Ein CSD in Gummersbach – geht das? Das Vorbereitungsteam und 500 tolle Menschen haben bewiesen: Das geht! Das wird sogar wahnsinnig gut!

Es war bunt, laut und deutlich: Wir wollen keine Diskriminierung – ALLE haben Recht, so zu sein wie sie sind.
Die Teilnehmenden kamen aus allen Altersgruppen – sehr viele junge Menschen, aber auch Ältere und Alte. Es waren auch einige dabei, die nicht selbst queer sind, aber deutlich zeigen wollten, dass sie für Gleichberechtigung und Vielfalt einstehen – viele auch aus den oberbergischen Kirchengemeinden. Und da war auch die Bäuerin, die mit ihrem Sohn und dessen Mann (also ihrem Schwiegersohn) mitging.
Der Zug vom Steinmüllergelände zum Bismarckplatz strahlte Fröhlichkeit und Liebe aus, wozu natürlich auch klare Stellungnahmen gehörten:









Auf dem Festgelände gab es großes Interesse an allen Ständen – an unserem Stand konnte man unter anderem Grüße vom CSD per Postkarte verschicken und den NRW-Appell „AfD-Verbot JETZT!“ unterschreiben (130 neue Unterschriften!).
Von der Bühne aus begrüßte auch der Gummersbacher Bürgermeister ausdrücklich den CSD: „Es wurde höchste Zeit für einen CSD in Gummersbach – ab jetzt bitte jedes Jahr!“

Das Programm brachte Show und Musik, aber natürlich auch Redebeiträge und Interviews.






Ute Radermacher sprach für „Oberberg ist bunt“:
Liebe Oberberger*innen,
der erste Christopher Street Liberation Day, kurz CSD, fand 1970 in den USA im Gedenken an den Stonewall-Aufstand im Vorjahr statt und erinnert daran, dass sich nur etwas ändert, wenn man sich Hass und Gewalt aktiv entgegenstellt, sich offen zeigt und für seine Rechte auf die Straße geht.
Ich bin den Transpersonen, den Schwulen, Lesben und Bisexuellen, die damals den mutigen 1. Schritt getan haben, sehr dankbar. Viele von ihnen waren schwarz und Latinas, was zeigt, dass queere Kämpfe schon immer auch mit dem Widerstand gegen andere Formen der Unterdrückung wie Rassismus einhergingen. Die Menschen der Stonewall-Aufstände haben deutlich gemacht, dass Menschenrechte in der Frage des Geschlechts, der sexuellen Orientierung und der Herkunft unteilbar sind und haben damit der demokratischen Weiterentwicklung einen großen Dienst erwiesen.
Auch in Deutschland wächst die Pride-Bewegung und seit dem ersten CSD 1979 werden es von Jahr zu Jahr zu mehr CSDs – auch auf dem Land, wie heute das 1. Mal im Oberbergischen.
Und das ist wichtig – nicht nur, weil wir gerne gemeinsam feiern – nein, sondern vor allem, weil queeres Leben in Freiheit und Sicherheit auch heute noch keine Selbstverständlichkeit ist. Von den Beleidigungen, Bedrohungen und gewalttätigen Übergriffen, die queere Menschen überall erleben, bis hin zu rechtlichen Einschränkungen und in manchen Ländern gar der Todesstrafe.
Auch in Deutschland gibt es, ebenso wie weltweit, erstarkende, rechte Bewegungen. So fanden 2025 bundesweit 245 CSDs statt und mindestens 100 davon wurden gestört oder angegriffen. Hinzu kommt, dass in mehreren Städten kommunale Abgeordnete der AfD versuchten, das Hissen der Pride-Flagge oder sogar den gesamten CSD zu verhindern – vom Hass im Netz gegen Veranstalter*innen und Teilnehmende will ich gar nicht reden.
Deshalb ist es gut, wenn hier die stellvertretende Landrätin und der Bürgermeister von Gummersbach den CSD offiziell begrüßen und sich damit klar für eine demokratische, vielfältige Gesellschaft positionieren, die keine Einschränkungen von Menschenrechten duldet. Oder wenn der Hückeswagener Bürgermeister die Pride-Flagge hisst, auch wenn er dafür von der AfD im Netz angegriffen wird. Der Schutz von Pride-Veranstaltungen wie CSDs ist keine symbolische Geste, sondern ein Gradmesser für die Wehrhaftigkeit unserer Demokratie gegen rechts.
(Dank an Polizei)
Aber warum ist ein CSD so ein rotes Tuch für rechte und rechtsextreme Menschen? Weil Queerness einen Gegenentwurf zur rechtsextremen und völkischen Vorstellung einer starren, sexistischen Geschlechter- und Familienordnung darstellt, die ein zentraler Bestandteil rechter Ideologie ist. Queerness steht dagegen für die Gleichberechtigung aller Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht, für die Freiheit, über den eigenen Körper zu bestimmen und zu lieben, wen man liebt. Eine starke Demokratie braucht Menschen, die sich ohne Gefahr frei entfalten und unter Achtung der Würde aller selbstbestimmt leben können, die wissen, dass ihre Meinung zählt und ihre Stimme gehört wird, egal wie sie leben oder lieben.
Vielfalt ist unsere Stärke.
Wir kämpfen selbstverständlich für Biodiversität, also biologische Vielfalt im Tier- und Pflanzenreich, weil nur so unser Überleben auf diesem Planeten möglich ist. Auch geschlechtliche und sexuelle Vielfalt kommt bei vielen Tierarten vor.
Aber jetzt wird wieder behauptet, bei uns Menschen darf es natürlicherweise nur eine genormte Sorte geben? Wie dumm ist das denn!
Inzwischen gibt es zahlreiche Untersuchungen, die zeigen, dass die menschliche Vielfalt auf den verschiedensten Gebieten wichtig für die Entwicklung der Menschheit als Ganzes ist.
Hier müssen wir wachsam sein. Wo Queerfeinlichkeit, fast immer begonnen mit Transfeindlichkeit, zu Regierungspolitik wird, wie z.B. gerade in den USA, wo Vielfaltsforschung, genauso wie Förder- und Schulprogramme rigoros zusammengestrichen und verboten werden – und das, wo bereits jetzt die Belastung für Transjugendliche u.a. durch Gewalterfahrungen und Versuche, sie zu verändern, so hoch ist, dass vier von fünf Jugendlichen Suizidgedanken haben oder hatten. Um die Umsetzung von Kinderrechten für alle zu sichern, müssen insbesondere queere Jugendliche viel mehr geschützt und unterstützt werden. Guckt man sich aber das AfD-Programm für Sachsen-Anhalt an, sieht man stattdessen Parallelen zu den queerfeindlichen politischen Entwicklungen in den USA und der steigenden Einschränkung von Transrechten in Großbritannieren.
Deshalb lasst uns hier heute gemeinsam laut und proud sein, damit das bei uns nicht passiert! Jeder sichere Raum, jede offen queere Person, jede ausgestreckte Hand zählt – um Leben zu retten und unsere Demokratie zu verteidigen, deren stärkste Stütze eine offene, vielfältige Gesellschaft ist!
Und eigentlich sind gerade wir Deutschen ja vorgewarnt…
Der deutsche Faschismus hat gezeigt, wohin es führt, wenn vorgegeben wird, wie ein Mensch zu sein hat: Wer nicht dem völkischen Menschenbild vom „gesunden Mann“ und der „gesunden Frau“ entsprach, wer anders lebte oder liebte, galt als entartet und wurde bedroht, eingesperrt, ermordet.
Damit das nie wieder passiert, steht in unserem GG Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar und Artikel 2: Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit (sofern er damit nicht die Rechte anderer verletzt…)
Deshalb ist der heutige Tag auch für Menschen, die sich selbst nicht der queeren Gemeinschaft zurechnen ein Tag, um für Demokratie und Menschenrechte auf die Straße zu gehen, Vielfalt zu feiern und zu zeigen: Wir lassen uns nicht spalten! Indem wir Solidarität mit allen Menschen zeigen, deren Rechte bedroht oder eingeschränkt werden, können wir eine demokratische Gesellschaft erreichen, in der alle Menschen in gleicher Würde leben. Lasst uns heute unsere Vielfalt feiern, unsere Wut und unseren Mut zeigen und klar machen: Queere Menschen gab es immer – und wird es auch immer geben!
Gemeinsam sind wir laut und proud!
Hier der Bericht bei Oberberg Aktuell