
Eine der schönsten Aktionen im Rahmen der Interkulturellen Woche war das „Herz für Vielfalt“, zu dem die OMAS GEGEN RECHTS am 2. Oktober 2026 aufgerufen hatten.
Stefan Bartsch spielte zum Auftakt, dann kamen immer mehr Menschen dazu, so dass schon vor Beginn der Kundgebung das Herz vollständig war.
Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einer Rede von Vera von den OMAS:
Herzlich Willkommen zur Kundgebung im Rahmen der interkulturellen Woche, wir, die Omas gegen Rechts, und die Caritas Oberberg freuen uns riesig, dass so viele von Euch gekommen sind.
Das Motto „Dafür 2.0 – jeder Intoleranz und Ausgrenzung zum Trotz“ zeigt, dass wir uns den aktuellen, gesellschaftlichen und politischen Widerständen mit einer positiven Botschaft entgegenstellen.
Warum Vielfalt? Warum ein buntes Miteinander? Schauen wir doch einmal in die Natur:
Ein gesunder Wald ist die Gemeinschaft von vielen verschiedenen Baumarten, Pflanzen, Pilzen und Tieren. Gerade diese Vielfalt macht ihn widerstandsfähig gegen Krankheiten, Schädlinge und Klimaveränderungen. Wir sehen um uns herum, wie Monokultur Fichtenwald von einem Minikäfer, dem Borkenkäfer, vernichtet wird.
Auf einer artenreichen Wiese haben Pflanzen und Käfer ihren Platz und sorgen für ein stabiles Gleichgewicht. Wir erleben zurzeit, dass tierische und pflanzliche Arten aussterben und dem natürlichen Kreislauf fehlen, wodurch es zu einem Ungleichgewicht kommt, mit einem großen Gefahrenpotential, auch für unsere Ernährung.
In einem Flußdelta kommen viele kleine Flüsse zusammen und bilden einen großen Fluss. Jeder bringt etwas Eigenes mit und es entsteht ein mächtiger Wasserweg. Hier findet ein reger Austausch der Lebewesen statt. Durch die Überdüngung der Monokulturen, ist dieses Leben in unseren Gewässern in Gefahr.
Schauen wir uns den menschlichen Körper an, Millionen von Zellen erfüllen ihre ganz eigene Aufgabe und nur durch ihr Zusammenspiel kann der Organismus lebendig bleiben. Gesundheit entsteht durch das Zusammenwirken vieler unterschiedlicher Teile.
Und da gibt es Gruppen und Richtungen in unserer Gesellschaft, die diese Naturgesetze in Frage stellen und ihnen nicht trauen bzw. vertrauen.
Was die Natur in den Tausenden, ja sogar Millionen von Jahren, erfolgreich gemacht hat, wird angezweifelt.
Das kann nicht klug sein, es widerspricht den natürlichen Gesetzmäßigkeiten, die seit Millionen von Jahren bestehen.
Aber wir, die wir hier heute zusammengekommen sind, wollen klug sein. Wir sehen in der Vielfalt die Chance für eine interessante, spannende, fröhliche, bunte Gesellschaft.
So wie die unterschiedlichen Blumen auf einer Wiese, so wollen wir miteinander leben und unseren Alltag tolerant und wertschätzend gestalten.
Wir haben erkannt, wir brauchen einander, jeder fügt etwas hinzu, nur so können wir die Krisen und Schwierigkeiten der heutigen Zeit meistern.
Wir schauen einander an und geben der Intoleranz keinen Raum, unsere Verschiedenheit macht uns stark, eine bunte Gesellschaft hat die Kraft sich Anfeindungen zu widersetzten.
Wir sind bunt, wir sind viele, jeder zählt
Vielen Dank
Anschließend sprach Erika:
Ein Herz für Vielfalt
Redebeitrag zur Interkulturellen Woche – „Oma gegen Rechts“
Liebe Leute, liebe Freundinnen und Freunde,
ich stehe heute hier als Oma. Nicht als Politikerin, nicht als Expertin – als Oma. Und ich möchte euch erzählen, warum ich hier stehe und nicht zu Hause auf dem Sofa sitze und Kaffee trinke.
Ich habe in meinem Leben viel gesehen. Ich habe über den zweiten Weltkrieg noch aus den Erzählungen meiner Eltern gehört.
Ich habe gelernt: Ein Land wird nicht stark, weil alle gleich sind. Ein Land wird stark, weil Menschen zusammenhalten – egal, woher sie kommen.
Meine Familie ist eine bunte Mischung aus Menschen mit Wurzeln in verschiedenen Ländern. Meine Enkel fragen nicht: „Wo kommst du her?“ Sie fragen: „Spielst du mit mir Fußball?“ So einfach ist das für Kinder. So einfach sollte es auch für uns Erwachsene sein.
Ich habe in meinem Leben gelernt: Angst macht klein. Angst macht hart. Und manche Leute schüren diese Angst mit Absicht. Sie reden von „denen“ und „uns“, als wäre das Leben ein Wettkampf, bei dem nur einer gewinnen kann. Aber liebe Leute, das stimmt nicht. Ein Herz wird nicht kleiner, wenn man es mit anderen teilt. Im Gegenteil – es wird größer.
Ich bin eine Oma, die genug gesehen hat, um zu wissen, wohin Hass führt. Ich habe die Fotos gesehen, die Geschichten gehört, die Narben meiner eigenen Familie gespürt. Und ich sage euch: Nie wieder ist jetzt. Nie wieder ist heute. Nie wieder bedeutet, dass ich nicht schweige, wenn am Stammtisch Hetze verbreitet wird. Nie wieder bedeutet, dass ich aufstehe, auch wenn der Rücken manchmal schmerzt.
Vielfalt ist keine Bedrohung. Vielfalt ist ein Geschenk. Schaut euch um: verschiedene Gesichter, verschiedene Sprachen, verschiedene Geschichten – und trotzdem stehen wir hier gemeinsam, für dieselbe Sache. Das ist doch das Schönste, was es gibt. Das ist gelebte Nachbarschaft. Das ist gelebtes Miteinander.
Ich möchte, dass meine Enkelkinder in einer Welt aufwachsen, in der man einen Menschen nicht nach seinem Pass beurteilt, sondern nach seinem Herzen. Ich möchte, dass sie in einer Stadt leben, in der die Frau mit Kopftuch genauso dazugehört wie der Mann mit Dialekt, die Familie mit Fluchtgeschichte genauso wie die Familie, die schon seit Generationen hier lebt.
Man sagt oft, Omas hätten nichts mehr zu verlieren. Das stimmt nicht. Wir haben unsere Enkel zu verlieren – ihre Zukunft, ihr Vertrauen in diese Gesellschaft. Und genau deswegen bin ich hier. Nicht trotz meines Alters, sondern wegen meiner Erfahrung. Weil ich weiß, dass Demokratie kein Geschenk ist, das für immer bleibt. Sie muss jeden Tag neu verteidigt werden – mit Worten, mit Herz, und manchmal eben auch mit müdem Rücken auf einer Kundgebung wie dieser.
Also lasst uns dieses Herz für Vielfalt zeigen. Laut, bunt, mit Wärme, aber auch mit Klarheit: Hier ist kein Platz für Ausgrenzung. Hier ist kein Platz für Hass. Hier ist Platz für jeden Menschen, der in Frieden mit uns leben will.
Ich bin eine Oma gegen Rechts. Und ich stehe mit den anderen Omas gegen Rechts hier – für jeden hier, egal welche Sprache ihr zu Hause sprecht, egal welchen Glauben ihr habt oder auch keinen. Wir sind eine Nachbarschaft. Wir sind eine Gesellschaft. Wir sind ein Herz.
Danke, dass ihr heute hier seid. Passt aufeinander auf.
Der dritte Redebeitrag kam von Gerhard für „Oberberg ist bunt“:
Ich danke euch, dass ich in ein paar Worte zu euch sprechen kann. Und ich danke euch, dass ihr diese Aktion heute macht – wenige Wochen nach den Wahlergebnissen in Sachsen-Anhalt, in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin. Die Rechten haben dramatisch gewonnen, erschreckend viele Menschen haben Nazis gewählt. Wir wissen noch nicht wie es in Sachsen-Anhalt weitergehen wird, ob dort eine AfD-Regierung an die Macht kommt.
Was können wir tun? Das Schlimmste wäre es, wenn wir uns jetzt wegducken. Dann haben die extrem Rechten gewonnen, auch ohne direkt an der Regierung zu sein. Wichtig und richtig ist, dass wir jetzt immer weiter deutlich Zeichen für Vielfalt, für Toleranz, für Menschenrechte setzen.
Wie wichtig das ist, zeigt eine Meldung aus der letzten Woche: Der aus Österreich stammende Rechtsextremist Martin Sellner hat in Magdeburg jetzt ein „Institut für Remigration“ gegründet. Er will jetzt dort Lobbyarbeit betreiben für seine Pläne, Millionen Menschen aus unserem Land zu vertreiben. Und er will das alles pseudowissenschaftlich begründen.
Als Begründung für diese Vertreibung werden von den Rechten auch schon mal Vergleiche aus der Biologie heran gezogen. Die AfD-Abgeordnete Nicole Höchst aus Rheinland-Pfalz benutzte schon 2022 den Begriff der „invasiven Arten“, die zurückgedrängt werden müssten. Mit „invasiven Arten“ meinte sie Menschen – Menschen, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind. Zum einen ist das einfach dumm, denn alle Menschen auf der Erde gehören der gleichen Art an „Homo Sapiens“, genauer der gleichen Unterart „Homo Sapiens Sapiens“. Zum anderen ist das Gerede von Frau Höchst ein Beispiel dafür, wie aus Halbwissen Demagogie und Hetze erwachsen.
Intelligentere Rechtsextreme behaupten, sie hätten gar nichts gegen Vielfalt. Sie reden von „Ethnopluralismus“ – also eine Vielfalt der Ethnien. Das Konzept des „Ethnopluralismus“ bedeutet aber, dass „Andere“ möglicherweise auch ganz nett sind, dass sie auch ihr Recht auf Leben haben – aber bitte jeder an seinem Platz! Angeblich gibt es einen Platz für weiße blonde Blauäugige – das ist unter anderem hier in Mitteleuropa – und es gibt einen anderen Platz für Dunkelhäutige – das ist irgendwo anders. Wenn es dort schlechtere Lebensbedingungen, weniger Bildung, niedrigen Lebensstandard gibt, dann ist das eben so, da haben die nicht anders verdient. Welche Ethnie wo hin gehört, das will Martin Sellner mit seinen Leuten entscheiden. Das klingt nicht nur wie Rassismus – das ist Rassismus.
Wir sind schon vor zweieinhalb Jahren auf die Straße gegangen, um klarzumachen: Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Gesellschaft gespalten wird. Dass unterschieden wird zwischen „echten Deutschen“ und „Passdeutschen“, die weniger wert sind. Das hatten wir schon einmal, das war der Kern der „Nürnberger Gesetze“ von 1935, durch die jüdischen Deutschen ein Teil der staatsbürgerlichen Rechte aberkannt wurde, durch die Menschen in verschiedene Rassen eingeteilt wurden, durch die die Liebe zwischen Menschen nach rassistischen Kriterien verboten wurde. Hier in Gummersbach wurden schon 1933 die Besitzer des ganz alten Kinos, des „Central-Theaters“ – die Brüder Heinrich – als „Judenbastarde“ bezeichnet, weil Ihre Mutter Jüdin war und ihr Vater Katholik. Sie mussten ihr Kino aufgeben, wurden ins KZ gesperrt und dann aus Deutschland vertrieben.
Soll so etwas jetzt wieder kommen? Soll wieder ein Teil unserer Mitmenschen abgewertet, ausgegrenzt, vertrieben werden? Das dürfen wir nicht zulassen! Wir brauchen Vielfalt und Diversität hier bei uns! Dafür müssen wir kämpfen!
Wie können, wie sollen wir kämpfen?
Ja, wir müssen aufklären. Wir müssen Fakten gegen Halbwissen, gegen Demagogie und gegen Hetze setzen.
Aber das kann nicht alles sein: Wir müssen nicht nur die Köpfe, sondern auch die Herzen ansprechen.
Das ist zum Beispiel in der Bibel schön formuliert. Im Korintherbrief heißt es: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.“ Also: Fakten ohne Empathie sind nur Blech.
Anders formuliert heißt es in einem Stück meiner Lieblingsband „Einstürzende Neubauten“: „Mittels Druck und Körperwärme wird aus unsrer Konfusion eine Kernfusion – und ungeheuer viel Energie wird frei“. Ja, wir machen Druck – mit Aufklärung, mit Demonstrationen, mit Unterschriftensammlungen. Aber wir brauchen auch die Körperwärme – die Aktionen, die die Herzen den Menschen ansprechen und die uns gegenseitig stärken.
Genau eine solche Aktion ist dieses Herz für die Vielfalt. Ich danke den OMAS, die das organisiert haben und euch allen, die ihr mitmacht. Und sicher wird dabei Energie frei. Die werden wir brauchen in dieser Zeit!