Gräber auf dem Friedhof Dieringhausen

Auf dem Friedhof in Dieringhausen gibt es am Rand einer „Ehrengrab“-Anlage sechs (oder sieben?) Grabsteine für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und deren Kinder.

Sofia Bosiak war ein kleines Mädchen, geboren am 20. Juli 1940 in Besawola in Polen. Am 18. November 1944 ist sie im Alter von 4 Jahren in Dieringhausen bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen. Die Zwangsarbeitskräfte waren damals in verschiedenen Unterkünften und Baracken, auch in der Umgebung des Bahnhofs, untergebracht. Der Bahnhof wurde mehrfach bombardiert. Luftschutzräume gab es für die ZwangsarbeiterInnen und ihre Familien nicht. Wir können davon ausgehen, dass die Kinder in den Baracken tagsüber allein waren und dass die Bomben sie völlig unvorbereitet trafen.

Stanislawa Bosiak war die Schwester von Sofia Bosiak, sie war am 10. Juni 1937 geboren. Sie starb zusammen mit ihrer kleinen Schwester im Alter von 7 Jahren am 18. November 1944. Aus einer Liste der AOK geht hervor, dass der Vater der beiden Mädchen, Fransiszek Bosiak, ab dem 5. Juli 1944 bis zum 28. März 1945 Zwangsarbeiter beim RWE in Dieringhausen war.

Nikolai Kartunow war geboren am 21. Februar 1942 in Dnjepopetrowsk, gestorben ist er am 20. September 1944 im Alter von 2 Jahren, nach Angaben des Standesamtes an „katarrhalischer Lungenentzündung“ Seine Mutter, Frau Pelaheja Kartunowa, war ab dem 4. Dezember 1943 bis zum 9. April 1945 Zwangsarbeiterin bei der Firma Leopold Krawinkel in Vollmerhausen, wie aus einer Liste der Betriebskrankenkasse hervorgeht. Der in der Sterbeurkunde angegebene Vater „Ferge Kartunow“ war wahrscheinlich Soldat, daher ist sein Wohnort als „unbekannt“ angegeben.

Maria Korschenko war am 10. Oktober 1910 in Naliboki in Polen geboren. Sie starb am 20. Mai 1944 im Alter von 33 Jahren, nach Angaben des Standesamtes an Lungenentzündung. Sie wird auf der Sterbeurkunde als „Fabrikarbeiterin“ bezeichnet. Ihr Mann Beleslaw Korschenko war vom 30. Januar 1944 bis zum 9. April 1945 Zwangsarbeiter bei der Firma Leopold Krawinkel in Vollmerhausen, dies ist in der Liste der Betriebskrankenkasse vermerkt.

Ihre Tochter Anneliese Korschenko ist am 8. November 1943 in Köln-Gremberg (dort gab es ein Krankenlager für Zwangsarbeiter:innen) geboren, sie starb kurz vor der Befreiung am 25. März 1945 – wie ihre Mutter an Lungenentzündung, dieser Krankheit sind viele der entkräfteten Menschen zum Opfer gefallen. Ein eigenes Grab hat sie nicht, sie soll nach Angaben des Standesamtes im Grab ihrer Mutter beigesetzt worden sein.

Stanislaus Witzack (auch Witczak) war am 3. November 1906 in Posen / Poznan geboren, er ist am 14. Januar 1943 im Alter von 36 Jahren nach Angaben des Standesamtes bei einem „Lokomotiv-Unfall“ ums Leben gekommen. Die Sterbeurkunde enthält sehr wenig Angaben. Er war ab dem 7. Januar 1941 Zwangsarbeiter bei der Tiefbaufirma Köster (Olpe), der Unfall ereignete sich nach einem Schreiben der Stadt Olpe beim Stellwerk Dieringhausen. Ob der Unfall so abgelaufen ist, wie die Firma Köster es schildert, kann nicht mehr nachgeprüft werden. Es ist jedoch kaum anzunehmen, dass die Zwangsarbeiter Zeit zum „Schneeballwerfen“ hatten.

Wieczylaw Ignatowski war laut Sterbeurkunde am 15. Juli 1889 in „Litzmannstadt“ (Lodz) geboren, er starb am 4. Februar 1942 im Alter von 52 Jahren. Er war nach Angaben der AOK seit dem 25. November 1940 im Lager Vollmerhausen der Firma Köster interniert (wie wohl Stanislaus Witzack). In einer Liste der Stadt Gummersbach ist von einem „Lokomotiv-Unfall“ die Rede. Auch bei ihm gibt es Angaben der Tiefbaufirma Köster und der Stadt Olpe zu den Umständen seines Todes.

In der Reihe befindet sich noch ein sehr stark verwitterter und unleserlicher Grabstein. Es könnte sein, dass es sich um das Grab Serafina Muchamet handelt, nach einer Liste der Stadt Gummersbach müsste ihr Grab sich auf diesem Feld befinden. Geboren war sie am 25. September 1915 in Semeniw (auch „Semeniff“) in der Ukraine. Ab dem 14. Dezember 1942 wird sie bei der Firma Leopold Krawinkel als Zwangsarbeiterin geführt. Gestorben ist sie im Alter von knapp 29 Jahren am 30.8.1944 in Gummersbach an Blinddarmentzündung. Vermutlich wurde sie zu spät behandelt, denn laut einer Liste des Krankenhauses Gummersbach ist sie am Tag ihrer Einlieferung gestorben. Die Sterbeurkunde gibt keine weitere Auskunft.

Weil der verwitterte Grabstein in der Reihe mit den Kindern liegt, könnte es sich auch um Genadi Reswan handeln. Genadi war kleiner Junge, der laut Sterbeurkunde am 15. April 1941 in „Charkow“ (heute Charkiw / Ukraine) geboren war und am 16. April 1944 gestorben ist, als er gerade drei Jahre alt geworden war. In einer Liste wird als Todesursache Knochenmarkentzündung“ angegeben, dort ist aber ein anderes Gräberfeld vermerkt.