (siehe DP-Karte, unterer Teil), sein Bruder Stefan hat im Januar 1946 eine Anfrage gestellt und ein Foto beigefügt. Stefan Kamocki schildert in seiner Anfrage, dass er das letzte Mal im Juni 1944 etwas von ihm gehört hatte, der ihm damals unter einer Deckadresse geschrieben hatte. Jan Tadeusz war offensichtlich am Warschauer Aufstand gegen die NS-Besatzer beteiligt und ist dabei verhaftet worden, wie auch aus einer Liste mit Gesuchten (Nr. 574) hervorgeht. Die Anfrage seines Bruders Stefan ist mit „Not Found“ gestempelt. Wo sich Jan Tadeusz Kamocki zwischen Januar 1946 und Herbst 1948 aufhielt, wissen wir nicht. Laut Sterbebuch war er zuletzt in einem Lager in Münster, bevor er in Denklingen eingeliefert wurde. Dort ist er am 27. September 1948 im Alter von 30 Jahren an Lungentuberkulose gestorben.

Michal Biesiada wird in einer Liste der Klinik für das DRK über „russische und ukrainische Staatsbürger“ aufgeführt. Laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof war er ein Landarbeiter aus Polen. Er war griechisch-katholisch und am 4. September 1921 in „Lepa, Kreis Przemysl, Polen“geboren (Der Ort hatte eine wechselvolle Geschichte und war Schauplatz von Massakern in der Zeit der deutschen Besatzung.). Es gibt keine Unterlagen über seine Zeit als Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangener in NS-Deutschland. Im Sterbebuch ist angegeben, dass er zuletzt in „Brauweiler, Lager“ wohnte. Er ist am 14. Juli 1948 im Alter von 26 Jahren in Denklingen an offener Lungentuberkulose gestorben.

Ewhraf Harkawyi wird in einer Liste der Klinik für das DRK über „russische und ukrainische Staatsbürger“ aufgeführt. In der Gräberliste und und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof wird sein Name mit „j“ (Harkawyj) geschrieben. Er stammte aus Polen und war Elektriker. Geboren war er am 10. Dezember 1901 in „Jaworiw in Polen, Kreis Lwow“ (heute zur Ukraine gehörig), sein Religionszugehörigkeit war orthodox. Er war verheiratet mit Ewhinia Harkawa, die beiden hatten im Jahr 1923 in Jaworiw geheiratet. Laut Sterbebuch war sein Wohnort im Oktober 1947 „zur Zeit in Denklingen, sonst ohne Wohnort“, für seine Frau ist angegeben: „zur Zeit in Greven bei Münster, Lager, wohnhaft“. Am 26. Oktober 1947 ist er im Alter von 45 Jahren in Denklingen an offener Lungentuberkulose gestorben.

Paraskewa Jarema geb. Skribenec wird in einer Liste der Klinik für das DRK über „russische und ukrainische Staatsbürger“ aufgeführt (dort ist ihr Name „Paraskievia“ geschrieben und als Geburtsjahr 1914 eingetragen). Laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof war sie eine griechisch-katholische Landarbeiterin aus Polen. Sie war am 15. August 1915 in „Chitar, Kreis Stryj / Polen“ (heute im Oblast Lwiw in der Ukraine) geboren. Am 4. September 1945 hatte sie in Gelsenkirchen Teodor Jarema geheiratet. Beide wohnten nach den Angaben im Sterbebuch zusammen in „Rheine in Westfalen, Lager für Verschleppte„. Sie ist am 7. August 1947 im Alter von fast 32 Jahren an beidseitiger exsudativer offener Lungentuberkulose in Denklingen gestorben.

Gregor Duchmyk wird in einer Liste der Klinik für das DRK über „russische und ukrainische Staatsbürger“ aufgeführt (dort „Duchnyk“). Laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof war er ein Bauer unbekannter Nationalität, geboren am 28. Juni 1914 in „Cleveland, Nordamerika“ und griechisch-katholisch. Warum er aus Cleveland in die UdSSR gekommen war (wenn die Zuordnung in der Liste für das DRK stimmt) oder ob es sich bei ihm um einen falsch zugeordneten US-Bürger handelt, ist nicht herauszufinden. Im Sterbebuch ist der Wohnort unbekannt, er ist am 19. April 1947 im Alter von 32 Jahren in Denklingen an offener Lungentuberkulose gestorben.

Imants Blumbergs war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof ein Student aus Lettland. Er war am 22. Juli 1928 in Riga geboren und evangelisch. Als Wohnort ist „Greven, Lager“ angegeben. Er ist am 23. Januar 1947 im Alter von 18 Jahren in Denklingen an offener Lungentuberkulose gestorben.

Kasimir Krol war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof ein Bauer aus Polen, geboren am 28. Mai 1918 in „Karssi bei Kielce“ und katholisch. Auf einer Liste ist sein Einsatz als „Torfarbeiter“ (wahrscheinlich als Kriegsgefangener) während der NS-Zeit an einem unbekannten Ort dokumentiert, auch ein Aufenthalt im Krankenhaus Anröchte Ende März 1943 ist wohl ihm zuzuordnen (Nr. 244). Am 5. November 1946 wurde eine DP-Karte (Kopie für das Krankenhaus) für ihn ausgestellt. Im Sterbebuch steht, er sei wohnhaft in Lippstadt (wahrscheinlich im dortigen DP-Camp) gewesen. Am 27. November 1946 ist er im Alter von 28 Jahren in Denklingen an Lungentuberkulose gestorben.

Stefan Michaluk war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof ein Kraftfahrer aus Polen. Er war katholisch und geboren am 26. August 1925 in „Sakatow / Polen, Bezirk Tarnopol“ (heute Ternopil / Ukraine). Über seinen Einsatz als Zwangsarbeiter gibt es keine eindeutigen Unterlagen, nur eine Liste des Aachener Krankenhauses über einen damals 19-jährigen Stefan Michaluk, der vom 13. bis 24. März 1945 dort wegen Verbrennungen 1. und 2. Grades behandelt wurde. Weil kein genaues Geburtsdatum angegeben ist, kann das Dokument nicht eindeutig zugeornet werden. Im Sterbebuch ist als Wohnort Ossendorf (DP-Camp Köln-Ossendorf) angegeben. Am 11. Juni 1946 ist er im Alter von 20 Jahren in Denklingen an Lungentuberkulose gestorben.

Thomas Lempert wird in der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof als Tiefbauarbeiter aus Polen bezeichnet. Nach diesen Unterlagen war er katholisch und am 24. Februar 1896 in „Krzerzow, Kreis Bakor, Polen“ (möglicherweise Krzeszowice) geboren. Andere Unterlagen über ihn konnten nicht gefunden werden. Laut Sterbebuch wohnte er in Köln-Hohenlind, gestorben ist er am 6. März 1946 in Denklingen im Alter von 50 Jahren an Lungentuberkulose.

Klara Michalska geb. Wdowina wird in der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof als „Ehefrau“ aus Polen bezeichnet. Sie war am 10. Mai 1913 in „Rostow / Rußland“ geboren und katholisch. In einer Liste des Rhein-Wupper-Kreises mit russischen Zwangsarbeitskräften (wahrscheinlich in Leverkusen) taucht ihr Geburtsname auf, allerdings ist der Vorname etwas anders geschrieben. Weitere Informationen konnten nicht gefunden werden. Laut Sterbebuch war sie verheiratet mit Leonard Michalski, geboren am 10. November 1902, und hatte eine Tochter Krystyna, die am 10. Februar 1946 in Leverkusen-Schlebusch geboren war. Ihr Mann hatte im Dezember 1947 ein Hilfeersuchen an die I.R.O. für die Familie geschrieben, damals war Klara Michalska schon in der Klinik in Denklingen. Die Familie wohnte in einem DP-Lager in Rheine. Am 2. Januar 1950 ist Klara Michalska im Alter von 36 Jahren in Denklingen an offener Lungentuberkulose gestorben.

Jan Faige war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof ein Bauer aus Polen Er war katholisch und am 14. Juli 1919 in „Nowa Wola, Kreis Lubin, Polen“ geboren. Als Wohnort ist im Sterbebuch Denklingen angegeben, das bedeutet, dass er wohl bald nach der Befreiung am 8. Mai 1945 dort eingeliefert wurde. Er muss aber zwischenzeitlich auch im DP-Camp in Köln-Mülheim gewesen sein, denn dorthin ging ein Arztbericht. Er ist am 5. Februar 1946 im Alter von 26 Jahren an Lungentuberkulose gestorben. In seinem Fall liegt eine Sterbeurkunde und ein Arztbericht zu seinem Tod vor.

Josef Slowik wird in den Unterlagen der Gemeinde Reichshof (Gräberliste und Sterbebuch) als Klempner aus Polen bezeichnet. Er war am 4. Mai 1915 in Kielce / Polen geboren und katholisch. Er ist wahrscheinlich als Kriegsgefangener zur Zwangsarbeit in Deutschland eingesetzt worden, leider gibt es hierüber keine Unterlagen. Als Wohnort ist Denklingen angegeben, das bedeutet, dass er wohl bald nach der Befreiung dort eingeliefert wurde, bevor er in einem Lager für Displaced Persons untergebracht werden konnte. Er ist am 6. Januar 1946 im Alter von 30 Jahren in Denklingen an Lungentuberkulose gestorben. Dies steht auch so in der Sterbeurkunde.

Henryk Woicik wird in der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof als Bauer unbekannter Nationalität bezeichnet. Er war katholisch und am 11. November 1925 in „Kostki Mate, Kreis Kielce“ geboren. Er wohnte 1945 in Mülheim (wahrscheinlich in einem DP-Lager). Am 20. Dezember 1945 ist er in Denklingen im Alter von 20 Jahren an Lungen- und Darmtuberkulose gestorben. Auch bei ihm wurde eine Sterbeurkunde ausgestellt.

Hendryk Olenik stammte laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof aus Polen. Geburtsort und -datum sind nicht genannt, es ist lediglich seine Religionszugehörigkeit mit „katholisch“ notiert. Als Wohnort ist „Starochin / Polen“ (wahrscheinlich Starocin) angegeben. In einer Liste des rheinisch-bergischen Kreises ist sein Name aufgeführt (Nr. 221), demnach war er Zwangsarbeiter in einem landwirtschaftlichen Betrieb bei Wipperfürth. Dabei muss er krank geworden sein, denn er wird in den Unterlagen des St.-Josephs-Hospital in Wipperfürth als Patient vom 11. Mai – 19. Juni1945 und vom 3. Juli – 12. Juli 1945 wegen Lungentuberkulose geführt (Nr. 133 und 137). Das Krankenhaus hat auch sein Geburtsdatum dokumentiert: Er war am 21. Juni 1925 geboren. Von Wipperfürth ist er dann wohl nach Denklingen gekommen. Dort ist er am 16. Dezember 1945 im Alter von 20 Jahren an Lungentuberkulose gestorben. Das wird auch in der Sterbeurkunde dokumentiert.

Ivan Badenczuk wird in der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof als Bauer aus Polen bezeichnet. Er war in „Rykany / Polen“ (einen Ort mit diesem oder ähnlichem Namen haben wir nicht gefunden) geboren und katholisch, sein Geburtsdatum ist nicht bekannt. Sein Wohnort wird mit „Denklingen“ angegeben, es ist also nicht bekannt, wo er vor seiner Einlieferung war. Er ist am 1. Dezember 1945 im Alter von 23 Jahren in Denklingen an Lungentuberkulose gestorben. Auch die Sterbeurkunde gibt keine weitere Auskunft.

Johann Molinski wird in der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof als Bauer bezeichnet, katholisch und 1874 in „Zalesie, Kreis Brody, Russland“ (vielleicht polnisch Salesce, ukrainisch Salaschka; Brody liegt heute in der Ukraine). Er war trotz seines hohen Alters noch vom 7. Mai 1944 bis zum 18. Mai 1945 Zwangsarbeiter bei der Bahnmeisterei Düsseldorf-Hauptbahnhof. Durch die Arbeit ist er wahrscheinlich sehr krank geworden. Im Krankenhaus Denklingen wusste man nichts weiteres über ihn, als Wohnort ist nur „Denklingen“ genannt. Dort ist er am 29. November 1945 im Alter von 72 Jahren an Lungentuberkulose gestorben, wie auch in der Sterbeurkunde angegeben.

Anna Pokrywiecka war nach den Angaben in der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof eine Landarbeiterin aus Polen. Sie war am 28. März 1925 in „Ogorselzyn, Bezirk Posen, Polen“ geboren und katholisch. Seit 1940 – da war sie gerade 15 Jahre alt – war sie fünf Jahre lang Zwangsarbeiterin in Deutschland. Auf einer Arbeitskarte ist sie als Arbeiterin bei „Krüger, Paul“ vom 29. April 1940 bis 15. Mai 1945 geführt, Wohnort „Kammeratsheide 6“ (damals ein Dorf bei Bielefeld, inzwischen im Stadtteil Baumheide aufgegangen). Im Sterbebuch ist als Wohnort „Augustdorf, Lager“ angegeben, dort war ein DP-Lager. Am 20. September 1948 ist sie im Alter von 23 Jahren in Denklingen an doppelseitiger Lungentuberkulose gestorben.

Janis Taurins war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof Student aus Lettland, geboren am 24. November 1919 in Aloja. In seiner DP-Karte, die im Juli 1946 ausgestellt wurde, ist als Beruf „Lehrer“ angegeben. Er war zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert worden, seine DP-Akte (die gemeinsam für ihn und seine Frau ausgestellt ist) gibt ausführlich Auskunft über den Lebenslauf: Er hat nach Beendigung der Schule vom 14.6.1939 bis zum 20.8. 1940 als Lehrer gearbeitet, dann hat er bis zum 29. August 1944 in Riga studiert. Ende August 1944 wurde er nach Deutschland deportiert, wo er bis zum 2. Mai 1945 in verschiedenen Fabriken und Flugplätzen arbeitete – als Gesamtlohn für die Zeit sind 30 RM angegeben. Nach der Befreiung war er ab Juli 1945 in einem DP-Camp in Detmold, am 24. Juli 1946 haben er und seine Frau Rasma in Detmold geheiratet, ab November 1946 haben beide ihr Studium in Deutschland wieder aufgenommen – zunächst in Hamburg und Pinneberg, ab 3. März 1948 in Bonn, wo beide im Studentenheim wohnten. Ab 19. September 1949 wird als Adresse das „DP-Hospital“ Denklingen angegeben, dort ist Janis Taurins am 12. Januar 1950 im Alter von 30 Jahren an Lungentuberkulose gestorben. Auch Rasma Taurins war von Januar bis November 1950 im Krankenhaus in Denklingen, ihre Prognose wird aber als „gut“ bezeichnet.

Marija Adamzewicz (Schreibweise auch Adamcewicz) war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof ein Kind aus Polen. Sie war am 20. Juni 1936 in „Jankowice bei Stolpci, Polen“ (heute Stoubzy in Belarus) geboren und ist am 9. Juli 1949 im Alter von 13 Jahren in Denklingen an kavernöser Lungentuberkulose gestorben. Ihre Eltern Emilie und Josef Adamzewicz lebten laut Sterbebuch in „Greven, Lager“. Aus den Unterlagen für ein „Hilfeersuchen“ der Familie geht mehr hervor: Marija war das jüngste von vier Kindern von Jozef und Emilia Adamcewicz. Die Familie war wohl ab 1943 bis 1945 in „Widiger“ (Wickede?) Ruhr („forced by Germans“), ab 1945 in DP-Camps „Emeryen“ und „Itzerheide“, danach in Greven und in Augustdorf (bei Schloss Holte / Stukenbrock). Der Vater, die Mutter und der älteste Bruder Jan (geb. 1928) haben seit 1943 bei der Firma Walter in „Wimberg“ (möglicherweise Wimbern bei Wickede an der Ruhr) gearbeitet (Vater Scewc = Schuster, Mutter pomoc kuchni = Küchenhilfe, Bruder robotnik = Arbeiter). Auf Seite 4 des Ersuchens ist vermerkt, dass Maria war Ende Juni 1949 im Krankenhaus in Denklingen war, wo sie am 9. Juli gestorben ist.

Nikolay Zazanski (Schreibweise auch „ Nikolaj Zasanski“) war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof ein Landarbeiter aus Polen. Er war geboren am 19. April 1914 in „Sabatowsze, Kreis Lemberg, Polen“ (heute Lwiw/Ukraine) und katholisch. Im Sterbebuch wird als Wohnort „Rheine, Lager“ angegeben. Dort ist auch vermerkt, dass er mit Maria Zasanski, geborene Pasecznik, verheiratet war, die ebenfalls in Rheine im DP-Lager lebte. Am 19. Februar 1949 ist er im Alter von 34 Jahren in Denklingen an Lungentuberkulose gestorben.

Josef Swinton (Schreibweise auch „Swienton“) wird in der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof als Metzger aus Polen bezeichnet. Er war katholisch und am 26. Oktober 1920 in Krakau geboren (in einem Schreiben vom August 1948 wird sein Geburtsort auf Jodlowa , das etwa 60 km südöstlich von Krakau liegt, präzisiert). Unterlagen über seinen Einsatz als Zwangsarbeiter scheinen nicht mehr vorhanden zu sein. Er war spätestens seit August 1948 zur Behandlung in Denklingen, wie aus dem oben erwähnten Schreiben hervorgeht („now under Treatment in Denklingen Hospital“). Auch in einer anderen Aufzeichnung ist seine Einweisung dokumentiert, die Behörden, die dieses Dokument ausgestellt hatte, haben aber nichts weiter über ihn gehört: „whereabouts unknown“ (Aufenthaltsort unbekannt) ist 1951 notiert. Josef Swinton muss sehr lange in der Heilstätte gewesen sein: „auhaltsam in Denklingen“ steht im Sterbebuch – es gab also keinen anderen Wohnort mehr als das Krankenhaus. Trotz aller Bemühungen war der Kampf vergebens. Am 27. Mai 1950 ist er im Alter von 29 Jahren in Denklingen an offener Lungentuberkulose gestorben.

Helena Urban war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof eine Landarbeiterin aus Polen. Sie war geboren am 12. November 1923 in „Jadowniki, Kreis Krakow, Polen“ und katholisch. Auf einer DP-Karte, die im August 1945 ausgestellt wurde, ist der Geburtsort korrigiert in „Marinpol, Rossia“ (wahrscheinlich heute Mariupol in der Ukraine). Sie war nach Angaben des St.Michaels-Hospital in Lembeck/Westfalen im April 1944 dort wegen „Bronchitis“ in Behandlung (noch unter ihrem Geburtsnamen Bertelowa, Nr. 12 in der Liste). Diese Unterlagen bestätigen, dass sie in der Ukraine geboren ist. Als Wohnort wird damals „Lembeck, Beck 24“ angegeben. In Beck war auch ihr späterer Ehemann Tomasz Urban als Zwangsarbeiter. Aus einer Akte mit einem Hilfeersuchen des Mannes Tomasz Urban geht hervor: Tomasz Urban war ab März 1939 Soldat in der polnischen Armee, ab September 1939 Kriegsgefangener (erst in Görlitz, dann in Dortmund), ab 1941 als Zwangsarbeiter (Landarbeiter) bei einem Bauern in Lembeck-Beck / Westfalen, nach der Befreiung bis Februar 1948 im DP-Camp Haltern, dann in Münster und schließlich in Duisburg-Meiderich. Am 6. April 1946 hat das Paar in Haltern kirchlich geheiratet, am 27. September 1946 kam die Tochter Luzyna zur Welt (die am 19. Januar 1949 – also nach dem Tod der Mutter – in ein Kinderheim in Bad Lippspringe kam). Als das erste Hilfeersuchen am 19.2.1948 gestellt wurde, war Helena Urban im KH Denklingen (später ist von Recklinghausen die Rede), es ist vermerkt, dass sie dort die „Verifikation“ gemacht habe. Helena Urban ist am 4. Juli 1948 im Alter von 24 Jahren in Denklingen an Lungentuberkulose gestorben. Tomasz Urban hat nach dem Tod von Helena am 17. Februar 1950 zum zweiten Mal geheiratet.

Wasyl Trypnik wird in einer Liste der Klinik für das DRK über „russische und ukrainische Staatsbürger“ aufgeführt. Laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof war er ein Landarbeiter aus Polen, geboren am 15. Mai 1917 in Skowita und katholisch. Gemäß einer Liste der „Rheinischen AG für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation“ in Köln war er vom 6. September 1944 bis zum 26. Februar 1945 in der Abteilung „Fortuna-Nord“ als Zwangsarbeiter. Dort ist der Geburtsort „Slowita“ geschschrieben, das scheint zutreffend, denn ein Ort dieses Namens liegt heute im Bezirk Lwiw in der Ukraine (das Gebiet gehörte vor dem 2. Weltkrieg zu Polen). Laut Sterbebuch war er verheiratet mit Maria Trypnik, geborene Tadowska, die wie er im „Lager für Verschleppte“ in Haltern wohnte. Er ist am 15. September 1947 im Alter von 30 Jahren in Denklingen an Lungentuberkulose gestorben.

Anna Chmiel war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof eine Landarbeiterin aus Polen. Sie war katholisch und am 12. Januar 1925 in „Rohaten / Polen“ geboren (wahrscheinlich ist Rohatyn gemeint, dass heute zur Ukraine gehört). Als Wohnort wird „Solingen, Lager für Verschleppte“ angegeben. Sie ist am 30. Juli 1947 im Alter von 22 Jahren an beidseitiger, offener, kavernöser Lungentuberkulose in Denklingen gestorben.

Aleksander Dawidow wird in einer Liste der Klinik für das DRK über „russische und ukrainische Staatsbürger“ aufgeführt. In der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof wird er als Kraftfahrer aus Polen beschrieben, geboren am 27. November 1925 in „Pinsk / Polen“ (heute zu Belarus gehörig) und katholisch. Als Wohnort ist „Solingen, Lager für Verschleppte“ angegeben. Er ist am 4. April 1947 im Alter von 21 Jahren in Denklingen an geschlossener, exsudativer Lungentuberkulose gestorben.

Vera Popowska war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof evangelisch und geboren am 30. September 1923 in Pinsk (heute zu Belarus gehörig). Als Wohnort wird „Mülheim, Ruhr“ angegeben. Auf der DP-Karte wird ihre Staatsangehörigkeit mit „polnisch“ bezeichnet, sie spricht aber ukrainisch. Sie gibt als Adresse „Großenbaumer Straße 129“ in Mülheim an. Am 17. Dezember 1946 ist sie im Alter von 23 Jahren in Denklingen an offener Lungentuberkulose gestorben.

Ignacy Laskowski war laut Gräberliste und Sterbebuch der Gemeinde Reichshof ein Landarbeiter aus Polen. Er war katholisch und am 22. November 1913 in „Milaczew, Kreis Poznan, Polen“ geboren. Er war vom 4. Mai bis zum 3. Juni 1943 stationär im Marienhospital Euskirchen, er muss also dort in der Umgebung als Zwangsarbeiter eingesetzt worden sein. Im Sterbebuch ist kein Wohnort angegeben, warum die Unterlagen bei seiner Einlieferung nicht vollständig waren, bleibt unklar. Am 17. März 1947 ist er im Alter von 33 Jahren in Denklingen an offener Lungentuberkulose gestorben.

Gertrud Bialas war nach den Angaben in der Gräberliste und im Sterbebuch der Gemeinde Reichshof eine Verkäuferin aus Polen. Sie war katholisch und am 19. September 1919 in Posen (heute Poznan, Polen) geboren. Als Wohnort wird Denklingen angegeben, das lässt darauf schließen, dass sie schon länger im Krankenhaus war. Sie ist am 2. Juli 1946 im Alter von 26 Jahren dort an Darm- und Bauchfelltuberkulose gestorben.