Infostand und Lesung

Aktion zum Holocaust-Gedenktag 2026

Wie in jedem Jahr sind wir auch 2026 zum Holocaust-Gedenktag in Gummersbach mit einem Infostand in der Gummersbacher Innenstadt. So möchten wir auch die Menschen erreichen, die keine Gedenkveranstaltungen besuchen. In diesem Jahr sind wir am Samstag, den 24. Januar 2026, von 11 bis 14 Uhr vor der Alten Vogtei (Kaiserstr. 19). In der Zeit von 12 bis 13 Uhr findet eine öffentliche Lesung von Gedichten von Ilse Weber statt.

Wer war Ilse Weber?

Ilse Weber (geborene Ilse Herlinger) war eine jüdische Dichterin und Komponistin, geboren 1903 in Witkowitz (heute Vítkovice), damals Österreich-Ungarn, seit 1930 verheiratet mit Willi Weber. Das Paar hatte zwei Söhne und wohnte zuletzt in Prag. 1939 gelang es der Familie, den älteren Sohn Hanuš zu Freunden nach Schweden zu schicken. Ilse Weber, ihr Mann und der jüngere Sohn Tomáš wurden 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert.

Bildquelle: https://vitkovice.ostrava.cz/cs/o-vitkovicich/osobnosti-vitkovic/ilse-weber-spisovatelka

Schon früh hatte Ilse Weber begonnen, Kinderbücher und andere Texte zu schreiben. In Theresienstadt hat sie kranke Kinder betreut, hat für sie Lieder und Gedichte verfasst, mit ihnen gesungen und so ein wenig Wärme in das brutale und trostlose Lagerleben gebracht. Im Oktober 1944 haben die Nazis „ihre“ Kinder, auch ihren jüngeren Sohn Tomáš, und sie nach Auschwitz transportiert. Dort wurden sie alle gleich nach der Ankunft in die Gaskammer geführt. Ilse Weber ist bis zum Schluss bei den Kindern geblieben und hat ihnen Trost gespendet:

Ein Häftling vom Leichenträgerkommando, der Ilse Weber von Theresienstadt her kannte, ging zu den Wartenden. Er berichtete später: „‚Stimmt es, dass wir duschen dürfen nach der Reise?‘ fragte sie. Ich wollte nicht lügen und so antwortete ich: ‚Nein, das hier ist kein Duschraum, es ist eine Gaskammer, und ich gebe dir jetzt einen Rat. Ich habe euch oft singen hören in der Krankenstube. Geh so schnell wie möglich in die Kammer. Setz dich mit den Kindern auf den Boden und fangt an zu singen. Sing, was du immer mit ihnen gesungen hast. So atmet ihr das Gas schneller ein. Sonst werdet ihr von den andern zu Tode getreten, wenn Panik ausbricht.‘“ (Zitiert nach https://de.wikipedia.org/wiki/Ilse_Weber, auch Bildquelle)

Ihr Mann Willi Weber überlebte den Holocaust, er konnte bei einem Transport von Auschwitz nach Gleiwitz fliehen. Nach der Befreiung ging er im Frühjahr 1945 nach Theresienstadt und holte die Manuskripte aus dem Versteck, in dem das Paar wichtige Unterlagen verborgen hatte.

Die Gedichte und Lieder von Ilse Weber sind posthum veröffentlicht worden. Ihre Lieder, besonders das „Wiegala“ (Wiegenlied) werden vielfach aufgeführt.

Die in dem Buch „In deinen Mauern wohnt das Leid“ veröffentlichten Gedichte sind im Internet abrufbar. Eine Auswahl daraus wird am 24. Januar zwischen 12 und 13 Uhr vorgetragen. Wer sich beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen, einen der Texte auszusuchen, zum Stand vor der Vogtei zu kommen und das Gedicht zu lesen.