UNTER DEN LINDEN statt HINDENBURG!

Vor 90 Jahren hat der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg die Nazis an die Macht gebracht: Am 30 Januar 1933 ernannte er Adolf Hitler zum Reichskanzler.

Wir möchten dieses Datum zum Anlass nehmen, an den Rat der Stadt Gummersbach zu apellieren, der „Hindenburgstraße“ in Gummersbach ihren alten Namen „Unter den Linden“ zurück zu geben.

Wie viele rheinische Städte hat auch Gummersbach im Jahr 1917 Hindenburg durch eine Straßen-Benen­nung geehrt und seine Hauptstraße „Unter den Linden“ in „Hindenburgstraße“ umbenannt. Dies entsprach der damaligen Stimmung.

In der Folge hat sich Hinden­burg im Jahr 1933 bewusst zum Steigbügel­halter Hitlers gemacht, nicht nur durch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933. Er spielte auch eine wichtige aktive Rolle dabei, politisch und medial die Verbindung von der Mitte der Gesellschaft zu den National­sozialisten herzu­stellen. Er hat Hitler beim „Tag von Potsdam“ am 21. März 1933 „salonfähig“ gemacht. An diesem Tag wurden die ersten KZs eingerichtet – Hindenburg als Reichspräsident hat das hingenommen und ist daher mit dafür verantwortlich, ebenso wie für die pogromhafte Boykottaktion gegen jüdische Geschäfte und Praxen am 1. April 1933, durch die in Gum­mersbach die Arztpraxis Dr. Simons die Hälfte ihrer Patientinnen und Patienten verlor.

Die Benennung einer der wichtigsten Geschäftsstraßen in der Kreisstadt Gummersbach nach Hindenburg passt nicht zu einer modernen, weltoffenen Kultur. Auch andere Städte in Deutschland haben im Laufe der letzten Jahre Hindenburgstraßen und -plätze umbenannt. Die Lindenstadt Gummersbach hat mit dem alten Namen „Unter den Linden“ eine hervorragende Alternative.

Zur Unterstützung unserer „Einwohneranregung“ (wie das offiziell heißt) gibt es Unterschriftslisten:

Bitte die Listen herunterladen, ausdrucken, Unterschriften sammeln und an die auf den Listen angegebene Adresse schicken.

Es gibt auch die Möglichkeit, online zu unterstützen:

https://weact.campact.de/petitions/hindenburgstrasse-in-gummersbach-umbenennen

Fakten zu Hindenburg (als pdf hier herunterladen)

Wo kam Hindenburg her?

Hindenburg wurde am 2.10.1847 in Posen (damals Preußen, heute mit dem Namen Poznan zu Polen gehörig) geboren, er entstammte einer ostpreußischen Adelsfamilie. Er absolvierte eine typische Militär-Ausbildung und machte Karriere beim preußischen, später beim deutschen Militär, 1905 wurde er zum General befördert.

War Hindenburg ein Kriegsheld?

Wir fühlen uns nicht berufen, „militärische Leistungen“ zu beurteilen. Hier die Fakten:

Im Ersten Weltkrieg wurde Hindenburg als Oberbefehlshaber in Ostpreußen eingesetzt. Dort fand Ende August die „Schlacht bei Tannenberg“ statt, die mit einem Sieg der deutschen Truppen endete. Dieser Sieg wurde Hindenburg als Verdienst zugerechnet.

Prof. Wolfram Pyta stellt in der umfassenden Biografie „Hindenburg – Herrschaft zwischen Hohen­zollern und Hitler“ klar: „Hindenburgs Anteil an den Planungen tendiert gegen Null, wenngleich er später erhebliche Anstrengungen unternahm, sich den Sieg von Tannenberg gutschreiben zu lassen.“1 Zu Hindenburgs Rolle während der Schlacht gibt Pyta den für die strategischen Planungen zuständigen Generalstabsoffizier Hoffmann wieder: „Von Oberst Max Hoffmann wird überliefert, er habe späteren Besuchern das Quartier Hindenburgs mit dem Hinweis gezeigt, dies sei der Ort, an demHindenburg vor der Schlacht von Tannenberg, danach und auch während dieser Schlacht geschlafen habe.2

Woher kam die Hindenburg-Verehrung?

Hindenburg betrieb eine geschickte „mediale Selbstinszenierung3, er nutzte sogar die damals höchst populären Schriftsteller Ludwig Ganghofer und Sven Hedin, um seinen Helden-Mythos zu verbreiten. Eine heldenhafte Identifikationsfigur kam den Regierenden angesichts hunderttausender Toter in den Schützengräben sehr gelegen, um der „Kriegsmüdigkeit“ entgegen zu wirken. Hindenburg wurde 1916 mit Ludendorff zusammen Chef der Obersten Heeresleitung und übte damit nahezu diktatorische Macht aus. Es gelang ihm, eine nationalistische Stimmung in weiten Teilen der Bevölkerung aufrecht zu er­halten, was dazu führte, dass viele deutsche Städte – wie auch Gummersbach – ihn zum Ehrenbürger ernannten und schon zu Lebzeiten wichtige Straßen nach ihm benannten. So wurde 1917 in Gummers­bach der Boulevard „Unter den Linden“ in „Hindenburgstraße“ umbenannt.

Welche Rolle spielte Hindenburg nach dem Ende des ersten Weltkriegs?

Mit der Niederlage der deutschen Truppen wollten sich große Teile der Militärführung, der Monarchisten und der Nationalisten nicht abfinden. Sie erfanden die „Dolchstoß-Legende“: Eigentlich seien die deut­schen Soldaten „im Felde unbesiegt“ gewesen, doch finstere Mächte – „sozialistische Agitatoren“, „vaterlandsfeindliche Schurken in der Heimat“, „die Juden“ – seien ihnen in den Rücken gefallen, hätten sie „von hinten erdolcht“. Damit konnten sich die Befehlshaber von ihrer Verantwortung für millionen­fachen Tod, für die politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen der Niederlage nach dem Angriffs­krieg reinwaschen. Hindenburg selbst hat diesen Mythos massiv unterstützt. „Wie Siegfried unter dem hinterlistigen Speerwurf des grimmigen Hagen, so stürzte unsere ermattete Front; vergebens hatte sie versucht, aus dem versiegenden Quell der heimatlichen Kraft neues Leben zu trinken.4

Wie wurde Hindenburg Reichspräsident in der Weimarer Republik?

Bei den ersten demokratischen Wahlen eines Staatsoberhauptes in Deutschland wurde der Sozial­demokrat Friedrich Ebert gewählt. Er starb plötzlich im Februar 1925. Für die Neuwahl konnten sich nur die nationalistischen und monarchistischen Parteien auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen: Hindenburg. Die Kandidaten der Parteien der „Weimarer Koalition“ (das katholische „Zentrum“, die Liberalen und die SPD) und der KPD traten gegeneinander an. So wurde wurde Hindenburg mit knap­per Mehrheit gewählt.

Bei der nächsten Wahl 1932 stellte die NSDAP Hitler als Kandidaten auf, die SPD wollte einerseits Hitler verhindern, konnte sich andererseits nicht mit der KPD auf einen gemeinsamen linken Kandidaten einigen und unterstützte daher Hindenburg, der mit absoluter Mehrheit wiedergewählt wurde.

Warum hat Hindenburg Hitler zum Reichskanzler ernannt?

Die NSDAP hatte bei der Wahl am 31. Juli 1932 mit 37,3% ihr höchstes Ergebnis und stellte die stärkste Fraktion. Hitler forderte damals schon das Amt des Reichskanzlers – doch er bekam es nicht, Franz von Papen blieb Reichs­kanzler (bis er im Dezember durch Schleicher ersetzt wurde). Der Reichspräsident Hindenburg hatte nach Artikel 53 der Weimarer Verfassung die Befugnis, so zu ent­scheiden. Bei den Neuwahlen im November verloren die Nazis deutlich, sie erhielten nur noch 33,1%. Für Hitler und seine Förderer wurde es höchste Zeit zu handeln, wenn sie legal an die Macht kommen wollten. In der Villa des Kölner Bankiers von Schröder traf sich Hitler mit von Papen am 4. Januar, sie stellten die Weichen für den 30. Januar, an dem Hindenburg Hitler zum Reichskanzler ernannte.

Historiker wie Dieter Hoffmann5 machen für den Stimmungswandel Hindenburgs auch den „Osthilfe-Skandal“ verantwortlich, bei dem es um fehlgeleitete Subventionen für die Landwirtschaft ging, die in den Taschen adliger Großgrund­besitzer landeten. Hindenburg soll darin verstrickt gewesen sein. Dazu passt, dass die „Bergische Wacht“ aus Engelskirchen am 2.2.1933 angesichts der angekündigten Auf­lösung des Reichstags die Befürchtung äußert, „daß nunmehr der Osthilfeskandal … fein zugedeckt wird6

Wie unterstützte Hindenburg Hitlers Regierung?

Die Auflösung des Reichstags am 2. Februar mit dem Ziel von Neuwahlen entsprach auch Hindenburgs Wunsch, der sich – wie Hitler – eine verfassungsändernde Mehrheit für ein Ermächtigungsgesetz wünschte7, mit dem das Parlament entmachtet wurde. Um das gewünschte Wahlergebnis zu erhalten, erließ er am 4. Februar 1933 die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des deutschen Volkes“, die massive Eingriffe in die Presse- und Versammlungsfreiheit ermöglichte, und unterzeichnete Ende Februar die „Reichstagsbrandnotverordnung“. Die Konstituierung des neugewählten Reichstags am 21. März 1933 wurde als „Tag von Potsdam“ inszeniert. Hierbei entstand nicht nur das bekannte Foto, auf dem Hindenburg Hitler mit Handschlag bis weit in die Mitte der Gesellschaft salonfähig macht, Hindenburg ruft auch den gesamten Reichstag zur Unterstützung Hitlers auf: „ … ich hoffe von Ihnen, den Mitgliedern des neugebildeten Reichstags, daß Sie in der klaren Erkenntnis der Lage und ihrer Notwendigkeiten sich hinter die Regierung stellen und Ihrerseits alles tun werden, um diese in ihrem schwierigen Werk zu unterstützen.8

Am selben Tag wurden in Oranienburg und in Dachau die ersten KZs eingerichtet.

Hätte Hindenburg etwas verhindern können?

Hindenburg hat die Notverordnungen und die Gesetze der NS-Regierung unterzeichnet, er hat das Handeln der Regierung gesehen und zumindest hingenommen, wie z.B. die pogromhafte Boykottaktion gegen jüdische Geschäfte und Praxen am 1. April 1933, durch die in Gum­mersbach Frau Dr. Sophie Simons die Hälfte ihrer Patientinnen und Patienten verlor. Hatte er die Möglichkeit, anders zu handeln und Einfluss zu nehmen? Ja, die hatte er! Auf Grund seines großen Ansehens wurde seine Meinung auch von den Nazis gehört und ernst genommen. Das zeigt das am 7. April erlassene „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, mit dem politische Gegner und auch „Nichtarier“ (also Juden) aus dem öffentlichen Dienst entlassen wurden. Hindenburg setzte sich am 4. April in einem Schreiben an Hitler für ehemalige jüdische Frontkämpfer ein, die im ersten Weltkrieg für das deutsche Kaiserreich gekämpft hatten. Das Gesetz erhielt daraufhin einen Absatz, der sie vorerst vor den Ent­lassung verschonte („Frontkämpferprivileg“). Dieser Vorgang macht deutlich, wie leicht es für Hindenburg war, die Politik Hitlers zu beeinflussen. Er hat also offensichtlich alle anderen Maßnahmen, auch die Verfolgung der Jüdinnen und Juden, die nicht unter das „Frontkämpferprivileg“ fielen, gebilligt und trotz seiner Möglichkeiten nichts verhindert.

1Wolfram Pyta, Hindenburg Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler, Siedler, München 2007, S. 48

2Ebenda, S. 53

3Ebenda, S. 115

4Paul von Hindenburg: Aus meinem Leben. Hirzel, Leipzig 1920, S. 403

5Dieter Hoffmann Der Skandal – Hindenburgs Entscheidung für Hitler, Donat-Verlag Bremen 2020

6„Bergische Wacht“ Jahrgang 27, Nr. 27 vom 2.2.1933, S. 1, Verlag Jos. Schiefeling, Engelskirchen

7Wolfram Pyta, Hindenburg Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler, Siedler, München 2007, S. 796

8Verhandlungen des Deutschen Reichstags, 8. Wahlperiode 1933, Staatsakt zur Feier der Eröffnung des Reichstags in der Garnisonskirche zu Potsdam, S. 5, https://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_w8_bsb00000141_00009.html, abgerufen am 2.2.2023

30. Januar 1933: Der Weg in die faschistische Diktatur

Zur Vorgeschichte

In der Zeit der Weimarer Republik haben reaktionär-nationalistische Kräfte immer wieder die Demokratie angegriffen (Kapp-Putsch 1920, Ermordung Erzbergers 1921, Ermordung Rathenaus 1922, Hitler-Putsch 1923). Ab 1930 war die NSDAP bei den Wahlen immer stärker geworden, im Sommer 1932 erreichte sie 37,3%. Bei Neuwahlen im November 1932 gab es aber eine Trend­wende: Die NSDAP erhielt nur noch 33,1%. Aus ihrer Sicht war es also höchste Zeit, an die Macht zu kommen – wenn das auf legalem Wege geschehen sollte.

Die Übergabe der Macht an Hitler

Am 30. Januar 1933 ernannte dann der damalige Reichspräsident Hindenburg den NSDAP-Vor­sitzenden Adolf Hitler zum Reichskanzler. Es war noch keine Alleinherrschaft der NSDAP, sondern (bis zum Sommer 1933) eine Koalitionsregierung mit anderen nationalistischen Kräften von der deutsch-nationalen Volkspartei.

Die Reaktionen

Die Nazis feierten mit organisierten Fackel­zügen.

Viele Demokrat*innen haben die Nazis unter­schätzt. So schrieb Edmund Schiefeling, Heraus­geber der Bergischen Wacht und dem Zentrum zugehörig, am 30. Januar unter der Überschrift „Nun lasst Herrn Hitler dran“: „… Wir sind Demokraten und kön­nen daher nicht dagegen sein, daß die stärkste Partei, die das Volk gewählt hat (gleichwohl wodurch und in­folge wessen gewählt hat), die Führung übernimmt und die Regierung bildet. …“. Keine sechs Wochen später überfielen SA-Trupps die Druckerei der Bergischen Wacht.

Die KPD rief zum Generalstreik auf, die Wirkung des Aufrufs blieb gering.

Die Gewerkschaften und die SPD erkannten die Gefahr, die von der neuen Regierung ausging, riefen aber zur „Besonnenheit“ auf.

Maßnahmen der Hitler-Regierung im Februar 1933

Schon am 31. Januar waren kommunistische Zeitungen beschlagnahmt worden. Der Februar 1933 brachte dann Schlag auf Schlag drastische Einschränkungen der Freiheit.

1. Februar: Auflösung des Reichstags, um Neuwahlen durchzuführen

4. Februar: Einschränkung der Presse- und Versammlungsfreiheit per Notverordnung

22. Februar: Göring bildet in Preußen eine Hilfspolizei, deren Mitglieder aus SA, SS und „Stahlhelm“ rekrutiert werden, und ermuntert sie zum „fleißigen Gebrauch der Schußwaffe“.

27. Februar: Reichstagsbrand – Verhaftungswelle gegen Kommunisten und Juden

28. Februar: Weitere Einschränkungen der Pressefreiheit, weitreichende Befugnisse für die Polizei, Verbot des „Vorwärts“ (SPD-Zeitung)

März 1933: Reichstagswahl – Tag von Potsdam – Ermächtigungsgesetz

Die Neuwahlen am 5. März brachten nicht das von den Nazis erhoffte Ergebnis: Trotz des Terrors gegen Kommunisten und Sozialdemokraten erhielten die linken Parteien beachtliche Anteile (SPD 18,3%, KPD 12,3%), die NSDAP verfehlte mit 43,9% die absolute Mehrheit.

Die Ergebnisse im Oberbergischen waren sehr unterschiedlich: In den katholischen Kommunen blieb das Zentrum die stärkste Kraft, in einigen Gemeinden im Südkreis erreichte die NSDAP extrem hohe Anteile (Nümbrecht, Marienberg­hausen, Denklingen, Waldbröl). Eine Übersicht für alle Kommunen ist hier zu sehen.

Um ihre Macht zu festigen, brauchten die Nazis zu­nächst noch bürgerlich-konservative Unter­stützer. Hier leistete Reichspräsident Hindenburg unschätz­bare Dienste: Beim „Tag von Potsdam“ am 21. März begrüßte Hindenburg Hitler mit einem Handschlag, der einem „Ritterschlag“ gleichkam. Das Bild mit Hindenburg, Hitler und einem Ver­treter der Reichs­wehr machte die Nazis bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein „salonfähig“.

Am selben Tag wurden in Dachau und Oranienburg die ersten KZs eingerichtet.

Am 24. März beschloss der Reichstag dann das „Ermächtigungsgesetz“, mit dem er seine Kompetenz praktisch aufgab und der Regierung die Gesetzgebungskompetenz übertrug. Nur die SPD-Abgeordneten stimmten dagegen (die Mandate der KPD waren einfach annulliert worden). Das Zentrum stimmte „schweren Herzens“ zu, um die eigene Partei zu retten. Ohne Erfolg: Nachdem die SPD am 22. Juni 1933 verboten wurde, musste sich das Zentrum am 5 Juli auflösen.

Hetze gegen Jüdinnen und Juden

Am 1. April 1933 organisierten die Nazis einen pogromartigen Boykott gegen jüdische Geschäfte, Arzt- und Rechtsanwaltspraxen. Auch in Gummersbach wüteten sie: „SA bzw. SS‑Kameraden nahmen Aufstellung am Eingang folgender Geschäfte: Ehape, Schuhhaus für Alle, Volks­bekleidungshaus Kiewe u.Co., Gummersbacher Bekleidungshaus, Inhaber S. Glaß, S. Löwen­stein, Zentraltheater und schließlich bei Dr. med. Simons. … Die an den Geschäftseingängen niedergestellen Plakate zeigten u. a. die Aufschrift: „Deutsche, kauft bei Deutschen!“, „Wir warnen Euch, die Käufer werden photographiert“, „Wer bei Juden kauft, übt Verrat am deutschen Volk“ oder „Meidet jüdische Aerzte“…“- So brüstete sich die NSDAP-Parteizeitung „Oberbergischer Bote“ am 3.4.1933

Zerschlagung der Gewerkschaften

Am 1. Mai wurden die Kundgebungen der Gewerkschaften zu inszenierten Massen­aufmärschen zum „Tag der nationalen Arbeit“ umfunktioniert. Am nächsten Tag wurden dann auf Anordnung des aus Nümbrecht stammenden Robert Ley (Leiter „Aktionskomitee zum Schutz der Deutschen Arbeit“, ab 10. Mai „Deutsche Arbeitsfront“) in ganz Deutschland die Häuser und Büros der Gewerkschaften gestürmt, Gewerkschaftsfunktionären wurden ver­haftet: Die freien Gewerkschaften waren zerschlagen.

Oberbergische Opfer des Holocaust: Frieda Jung

Anlässlich des Holcaust-Gedenktags erinnern wir beispielhaft an das Schicksal eines oberbergischen Opfers. In diesem Jahr geht es um Frieda Jung. Sie wurde erst in den letzten Wochen des NS-Terrorregimes deportiert und ermordet.

Unser Bericht basiert auf der Dokumentation des Stadtarchivs Gummersbach: „Judenverfolgung in Gummersbach während der Zeit des Nationalsozialismus – Eine Dokumentation des Stadtarchivs Gummersbach“ dritte ergänzte Auflage von Manfred Huppertz, Gummersbach 2020 “http://www.gummersbach.de/doku-judenverfolgung”

Frieda Jung war am 14. April 1888 in Ostrowo (damals Deutschland, Bezirk Posen, ab 1918 Polen) geboren. Sie war Jüdin. Über ihre Jugend und ihr Leben als junge Frau ist wenig bekannt, ins Oberbergische kam sie 1934 im Alter von 46 Jahren mit ihrem Mann Andreas Jung. Er war gelernter „Steuer-Inspektor“ und hatte eine Anstellung beim Stahlwerk Schmidt & Clemens in Kaiserau gefunden. Das Paar zog nach Niedergelpe bei Hülsenbusch.

Anscheinend lebten die beiden dort ziemlich unbehelligt von der Verfolgung der Jüdinnen und Juden durch den NS-Staat, doch im Laufe des Jahres 1944 griff die Gestapo auch nach Frieda Jung:

„… Im Laufe des vergangenen Jahres [gemeint ist 1944] erging von der Geheimen Staatspolizei, Staatspolizeistelle Köln, an den früheren Steuer-Inspektor Andreas Jung aus Düsseldorf, der seit dem Jahre 1934 in der hiesigen Gemeinde wohnt und der mit der Volljüdin Frieda Haym, geb. 14.4.1888 in Ostrowo, verheiratet ist, die Aufforderung, sich bei der Staatspolizeistelle in Köln zu melden. Daraufhin hat Jung einen Antrag eingereicht, von weiteren Maßnahmen gegen ihn abzusehen, da er in der hiesigenGemeinde ansässig und als Büroangestellter bei der Firma Schmidt & Clemens in Berghausen beschäftigt sei. Dieser Antrag wurde vom Bürgermeisteramt in Hülsenbusch beglaubigt und eingehend befürwortet. … „

Quelle: Bericht des zuständigen Polizisten, zitiert nach „Judenverfolgung in Gummersbach während der Zeit des Nationalsozialismus – Eine Dokumentation des Stadtarchivs Gummersbach“ dritte ergänzte Auflage von Manfred Huppertz, Gummersbach 2020 “http://www.gummersbach.de/doku-judenverfolgung”

Damit hatte das Paar einige Monate Ruhe, doch Anfang Dezember kam dann eine Anordnung der Gestapo:

„… von der Staatspolizeistelle in Köln, Appellhofplatz 22/25, über das Landratsamt in Gummersbach eine Anordnung vom 2.12.1944 Geschäftszeichen IV 4 b – 2875/44 – erging, wonach die Ehefrau Jung polizeilich in das Lager Köln-Müngersdorf eingeliefert werden sollte und Jung selbst, der arischer Abstammung ist, sich auf der Dienststelle der Staatspolizeistelle in Köln, Appellhofplatz 22/25, persönlich zu melden hatte. …“

Quelle: wie oben

Der Polizist gibt nach dem Ende der Nazi-Diktatur an, er habe die Anordung der Gestapo zunächst einige Zeit liegen lassen, dann sei Herr Jung Ende Dezember 1944 / Anfang Januar 1945 mit seiner Frau zum Lager in Köln-Müngersdorf gefahren. (Im Lager Müngersdorf wurden Jüdinnen und Juden aus dem Umland bis zur Deportation interniert.) In Müngersdorf wurde das Paar zunächst zurückgeschickt:

„…Herr Jung ist dann mit seiner Frau allein nach Köln gereist. Er hat bei dem Pförtner des Lagers Köln-Müngersdorf vorgesprochen, der ihn dann mit seiner Frau wieder nach Hause geschickt hat, da er angeblich keine Anweisung zur Aufnahme der Frau Jung besaß. Jung ist dann mit seiner Frau wieder in seine Wohnung in Niedergelpe zurückgekehrt. …“

Quelle: wie oben

Mitte Januar kam dann die „dringende Erinnerung“, Frieda Jung nach Müngersdorf zu bringen. Ihr Mann fährt persönlich zum zuständigen Sachbearbeiter – wohl in dem Glauben, die Deportation seiner Frau noch verhindern zu können. Doch ihm wird „aufgegeben“, innerhalb von 48 Stunden das Rheinland zu verlassen und sich eine Wohnung weiter im Osten zu suchen – ohne Frieda. Er macht das, was ihm befohlen wird, und zieht zu seinem Bruder nach Breslau. Seine Frau lässt er zurück.

Frieda Jung wird am 22. Januar 1945 ins Lager Kön-Müngersdorf gebracht, dort verliert sich ihre Spur. Laut einer Liste im „Gedenkbuch“ des Bundesarchivs ging am 12. März 1945 ein Transport von Köln nach Theresienstadt, der am 14. März dort ankam. (Quelle https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/chronology/viewGermanReich.xhtml)

Mutter und Tochter retteten in Eckenhagen einen Zwangsarbeiter

Manchmal sind es verschlungene Wege, auf denen eine Geschichte bekannt wird. Kurz vor Weihnachten erreichte uns ein Anruf aus der nördlichsten Ecke von Schleswig-Holstein. Dort hatte ein Mitarbeiter einer KZ-Gedenkstätte von Besuchenden aus den Niederlanden von der Rettung eines Zwangsarbeiters gehört, der von Bochum ins Oberbergische geflohen war und in Eckenhagen von zwei Frauen gerettet wurde. Die Eckdaten haben wir an die Redaktion der Oberbergischen Volkszeitung und des Oberbergischen Anzeigers gegeben – und am Freitag, den 20. Januar, erschien dann der Artikel:

https://www.rundschau-online.de/region/oberberg/reichshof/reichshoferinnen-versteckten-martinus-van-koeverden-vor-den-nazis-402832

Der komplette Artikel ist nach einer (kostenlosen) Registrierung zu lesen (Das geht einfach und es lohnt sich: drei kostenlose Artikel pro Monat sind eine faire Sache!) . Hier schon einmal kurz, worum es geht:
Zwei Frauen – Mutter und Tochter – haben während der Nazi-Herrschaft in Eckenhagen einen niederländischen Zwangsarbeiter gerettet. Martinus von Koeverden hatte sich von Bochum, wo er beim „Bochumer Verein für Gußstahlproduktion“ schuften musste, bis Eckenhagen durchgeschlagen. Dort brach er schwer krank zusammen. Walburga Kühr und ihre Mutter haben ihn gepflegt, versteckt und versorgt – und dabei die Strafen des NS-Regimes riskiert. Die Söhne und Töchter der Retterinnen und des Geretteten verbindet bis heute eine tiefe Freundschaft.
Der Mutter und der Tochter Walburga Kühr sollte Eckenhagen ein Denkmal errichten!

Rückblick und Ausblick zum Übergang 2022/2023

Es hat sich gezeigt, dass heutzutage die größte terroristische Gefahr in westlichen Nationen von extremen Rechten ausgeht, von Neonazis und jenen, die an die Überlegenheit von Weißen glauben. Wir müssen jegliche Form von Neonazismus und „White Supremay“, alle Formen von Antisemitismus und antimuslimischem Hass, deren Anwachsen wir in den westlichen Gesellschaften und in anderen Teilen der Welt beobachten, klar und entschieden verurteilen. Das ist eindeutig eine Bedrohung, und wir müssen diese Bedrohung mit großer Entschlossenheit bekämpfen. Die Ereignisse in Deutschland sind nur ein Beispiel für diese Bedrohung demokratischer Gesellschaften überall auf der Welt.“


UN-Generalsekretär Guterres am 19.12.2022 zu den am 8. Dezember aufgedeckten Plänen rechtsterroristischer Verschwörer*innen in Deutschland

Im Jahr 2022 war durch den verbrecherischen Angriff der Truppen der russischen Föderation auf die Ukraine der Krieg nach Europa zurück gekommen. Der Krieg hat Tod, Leid und Not über die Menschen in der Ukraine gebracht. Er richtet Verwüstung an – nicht nur Zerstörung in den Städten, sondern auch in den Köpfen, indem er Hass und Nationalismus befördert. Es ist ein gutes Zeichen, wenn in unserem Land Menschen aufgenommen werden, die vor dem Krieg fliehen, doch es ist Rassismus, wenn Menschen, die vor anderen Kriegen fliehen, nicht die gleiche Hilfe zuteil wird. Wir bleiben dabei: Es gilt das Grundgesetz, das in Artikel 3 keine Benachteiligung erlaubt, auch nicht auf Grund der Herkunft!

Ein besonderes Phänomen waren die „Montags-Spaziergänge“ einer großen, sehr heterogenen Gruppe von Impfgegner*innen am Anfang des Jahres. Natürlich ist es legitim, die Maßnahmen gegen die Pandemie zu kritisieren und dies auch in Demonstrationen zum Ausdruck zu bringen Doch es darf nicht sein, dass man sich dabei von Verschwörungs-Mythen beeinflussen lässt es ist notwendig, sich von antisemitischen Stereotypen und Rechtsextremisten zu distanzieren. Bekennende Q-Anon-Anhänger verbreiten unwidersprochen ihre Hetze in den entsprechenden Telegram-Kanälen. Auch braune-esoterische Gruppen, die von der „Anastasia“-Ideologie beeinflusst sind, versuchen im Oberbergischen Anhänger*innen zu rekrutieren. Hierzu konnten wir Ende Oktober gemeinsam mit dem Netzwerk gegen Rechts eine sehr gut besuchte Aufklärungs-Veranstaltung durchführen.

Die AfD hat bei der Landtagswahl im Oberbergischen deutlich höhere Anteile holen können als im Landesdurchschnitt. Dabei tritt sie im Nordkreis (Wipperfürth, Hückeswagen, Radevormwald) offensiv auf mit Infoständen, halb-öffentlichen Festen und mit Unterstützung durch extrem rechts positioniertes Personal aus der Landes- und Bundesebene (wie Carlo Clemens von der „Jungen Alternative“). Die Wahlergebnisse in den Nordkreis-Kommunen lagen für die AfD zwar teilweise über dem Landesdurchschnitt, aber unter dem Mittelwert im Oberbergischen Kreis.

Im Südkreis erzielt die AfD in bestimmten Stimmbezirken der Stadt Waldbröl regelmäßig besonders hohe Ergebnisse. Es gelingt ihr aber zu Glück bisher nicht, die Politik vor Ort mit zu bestimmen. Ihr Versuch, in der Aula des Schulzentrums einen „Bürgerdialog“ zu veranstalten, scheiterte im Januar kläglich: Lediglich 16 Personen waren in die Aula gekommen, fast alle waren AfD-Funktionäre aus anderen Orten im Kreis. Dem gegenüber stand – trotz der Kälte – ein kreativer Protest von 400 Menschen aus der Zivilgesellschaft, darunter sehr viele Eltern, deren Kinder das Schulzentrum besuchen. Durch den Zuzug von Eugen Schmidt, AfD-Bundestagsabgeordneter und Sprecher der „Russlanddeutschen für die AfD“, in die Gemeinde Reichshof wird klar, dass die Rechtsextremen versuchen werden, ihre Propaganda im Oberbergischen noch zu verstärken und die hohen Stimmenanteile in Waldbröl auch zum Einfluss auf die kommunale Politik zu nutzen.

Die Rücknahme von Einschränkungen im Rahmen der Pandemie-Bekämpfung ermöglichte uns auch wieder öffentliche Veranstaltungen. Einer der Höhepunkte im Rahmen unserer Gedenk- und Erinnerungsarbeit war unser Fest für den Frieden am Tag der Befreiung, das wir am 8. Mai mit hunderten Besucher*innen in Gummersbach feiern konnten. Aber auch unsere Erinnerung an die Ermordung dreier Nazi-Gegner in Hückeswagen, an den hundertsten Jahrestag der Ermordung Rathenaus und an das Ebert-Rathenau-Erzberger-Denkmal in Gummersbach fanden starke Beachtung.

Die dritte Oberbergische Frag-mich-Messe – in diesem Jahr in Hückeswagen – zeigte, dass das Konzept einer Dialog-Veranstaltung auf Augenhöhe aufgeht.

International hat 2022 in weiteren Staaten eine bedenkliche Entwicklung nach Rechts gebracht. In Schweden wurde eine Regierung gebildet, die von den Stimmen der extrem rechten „Schwedendemokraten“ abhängt, in Italien ist eine rechts-nationalistische Regierung gewählt, in Israel greift die Netanjahu-Regierung die Unabhängigkeit der Justiz an.

Der Kampf gegen Hass und Hetze, gegen Rassismus und Nationalismus, für ein solidarisches und verantwortliches Miteinander wird auch 2023 bestimmend für unsere Arbeit sein. Mit dem 90. Jahrestag der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler haben wir gleich zu Beginn einen wichtigen Jahrestag, weitere Jahrestag aus dem Jahr 1933 – wie zum Beispiel die Bücherverbrennung am 10. Mai – führen uns erschreckend deutlich vor Augen, wie damals ein demokratischer Staat in eine faschistische Diktatur überging. Wir können und sollten diese Termine nutzen, um vor den Gefahren rechter Hetze und insbesondere des Antisemitismus zu warnen. Auch wenn eine der extrem rechten Verschwörergruppen Anfang Dezember aufgeflogen ist, so macht der Blick auf den 8./9. November im beiliegenden Gedenkkalender klar, dass ein vereitelter Putschversuch nicht das Ende der rechten Gefahr bedeutet. Die oben zitierten Äußerungen von UN-Generalsekretär Guterres vom 8. Dezember sollten für uns Ansporn sein, in unserer Arbeit auch 2023 nicht nachzulassen.

Neben der Erinnerung an die Geschehnisse von 1933 steht im neuen Jahr die nächste Frag-mich-Messe an (möglicherweise mit einem neuen Namen, wahrscheinlich in Gummersbach), wir sollten wieder in den Internationalen Wochen gegen Rassismus dabei sein und bei der Interkulturellen Woche im Herbst. Und am 10. Dezember ist der 75. Jahrestag der Erklärung der Menschenrechte!

Antifaschistische Gedenktage 2023:

4. Januar 1933: In Köln wurden die Weichen für die Machtübergabe an die Nazis gestellt

Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/95/K%C3%B6ln-Lindenthal_Stadtwaldg%C3%BCrtel_35.jpg

Weitere Informationen:

Die Serie „TrueCrime.Köln“ hat dem Treffen am 4.Januar einen sehr informativen Beitrag gewidmet:

https://www.ksta.de/true-crime-koeln/podcast-true-crime-koeln-die-geburtsstunde-des-dritten-reichs-381621

Unbedingt anhören!

Einen sehr guten und ausführlichen Textbeitrag gibt es bei der VVN-BdA:

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Stadtwaldguertel35-koeln-4.jpg, © Superbass / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)

Mölln 1992

Header der website „Gedenken Mölln 1992“

Vor 30 Jahren, am 23. November 1992, verübten Neonazis in Mölln rassistisch motivierte Brandanschläge gegen zwei Häuser, in den türkischstämmige Mitbürger*innen wohnten. Dabei starben die 51-jährige Bahide Arslan, ihre zehnjährige Enkelin Yeliz und deren 14-jährige Cousine Ayşe Yılmaz. Weitere neun Menschen wurden schwer verletzt.

Auf der wikipedia-Seite „Mordanschlag von Mölln“ werden die Ereignisse der Nacht geschildert:

Die Anschläge wurden von den Neonazis Michael Peters und Lars Christiansen verübt. Sie warfen zunächst gegen 0:30 Uhr zwei Molotowcocktails in das Obergeschoss eines zweistöckigen Fachwerkhauses mit 32 türkischstämmigen Bewohnern in der Ratzeburger Straße 13. Alle Bewohner konnten sich vor dem ausbrechenden Feuer retten, zum Teil, indem sie aus den Fenstern sprangen oder sich mit Betttüchern abseilten. Dabei gab es mehrere Verletzte. Die Täter riefen unmittelbar anschließend anonym bei der Polizei in Mölln an und erklärten: „In der Ratzeburger Straße brennt ein Haus! Heil Hitler!“ Danach warfen sie kurz nach 1 Uhr einen Molotowcocktail in den Eingangsbereich des Hauses Mühlenstraße 9, eines von der türkischen Familie Arslan bewohnten dreigeschossigen Backsteinbaus. Auch hier gab es kurz darauf einen anonymen Anruf bei der Freiwilligen Feuerwehr Mölln mit den Worten: „In der Mühlenstraße brennt es! Heil Hitler!“ Durch den Kamineffekt im hölzernen Treppenhaus breitete sich das Feuer sehr schnell aus, so dass es keine Fluchtmöglichkeit mehr über die Treppe gab. Die beiden Mädchen Yeliz Arslan und Ayşe Yılmaz sowie ihre Großmutter Bahide Arslan kamen in den Flammen um; weitere Familienmitglieder wurden beim Sprung aus den Fenstern schwer verletzt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Mordanschlag_von_M%C3%B6lln

Ibrahim Arslan, der zum Zeitpunkt des Verbrechens 7 Jahre alt war, überlebte durch die Fürsorge seiner Großmutter Bahide Arslan. In einem Gespräch mit dem NDR (unbedingt lesen bzw. anhören!) schildert er die Umstände:

„Sie hatte mich in nasse Tücher gewickelt und in die Küche gebracht. Beim Versuch, meine Schwester und meine Cousine zu retten, ist sie selbst ums Leben gekommen. Die Feuerwehrleute haben berichtet, dass sie verbrannt ist. Meine Schwester und meine Cousine sind durch Rauchvergiftung gestorben.“

https://www.ndr.de/kultur/Brandanschlag-von-Moelln-Es-gibt-kein-Vertrauen-in-Staat,arslan154.html?fbclid=IwAR33KGYZ_lPkSRfG9jYNIfYar_cHjW8oSmYqZrlFUjZwz3EfWaGTVibkWZI

Ein Skandal ist, dass die Stadt Solidaritätsschreiben und Beileidsbekundungen an die Hinterbleibenen nicht weitergegeben hat. Ibrahim Arslan:

„Bundesweit haben uns Menschen geschrieben, auch aus dem Ausland, aus den Niederlanden, Amerika, selbst aus der Türkei. Diese Briefe wurden zunächst durch die Stadtverwaltung gesammelt und später dem Stadtarchiv übergeben. Erst 27 Jahre später habe ich durch einen Zufall diese Briefe dort entdeckt. Es gab in den Briefen neben Solidaritätsbekundungen auch Vernetzungsangebote von Shoah-Überlebenden. Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich daran denke. Wir haben 20 Jahre lang versucht, Betroffene zu vernetzen. Direkt nach dem Anschlag hätten wir mit den Briefen die Möglichkeit zur Vernetzung gehabt. Und selbst das wurde uns nicht gewährt.“

https://www.ndr.de/kultur/Brandanschlag-von-Moelln-Es-gibt-kein-Vertrauen-in-Staat,arslan154.html?fbclid=IwAR33KGYZ_lPkSRfG9jYNIfY

Der Anschlag fand statt in einem Klima der „Asyldebatte“, die in einer Aushöhlung des im Grundgesetz verankerten Rechts auf Asyl mündete. Nach dem Pogrom von Rostock-Lichtenhagen Ende August 1992 verkündete der damalige Bundesinnenminister Seiters Wir müssen handeln gegen den Missbrauch des Asylrechts, der dazu geführt hat, dass wir einen unkontrollierten Zustrom in unser Land bekommen haben…“ Nicht gegen die Täter sollte vorgegangen werden, sondern den Opfern wurde die Schuld gegeben.

Mitte Oktober 1992 spricht sich der Bundestag mit den Stimmen der Koalition aus CDU/CSU und FDP für eine Änderung des Asylartikels im Grundgesetz aus. Am 17. November 1992 verabschieden dann die SPD-Delegierten auf einem Sonderparteitag in Bonn Grundsatzbeschlüsse zur Änderung des Asylrechts.

Und wenige Tage nach dem 23. November 1992 weigert sich der damalige Bundeskanzler Kohl, an der Trauerfeier für die Opfer teilzunehmen: Die Bundesregierung wolle nicht in „Beileidstourismus“ verfallen.

Die Morde von 1992 und der Umgang mit ihnen zeigen: Wir, die Zivilgesellschaft, sind gefordert, um unseren Staat demokratisch, solidarisch und vielfältig zu gestalten und zu erhalten. Jede und jeder kann (und muss!) bereit sein, dem Alltagsrassismus entgegen zu treten und gemeinsam mit allen Mitbürger*innen unsere Gesellschaft lebenswert zu gestalten. Das gebietet der Anstand!

Konflikte weltweit – Mahnwache in Waldbröl

Danke an den Waldbröler Freundeskreis Asyl, der am Samstag (12. November 2022) mit einer Mahnwache an die in den Hintergrund geratenen Konflikte und an den Widerstand gegen Krieg und Diktatur in vielen Ländern der Erde erinnert hat. Betroffene, die in Waldbröl Schutz gefunden haben, berichteten von der Lage in ihren Heimatländern. Zum Teil trugen sie ihre Berichte selbst vor, zum Teil übernahmen das Stellvertreterinnen. Eine sehr eindrucksvolle Veranstaltung! Die Texte werden auf der Seite des Freundeskreis Asyl zu lesen sein (www.asyl-waldbroel.de)

Dieter Brüser eröffnete und leitete die Veranstaltung.
Den Text von Latifa Farahmand (die kurzfristig nicht selber teilnehmen konnte) zur Situation in Afghansitan trug Vida Salehi vor. Sie prangerte die Verfolgung der Volksgruppe der Hazara an und schilderte die Unterdrückung der Frauen: „Die Hälfte der Bevölkerung ist zu Hause eingesperrt“
Vida Salehi berichtete vom Aufstand der Frauen im Iran. „Frau – Leben – Freiheit“ Inzwischen sind mehr als 300 Menschen bei Protesten getötet worden. „Wir brauchen euch!“ war ihr Appell an uns.
Massoud Suleyman trug Lieder aus seiner Heimat Syrien vor.
Andrzej Wasilewski aus Polen betreut Geflüchtete aus der Ukraine. Er verlas einen Appell gegen den Krieg und rief zur Solidarität mit der Bevölkerung der Ukraine und mit den Flüchtlingen auf.
Hanna Awad ist vor dem Krieg in Syrien geflohen und lebt in Waldbröl. Seit 4 Jahren engagiert sie sich hier in der Jugendfeuerwehr. Sie rief auf, über den Krieg in der Ukraine den Krieg in Syrien nicht zu vergessen.
Yasin und Kübra Bucak schilderten die Situation in der Türkei, wo Staatspräsident Erdogan seine politischen Gegner zu Terroristen erklärt, wo Folter und willkürliche Verhaftungen an der Tagesordnung sind,
Den Text von Wafa Kekia zur Situation in Eritrea trug Birgit Behrendt vor. Seit 30 Jahren herrscht dort eine brutale Diktatur, vor der inzwischen die Hälfte der Bevölkerung geflohen ist. Die Fluchtwege sind gefährlich, gerade für Frauen. Viele Menschen ertrinken bei der Flucht vor der Gewaltherrschaft im Mittelmeer.
Zum Abschluss sangen alle Beteiligten gemeinsam „We shall overcome“

9. November – Gedenken zur Pogromnacht

In Nümbrecht fand wie jedes jahr eine eindrückliches Gedenken an die Pogromnacht statt.

(Bilder anklicken für eine vergrößerte Ansicht)

Superindendent Braun von ev. Kirchenkreis an der Agger eriinerte an das Stuttgarter Schuldbekenntnis der EKD von 1945, in dem es hieß: „… wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben….“ Er bezeichnete den Antisemitismus Luthers als Sünde und beklagte, dass Luther über die Juden geredet hatte, ohne mit ihnen zu reden.

Schüler*innen des Waldbröler Hollenberg-Gymnasiums erinnerten in ihrem Beitrag u.a. an Ida Steletto und ihren Sohn Dominikus Stiletto, die zeitweise im Oberbergischen wohnten und wegen der jüdischen Abstammung deportiert wurden. Ida Stiletto wurde nach Theresienstadt deportiert und überlebte schwer verletzt, Dominikus Stiletto wurde im Sammellager Köln-Müngersdorf für arbeitsfähig erklärt und musste in Zwangsarbeit leisten.

Wie in jedem Jahr las Marion Reinecke den Kaddisch, den sie in diesem Jahr Meta Herz widmete.

Das Klezmer-Duo Bern Spehl und Georg Brinkmann spielte nach der Gedenkveranstaltung in der Kirche nebenan, Frank Bohlscheid und Norbert Michels lasen aus erschütternden Zeitzeugen-Berichten Holocaust-Überlebender.

Hier ist der Bericht bei Oberberg-Aktuell

Waldbröler Hass-Poster verurteilt

Lothar Gothe ist seit Jahrzehnten gegen alte und neue Nazis aktiv. Als im vergangenen Winter auch in Gummersbach Menschen montags gegen die Corona-Schutzmaßnahmen „spazierten“ und dabei kein Problem damit hatten, dass Rechtsradikale mit ihnen marschierten, schrieb Lothar Gothe einen Leserbrief an die lokalen Zeitungen. In der Folge wurde er im Internet massiv diffamiert und bedroht.

Dagegen hat sich Lothar Gothe zur Wehr gesetzt und geklagt. Jetzt ist der Haupttäter, der auch in Waldbröl solche „Spaziergänge“ organisierte, vom Amtsgericht Waldbröl verurteilt worden. Im Folgenden Auszüge aus dem Urteil:

Der Kläger veröffentlichte in derZeitung „Kölnische Rundschau“ am 07.01.2022 einen Leserbrief, in dem er Stellung zu den Protesten nahm, die sich gegen diese Politik der Bundesregierung richteten. …

Daraufhin veröffentliche der Hass-Poster (im Urteil als „der Beklagte“ bezeichnet) ein halbstündiges Video auf Facebook, in dem er Lothar Gothe auf das Übelste beschimpfte und bedrohte (Zitate aus dem Urteil) :

„Lothar Gothe. Du bist ein elender Bolschewist. Ja, so ein richtiger Bolschewist. Das sind so ziemlich die schlimmsten Menschen, die es jemals gegeben hat und die es heute noch gibt. Ja
und für die Du kämpfst.“
„Ja weil ich habe ihm so viel persönlich zu sagen, was er uns Kindern, die ja in dem, in dem Bericht, wie er sagt, er kümmert sich ja auch um die Jugend und alles und so weiter und so fort. Nein, er vergiftet deren Seelen. Das Einzige, was er macht: er vergiftet deren Seelen. Das ist Lothar Gothe. Da ist nichts Menschliches dran an ihm. Hinterhältig, hinterfotzig. Wie es nur geht. Ja.“

„Dieses Video soll Lothar Gothe erreichen und es freut mich so unglaublich, dass dieser Typ, was ich gerade eben gepostet habe, dass er den Lothar Gothe sogar noch aufgenommen hat, mit in seiner Sendung auf YouTube. Ich find das so genial. Ich finde es fantastisch und es wird auch Zeit, dass er mal die Rechnung bekommt. Es ist vollkommen egal wie alt der Lothar ist. Er ist 71, er hat in diesen 70 Jahren genug, genug Mist gebaut, dass er mehr als eine Strafe verdient. Ja.“

Dies sind nur einige Auszüge aus dem im Urteil angeführten Tatbestand. Weiter heißt es im Urteil:

Der Kläger sah sich nach seinem Leserbrief und nach dem Hochladen des Videos Anfeindungen ausgesetzt (vgl. auch Anlage K4, Bl. 38 f. d. A.).

… Die zulässige Klage ist begründet. …

Der Beklagte hat durch die Aussagen das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Klägers verletzt. …

Der Beklagte kann sich in Bezug auf seine Aussagen nicht auf freie Meinungsäußerung berufen.

Der Anspruch auf Unterlassung in Bezug auf die Äußerung, es werde Zeit, dass der Kläger mal die Rechnung bekomme und mehr als eine Strafe verdiene, ergibt sich aus §§ 823 Abs. 2, 1004 Abs. 1 S. 2 BGB i.V.m. 8 241 StGB.
Die im Zusammenhang zu verstehende Aussage, der Kläger solle „mal die Rechnung“ bekommen und verdiene „mehr als eine Strafe“, ist nach Ansicht des Gerichts als Bedrohung mit einer gegen ihn gerichteten Tat gegen die körperliche Unversehrtheit i.S.d. 8 241 StGB aufzufassen.

Der Poster der Hass-Videos wurde verurteilt, das Video zu löschen und natürlich die Kosten des Verfahrens zu tragen, zudem muss er eine Geldstrafe zahlen. Heute (8.11.2022) war das Video auf Facebook noch abrufbar. Jetzt müsste also Punkt 4 des Urteils greifen:

4. Dem Beklagten wird für jeden Fall der Zuwiderhandlung gegen Ziffer 1 und gegen Ziffer 3 ein Ordnungsgeld bis zur Höhe von 250.000,00 EUR oder Ordnungshaft von bis zu sechs Monaten im Einzelfall angedroht.

Die Lokalpresse hatte am 3.11.2022 berichtet, dass der Täter verurteilt wurde, weil er die Aufmärsche („Spaziergänge“) in Waldbröl organisiert hatte, ohne sie anzumelden. Die massive Beleidigung und die Bedrohung von Lothar Gothe wurden leider mit dem Satz „Zudem hatte ein Bergneustädter in diesem Zusammenhang wegen einer öffentlichen Beleidigung Anzeige gegen den 56-jährigen erstattet“ nur am Rande erwähnt. Wir meinen, dass Lothar Gothes couragiertes Auftreten gegen Hass im Netz und das Urteil mehr Beachtung finden sollten.

Der Beitrag von Lothar Gothe und das vollständige Urteil ist auf www.lothargothe.de zu finden.

Nachtrag 16.11.2022: Nach eigenem Bekunden muss der Hass-Poster ab der nächsten Woche für 27 Tage in Haft. Ob es dabei um nicht bezahlte Gerichtskosten geht oder tatsächlich um das nicht gelöschte Video, ist nicht ganz klar. Er scheint aber nichts gelernt zu haben, sondern inszeniert sich selbst als verfolgter Held.

Radevormwald: Schilder gegen Rassismus wieder angegriffen

Die Stadt Radevormwald hatte Anfang September an den Ortseingängen Schilder mit der Ausschrift „Wir sind bunt! Kein Platz für Rassismus in Radevormwald“ aufgestellt. Schon einen Tag später waren sie mit massiver Gewalt zerstört worden. (Siehe hier)

Natürlich hat Radevormwald sich nicht unterkriegen lassen und neue Schilder aufgestellt. Einige Wochen lang war Ruhe, doch jetzt wurden die Schilder schon wieder angegriffen. Der WDR hat dazu berichtet.

Radevormwald braucht die Solidarität des Oberbergischen Kreises beim Einsatz gegen Rassismus und für eine bunte, vielfältige Gesellschaft!

Völkische Landnahme, Anastasia-Bewegung, Reichsbürger*innen – eine Gefahr im Oberbergischen?

Vortrag mit Andrea Röpke am 27.Oktober 2022

Reichsbürgerinnen und Reichsbürger versuchen im Oberbergischen schon länger, die Staatlichkeit unseres Landes in Frage zu stellen und nach eigenen Gesetzen zu leben. In diesem Sommer wurde bekannt, dass auch „Siedler“ versuchen, nach den Prinzipien der antisemitischen und rassistischen „Anastasia“-Bewegung Höfe zu gründen.
Was steckt dahinter? Auf diese Frage soll ein Vortrag am 27. Oktober 2022, 18.30 Uhr in der TH Gummersbach (Steinmüllerallee 1), Konferenzraum 1.122, Antwort geben.
Es ist uns gemeinsam mit dem Netzwerk gegen Rechts gelungen, die Journalistin und Buchautorin Andrea Röpke für diesen Vortrag zu gewinnen. Frau Röpke ist eine ausgewiesene Kennerin der extrem rechten Szene, sie hat unter anderem (zusammen mit Andreas Speit) das Buch „Völkische Landnahme – Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos“ geschrieben. Sie wird über die Hintergründe und Ziele der Szene informieren, in einer anschließenden Gesprächsrunde wollen wir die Situation bei uns im Oberbergischen betrachten.
Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

Anne-Frank-Ausstellung in der TH Gummersbach

Vom 24. Oktober bis zum 17. November 2022 wird in der Eingangshalle des Campus Gummersbach der TH Köln die große Wanderausstellung des Anne Frank Zentrums in Berlin zu sehen sein. Der Besuch ist von Montag bis Samstag an den Öffnungszeiten der Hochschule möglich.

Mehr über die Ausstellung

Zur Ausstellung gehört ein umfangreiches Begleitprogramm, das hier zusammengestellt ist.

„Lebensmelodien“ in Wiehl

Ein lohnendes Konzert am 19. Oktober

Dem Freundeskreis Wiehl/Jokneam ist es gelungen, eine wunderbare Veranstaltung nach Wiehl zu holen:

Das Projekt „Lebensmelodien“ führt jüdische Melodien auf, die in der Zeit von 1933 bis 1945 komponiert und gesungen, manchmal auch aufgeschrieben wurden. Die Lebensmelodien sind musikalische Werke, die größtenteils in Vergessenheit geraten sind und jetzt, mehr als 77 Jahre später, wieder erklingen sollen. Seit 2022 führt das Team der Lebensmelodien neben Konzerten auch Workshops an Schulen durch. Durch die Konzerte und das Bildungsprojekt vermitteln die Lebensmelodien einen Einblick in die jüdische Kultur und tragen zu einer aktiven Erinnerungskultur in Deutschland und zum Kampf gegen Antisemitismus bei.Dem Freundeskreis Wiehl/Jokneam ist es gelungen, ein Konzert des Projekts „Lebensmelodien“, nach Wiehl zu holen. Die Vorsitzende des Freundeskreis Wiehl/Jokneam, Judith Dürr-Steinhart: „Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Dr. Felix Klein, fördert die Konzertreihe „Lebensmelodien“. Wir freuen uns, dass Dr. Klein speziell für das Wiehler Konzert die Schirmherrschaft übernommen hat.“ Dieses besondere Konzert findet statt am Mittwoch, 19. Oktober, 19:00 Uhr (Einlass: 18.30 Uhr),
in der Wiehltalhalle (Aula des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums), Hauptstraße 81, 51674 Wiehl Der Eintritt ist frei. www.lebensmelodien.com

Nazi-Vandalismus in Radevormwald

Vor etwa 10 Jahren machte die Nazi-Kameradschaft „Freundeskreis Rade“ mit brutalen Angriffen auch überregional Schlagzeilen, eines ihrer Mitglieder wurde wegen Körperverletzung zu einer Haftstrafe verurteilt. Nach einer Razzia, bei der auch Waffen gefunden wurden, wurde der „Freundeskreis“ verboten. Längere Zeit hat man nicht mehr viel von der rechten Szene aus Radevormwald gehört. Allerdings ist im Stadtrat kontinuierlich eine rechtsextreme Fraktion vertreten: Zuerst war Udo Schäfer mit seinen Gefolgsleuten für „Pro NRW“ im Rat, dann war die Fraktion Teil von „Pro Deutschland„, jetzt ist er als AfD-Vertreter im Stadtrat von Radevormwald und im Kreistag.

In diesem Sommer tauchten in der Umgebung des „Wuppermarkt“ (ein Ladenzentrum in den nördlichen Außenorten an der Wupper) Schmierereien auf: zwei Hakenkreuze und „88“ wurden dort gesprüht.

Fast zur gleichen Zeit wurde ein Beschluss umgesetzt: An den Ortseingängen der Stadt wurden Schilder aufgestellt: „Wir sind bunt! Kein Platz für Rassismus in Radevormwald“ lautete die deutliche Botschaft.

Doch einen Tag später waren diese Schilder mit massiver Gewalt umgerissen und zerstört! Es ist deutlich, dass es sich dabei um einen gezielten und koordinierten Angriff auf die Zivilgesellschaft handelt. Der Rat der Stadt hat in einem gemeinsam (natürlich mit Ausnahme der AfD) unterzeichneten Offenen Brief deutlich Stellung bezogen: Radevormwald wird sich nicht einschüchtern lassen!

Es wäre ein starkes Zeichen der Solidarität, wenn die anderen Kommunen im Kreis die Idee der Stadt Radevormwald aufgreifen und ähnlich deutliche Zeichen gegen Rassismus an ihren Zugangsstraßen setzen würden – gerade jetzt!