Zeitzeuge Willi Kessler

Willi Kessler stammte aus Berlin. Er hatte als einziger aus seiner Familie Auschwitz überlebt. Eine Gruppe der evangelischen Studentengemeinde hat unter der Leitung von Jörn-Erik Gutheil zu Beginn der 1980er Jahre mit ihm gesprochen, die Gespräche wurden in dem Band „Einer muß überleben – Gespräche mit Auschwitzhäftlingen 40 Jahre danach“ (der kleine verlag, Düsseldorf 1984) veröffentlicht. Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Gutheil geben wir hier wieder, was Willi Kessler erlebt hatte.

Zunächst zwei Auschnitte, am Ende der Seite kann die vollständige Version heruntergeladen werden.

(Die hier rot geschriebenen Zeilen sind nicht Teil der Veröffentlichung von 1984.)

Bei den kursiv geschrieben Passagen im Text handelt es sich um Anmerkungen der Autorinnen und Autoren.

Zunächst die Beschreibung, wie Willi Kessler die Burgbergklinik erlebte:

Ankunft in Denklingen

Die einzige Verwandte, von der ich dachte, sie könnte noch leben, war eine Tante in Mülheim/Ruhr. Sie hatte immer gesagt: „Mich kriegen die nicht! Ich gehe in den Untergrund.“ So bin ich also im Oktober 1945 nach Mülheim gefahren. Dort habe ich festgestellt, daß alle Juden aus Mülheim nach Tschenstochau abtransportiert worden waren. Da brach für mich alles zusammen, da wußte ich, ich habe gar niemanden mehr.

In Mülheim bin ich dann, ohne es zu wollen, in ein Krankenhaus gekommen. Ich war der einzige, der keinen Besuch bekam. Alle anderen bekamen ihre Verpflegung von draußen mitgebracht. So marschierte ich an jedem Morgen und Nachmittag durch das. Krankenhaus, es hatte etwa 30 bis 40 Zimmer, und holte mir aus allen Zimmern die Butterbrote zusammen. Manchmal war ein bißchen Margarine drauf oder Marmelade, Wurst gab es nicht. Dann saß ich mit einer Kanne Kaffee oder Kakao ‘vor einem Teller voller Brote. Ich wurde nie satt.

Der Arzt sagte zu einer der Schwestern, daß ich immer etwas zu essen bekommen sollte, nicht nur zu den Mahlzeiten. Daher stellte mir die Schwester abends immer eine große Porzellanschüssel Spätzle mit Milch auf mein Nachtkonsölchen. Wenn ich wach wurde, hatte ich Hunger wie ein Wolf. So ging es mir allmählich etwas besser. Aber eines Tages sagte mir der Arzt: „Das Essen, das sie brauchen, um wirklich wieder auf die Beine zu kommen, das können wir Ihnen hier nicht bieten. Ich habe für Sie eine Stelle ausfindig gemacht und zwar im Rheinland, in Denklingen.“

Es handelte sich dabei um eine frühere Lungenheilstätte, in der nach dem Krieg die Engländer die Deportierten versorgt hatten.

Am 2. Januar 1946, ich werde das nie vergessen, bin ich mit dem Bus von Dieringhausen nach Denklingen gekommen. Als ich von unten das große Haus gesehen habe, standen mir die Tränen in den Augen. Ich dachte: „Was sollst du da? Da ist man fremd; das Schlimmste für den Menschen ist es ja, nicht zu wissen, wo er hingehört. Viele sagen, wenn man jung ist, kommt man schnell darüber hinweg. Aber das stimmt nicht immer, das ist nicht wahr, ob älter oder jünger, man ist verlassen. Das kann zu einer Krankheit werden, und man hat immer das Gefühl, jeder will einem was, man fühlt sich stets als derjenige, der unterdrückt wird.“

Ich bekam dann mein Zimmer zugewiesen und konnte in den Speisesaal gehen. Dort gab es Hammelfleisch mit Steckrüben, dick gekocht. Ich habe dann ordentlich gespeist.

Dort lernte ich bald den zweiten Koch kennen, einen Holländer, der nicht zurück durfte, weil er bei der SS gewesen war. Das war aber ein Pfundskerl. Er sagte: „Man war jung, man wollte etwas erleben, so bin ich Soldat geworden und bekam ein Abzeichen auf den Kragen.“ Er hat aber nie einem Menschen etwas getan. Der kam abends zu mir und brachte mir ganze Fleischwürste, er hat mich verpflegt.

Bei den Erzählungen über den Aufenthalt in Denklingen nimmt Frau Kessler zunehmend an unseren Gesprächen teil. Nach einiger Zeit bekommen wir heraus, daß sie in dieser Zeit ihren Mann kennengelernt hat.

Meine Frau war in der Teeküche beschäftigt, und ich hatte einen Sitzplatz, von dem ich genau dorthin hineinsehen konnte. Nun spricht es sich ja herum, wer, was, wo — so ein Krankenhaus ist wie ein Dorf. Später erzählte mir meine Frau, ich hätte ihr immer leid getan. So haben wir uns dann angefreundet.

Sie fuhr immer nachmittags nach Hause und so fragte ich sie eines Tages, ob ich sie begleiten dürfte. „Nein“, sagte sie, sie könnte ohne mich auskommen. So habe ich jeden Bus abgepaßt, der kam.

Wir gingen dann öfter miteinander spazieren, bis sie eines Tages sagte, ich solle mit zur Konfirmation ihres Bruders gehen. Ich bin dahin gekommen und wie der erste Mensch bestaunt worden. Mein .späterer Schwiegervater fragte, was ich denn einmal tun wollte.

„Ich weiß es nicht“, sagte ich. Er meinte: „Weißt du was, Junge, wo fünf am Tisch sitzen, da bekommt der sechste auch noch etwas ab.“

Im August 1946 haben wir geheiratet, und ich bekam dann auch Arbeit, nachdem ich wohl zwanzigmal zur Personalstelle gelaufen war. Ich war im Transport beschäftigt, das war schwere Arbeit, man hatte damals noch keinen Hebekran, man mußte in die Hände spucken — und in dieser schlechten Zeit hatte man ja auch nichts zuzusetzen.

Als ehemaliger Auschwitz-Häftling im Oberbergischen

Das Leben im einem Dorf im Oberbergischen war nicht unbedingt einfach für einen Juden, der das KZ Auschwitz überlebt hatte. Auch die Bürokratie in der jungen Bundesrepublik war nicht hilfreich.

Ich war in einem Konzentrationslager

Für uns ist es schwer vorstellbar, wie Willi Kessler, belastet mit seinen Erinnerungen, ohne eigene Familie in einem kleinen Ort Fuß fassen konnte. Wir wissen, daß Überlebenden der Konzentrationslager häufig alles andere als Sympathie entgegengebracht wurde und wird.

Die Nachbarn, die wußten am Anfang nichts davon, wer ich bin. Sie haben mich als nettenMenschen empfunden, wir haben uns unterhalten, hatten viel Kontakt.

Einen kannte ich, der war bei der SS gewesen, war jetzt dem Suff verfallen, ein derber Mensch, aber er hat wohl nie jemandem etwas getan, war dort gelandet, weil er sonst keine Arbeit gefunden hatte. Auch der Architekt, der unser Haus entworfen hat, war Offizier bei der SS gewesen, der hat auch keinem etwas getan; wenn man studiert hatte, wurde man ja schnell Offizier. Es waren also nicht alle gleich. Später einmal sagte unser Arzt zu meiner Frau: „Wie kommen Sie denn an Ihren Mann? Mußten Sie denn so einen heiraten?“ Es hatte sich so herumgesprochen. Ich habe den Arzt dann daraufhin angesprochen, und er meinte, so sei das nicht gemeint gewesen. Ich sagte ihm: „Ich habe es aber so en, der das KZ Auschwitz überlebt hatte. Auch die Bürokratie in der jungen Bundesrepublik war nicht hilfreich.aufgenommen; wenn man so etwas Schreckliches erlebt hat, dann hat man ein Empfinden dafür, wie etwas gemeint ist oder sein könnte.“

Nach und nach hat man dann hier in der Gegend erfahren: Der war dabei. Sie haben mich nicht angepöbelt, nur eben auf andere Art und Weise versucht, mich zu verdrängen. Auch auf meiner Arbeitsstelle saßen die ganzen alten Brüder, ich konnte da nie richtig Fuß fassen.

Hier hatte schließlich der Reichsleiter der deutschen Arbeitsfront (DAF) Dr. Ley gewohnt, ebenso sein Adjutant. Es hatte große Pläne gegeben für den Bau einer „Adolf-Hitler-Schule“, da haben viele freiwillig ihre Grundstücke abgegeben. Viele, die für den Nationalsozialismus gewesen waren, die über die Vergangenheit Bescheid wußten, haben einem Steine in den Weg geworfen.

Sonst hat man nicht viel darüber gesprochen. Es war eine verworrene Zeit, jeder sorgte für sein eigenes materielles Überleben, die Vergangenheit war Nebensache, aber der Nationalsozialismus hat tiefe Wurzeln.

Wir spüren die große Einsamkeit, unter der Familie Kessler bis heute in ihrer Wohngegend

leidet. „Bloß nicht auffallen, bloß niemanden daran erinnern, daß wir ‚anders‘ sind“, ist ihr ständiges Bestreben.

Auf die Problematik der Wiedergutmachung waren wir schon während unserer Vorbereitung auf die Gespräche gestoßen: Summen, festgesetzt als Entschädigung für den Verlust der Eltern, einzelner Körperteile, für „Folgeschäden“… .

Auch Willi Kessler berichtet von einem langen Weg, bis.er endlich eine spärliche Entschädigung bekam. :

Das Gesetz über eine Wiedergutmachung für politisch, rassisch oder religiös Verfolgte im 3. Reich kam erst 1956 raus. Bis dahin gab es nichts, gar nichts.

In der Zeit vorher ging es mir vor allem darum, eine vernünftige Arbeit zu bekommen. So habe ich mich an Herrn Dr. Gerstenmaier gewandt, den damaligen Bundestagspräsidenten. Der war ja auch im Zuchthaus gewesen und fühlte sich als Verfolgter. Ich dachte mir: „Das ist doch auch ein Mensch, der hat doch auch etwas Schlimmes erlebt, vielleicht kann der dir Arbeit besorgen.“ Ich erhielt dann ein Schreiben von seinem Referenten: Er würdigte, was ich durchgemacht hätte, könne aber selbst nichts für mich tun; wenn die entsprechenden Gesetze herauskämen, seien die für mich maßgebend. Keiner hat mir geholfen.

Dann habe ich dem Arbeitsminister von Nordrhein-Westfalen geschrieben …

Inzwischen habe ich ein ganzes Bündel Unterlagen: „Es tut mir leid, daß Sie soviel erlebt haben…“ „Menschlich würde ich Ihnen gerne helfen .. .“, „Leider bin ich nicht zuständig… .“, „Ich habe Ihr Schreiben weitergeleitet … .“, so ging das immer weiter, einer schob es dem anderen zu.

Und andere, die angeblich Berufssoldaten gewesen waren, denen wurde geholfen, aber einer, der im KZ gewesen war…

Hin und wieder kam ich vor einen Anerkennungsausschuß, wurde einmal anerkannt, dann wieder abgelehnt, so ging das. hin und her. Schließlich habe ich das Land Nordrhein-Westfalen verklagt. Ich mußte dafür zum Landgericht nach Köln. Dort traf ich auf den Landgerichtsdirektor Marx, der mich fragte: „Kessler, wo kommen Sie denn her?“ Aus dem Oberbergischen! „Wie lange sind Sie denn unterwegs?“ „Von heute morgen halb fünf, da bin ich mit meiner Frau in den Zug gestiegen.“ Herr Marx erwiderte: „Geht in Ordnung, wir nehmen Ihren Fall jetzt sofort dran. Machen Sie sich keine Sorgen; es ist nur traurig, daß für Menschen wie Sie bisher noch nichts getan wurde.“ Er gab mir dann ein Schreiben, damit konnte ich mit meiner Familie in der Kantine essen und mir das Fahrgeld an der Kasse erstatten lassen.

Dann lief das: ich bekam Haftentschädigung, für das Sterntragen, das galt als Freiheitsberaubung, eine Ausgleichsentschädigung. Später kam eine Wiedergutmachung für meinen Vater, meine Mutter und für unser Haus hinzu.

Unser Haus wurde mit DM 50.000 einschließlich des Betriebes veranschlagt und im Verhältnis 10:1 entschädigt, ich erhielt also weitere DM 5.000,-!

Wenn ich da an andere denke… . Das ist eine Schweinerei. Ich habe mir gesagt: „Gerechtigkeit? Niemals, niemals im Leben.“

Willi Kessler fand schließlich in einem Bundesministerium eine Anstellung. Die Folgen der Haft zeichneten das weitere Leben: vorzeitig pensioniert, Schlaganfall, halbseitig gelähmt, am Stock gehend, heute im Rollstuhl. Das Häuschen im Oberbergischen ist sein Refugium, in das er sich stolz zurückziehen kann: das gehört mir. Aber schon wächst wieder die Angst vor Tendenzen, die er in viel bedrängender Sensibilität erfährt: Jugendliche schließen sich neonazistischen Gruppen an, Kameradschaftstreffen der ehemaligen Waffen-SS werden ungehindert in Stadt und Land durchgeführt, Schmierereien an den Wänden oder anonyme Zusendungen sind gang und gäbe…

Willi Kessler sagt weiter:

Auschwitz lebt bis heute, und derjenige, der sich nicht erinnert, macht sich zum Helfershelfer der Mörder. Daß es heute noch Menschen gibt, auch junge Menschen, die in neonazistischen Gruppen sind und schreien „Juda verrecke“, das kann ich nicht begreifen. Ich kann auch nicht verstehen, daß Menschen, die selbst den Untergang ihres eigenen Volkes erlebt haben, den Zusammenbruch nach dem Krieg, die nach und nach erfahren haben, welche Greuel geschehen sind, daß die noch für diese Zeit schwärmen können, das kann ich als normaler Mensch nicht begreifen. Viele haben noch nie in ihrem Leben einen Juden gesehen, das ist ein Antisemitismus ohne Juden.

Ich rede jetzt nicht aus Haß, Haß soll man nie hegen, das ist eine Krankheit. Man soll vergeben, aber vergessen, das darf man nicht.

Meine Frau sagt: „Ich kenne dich jetzt schon 36 Jahre, immer denkst du über dieses Thema nach.“ Das ist mein Leben. Junge Menschen, die jetzt aus der Schule kommen, eine Lehre beginnen, für die beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Als ich in dem Alter war,begann mein neuer Lebensabschnitt damit, daß ich auf gräßliche Art und Weise meine Familie verlor, daß man mir das Leben ungerechterweise so schwer wie möglich machte. Das kann man nicht vergessen, das haftet einem an.

Ich kann doch nicht sagen: „Du bist schuld“. Eine Kollektivschuld gibt es nicht. Und die einzelnen, die schuldig sind, versuchen mit allen Mitteln, den Mantel des Vergessens auszubreiten, um nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Der jungen Generation würde ich sagen: „Wehret den Anfängen“. Heute gibt es wieder Parallelen zu der Zeit von 1933-45; der Nationalsozialismus übt auf junge Leute wieder Reiz aus. Und wie in der Weimarer Republik gibt es zu viele sich bekämpfende politische Gruppen. Der Kommunismus ist eigentlich wie der Nationalsozialismus, beide streben nach absoluter Macht und Diktatur, nach der Knechtung des freien Menschen.

Es soll nie wieder Völkermord geben, weder an Juden noch an Türken. In der Zeitung stand, daß ehemalige Buchenwaldhäftlinge heute wieder Angst haben, ihre Namen zu nennen — so weit ist die Entwicklung schon wieder!

Heute ist es wie ein Traum, daß man das als Mensch überlebt hat. Die erste Zeit danach, da war man so unruhig, man. konnte das nicht abschütteln, es war zu tief verwurzelt, man konnte nicht Herr über sich selber werden. So ist es mir zum Beispiel passiert, daß ich nach der Befreiung aus Buchenwald vor dem Lager einfach umgekehrt bin, ich konnte es . hicht glauben, nach den Jahren hinter Stacheldraht wieder wirklich frei zu sein…

Ich wollte eigentlich ständig darüber reden, was ich erlebt hatte. Meine Frau konnte es bald nicht mehr hören, andere wollten es nicht glauben; wer hatte denn Mitleid?

Einmal waren wir im Sauerland auf einem Ausflug. Ich hatte ein kurzes Hemd an, so daß man die Nummer auf meinem Arm sehen konnte. Da hörte ich, wie jemand sagte: „Mit “dem ist es auch nicht ganz geheuer, der war bestimmt in einer Anstalt oder so.“ Ich antwortete ihm, daß ich in einem Konzentrationslager gewesen sei, und er meinte: „Aber sie sprechen doch deutsch, ich dachte, da waren nur Ausländer.“ Auch die Bevölkerung in Thüringen hatte damals gedacht, es seien nur Verbrecher im Lager…

Nach der Befreiung von Buchenwald wurde der Bevölkerung befohlen, durch das Lager zu gehen. Da ging das Geweine los, und wir mußten das jahrelang aushalten.

Die Gespräche mit Willi Kessler erstreckten sich über sechs Monate. Wir besuchten ihn als Gruppe in seinem Haus im Oberbergischen; Frau Kessler hatte jedesmal Kaffee und Kuchen vorbereitet, was uns etwas von unserer Befangenheit nahm. Andererseits war es für uns oft schwierig, bei Kaffee und Kuchen von den Schrecken der Lagerzeit zu hören, uns in Herrn Kessler hineinzufühlen, der während seiner Erzählungen deutlich sichtbar das Inferno von Auschwitz nacherlebte. Daß er, anders als andere Gesprächspartner, mit denen wir Kontakt hatten, zu seinen Erlebnissen in Auschwitz keine Distanz gefunden hatte, zeigte sich immer wieder.

Es war der oft ausgesprochene Wunsch Willi Kesslers, noch einmal nach Auschwitz zu kommen — zum Grab seiner Lieben, wie er es bezeichnet —, aber auf ärztliches Anraten hin konnte dieser Wunsch bisher nicht erfüllt werden. Vielleicht hätte er dann die Ruhe gefunden, von der uns andere Überlebende berichteten.

Für die Familie ist es andererseits schwierig, ständig mit der Vergangenheit des Vaters konfrontiert zu sein. Indirekt mögen hierfür auch Erfahrungen mit der dörflichen Wirklichkeit im Oberbergischen eine Rolle spielen. Vor allem Frau Kessler hat hier zu spüren bekommen, was es bedeutet, „so einen“ zum Mann zu nehmen.

Nach den langen Jahren des Durchbeißens durch bürokratische Fallstricke, greifbare Ungerechtigkeiten, wiederholte Demütigungen und eine Lebenserfahrung, die Tag und Nacht gegenwärtig ist, kann man den Wunsch, „in Ruhe gelassen zu werden“, gut verstehen. Alles, was diese Ruhe stören könnte, wird argwöhnisch betrachtet.

Willi Kessler hat überlebt. Er hat soweit sein Ziel erreicht. Für uns ist in allen Gesprächen spürbar geblieben, wie sehr ihn gerade dies geprägt hat.

In seinen Worten ausgedrückt:

„Auf den Tag zu hoffen, das war Marter, an den Tag zu glauben, das ging noch, aber den Tag zu erleben, das war Gottes Gnade.“

Hier ist die vollständige Niederschrift der Gespräche mit Willi Kessler: