{"id":1974,"date":"2023-02-05T15:35:46","date_gmt":"2023-02-05T14:35:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/?p=1974"},"modified":"2023-05-12T21:20:52","modified_gmt":"2023-05-12T19:20:52","slug":"unter-den-linden-statt-hindenburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/unter-den-linden-statt-hindenburg\/","title":{"rendered":"UNTER DEN LINDEN statt HINDENBURG!"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"725\" height=\"298\" src=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Hindenburgstr-Header.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1975\" srcset=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Hindenburgstr-Header.png 725w, https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Hindenburgstr-Header-300x123.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 725px) 100vw, 725px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Vor 90 Jahren hat der damalige Reichspr\u00e4sident Paul von Hindenburg die Nazis an die Macht gebracht: Am 30 Januar 1933 ernannte er Adolf Hitler zum Reichskanzler.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir m\u00f6chten dieses Datum zum Anlass nehmen, an den Rat der Stadt Gummersbach zu apellieren, der &#8222;Hindenburgstra\u00dfe&#8220; in Gummersbach ihren alten Namen &#8222;Unter den Linden&#8220; zur\u00fcck zu geben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wie viele rheinische St\u00e4dte hat auch Gummersbach im Jahr 1917 Hindenburg durch eine Stra\u00dfen-Benen\u00adnung geehrt und seine Hauptstra\u00dfe \u201eUnter den Linden\u201c in \u201eHindenburgstra\u00dfe\u201c umbenannt. Dies entsprach der damaligen Stimmung.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Folge hat sich Hinden\u00adburg im Jahr 1933 bewusst zum Steigb\u00fcgel\u00adhalter Hitlers gemacht, nicht nur durch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933. Er spielte auch eine wichtige aktive Rolle dabei, politisch und medial die Verbindung von der Mitte der Gesellschaft zu den National\u00adsozialisten herzu\u00adstellen. Er hat Hitler beim \u201eTag von Potsdam\u201c am 21. M\u00e4rz 1933 \u201esalonf\u00e4hig\u201c gemacht. An diesem Tag wurden die ersten KZs eingerichtet \u2013 Hindenburg als Reichspr\u00e4sident hat das hingenommen und ist daher mit daf\u00fcr verantwortlich, ebenso wie f\u00fcr die pogromhafte Boykottaktion gegen j\u00fcdische Gesch\u00e4fte und Praxen am 1. April 1933, durch die in Gum\u00admersbach die Arztpraxis Dr. Simons die H\u00e4lfte ihrer Patientinnen und Patienten verlor.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Benennung einer der wichtigsten Gesch\u00e4ftsstra\u00dfen in der Kreisstadt Gummersbach nach Hindenburg passt nicht zu einer modernen, weltoffenen Kultur. Auch andere St\u00e4dte in Deutschland haben im Laufe der letzten Jahre Hindenburgstra\u00dfen und -pl\u00e4tze umbenannt. Die Lindenstadt Gummersbach hat mit dem alten Namen \u201eUnter den Linden\u201c eine hervorragende Alternative.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Unterst\u00fctzung unserer &#8222;Einwohneranregung&#8220; (wie das offiziell hei\u00dft) gibt es Unterschriftslisten:<\/p>\n\n\n\n<div data-wp-interactive=\"core\/file\" class=\"wp-block-file\"><object data-wp-bind--hidden=\"!state.hasPdfPreview\" hidden class=\"wp-block-file__embed\" data=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/UnterschriftenGummersbach.pdf\" type=\"application\/pdf\" style=\"width:100%;height:310px\" aria-label=\"Einbettung von Einbettung von Liste f\u00fcr Menschen aus Gummersbach..\"><\/object><a id=\"wp-block-file--media-ab115296-76f4-4773-a2b5-589bb1163bf4\" href=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/UnterschriftenGummersbach.pdf\">Liste f\u00fcr Menschen aus Gummersbach<\/a><a href=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/UnterschriftenGummersbach.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-ab115296-76f4-4773-a2b5-589bb1163bf4\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<div data-wp-interactive=\"core\/file\" class=\"wp-block-file\"><object data-wp-bind--hidden=\"!state.hasPdfPreview\" hidden class=\"wp-block-file__embed\" data=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/UnterschriftenOBK.pdf\" type=\"application\/pdf\" style=\"width:100%;height:290px\" aria-label=\"Einbettung von Einbettung von Liste f\u00fcr Menschen aus anderen Kommunen im Kreis..\"><\/object><a id=\"wp-block-file--media-7129e099-d130-4a93-87f7-af7ef1b451a6\" href=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/UnterschriftenOBK.pdf\">Liste f\u00fcr Menschen aus anderen Kommunen im Kreis<\/a><a href=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/UnterschriftenOBK.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-7129e099-d130-4a93-87f7-af7ef1b451a6\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Bitte die Listen herunterladen, ausdrucken, Unterschriften sammeln und an die auf den Listen angegebene Adresse schicken<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es gibt auch die M\u00f6glichkeit, online zu unterst\u00fctzen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/weact.campact.de\/petitions\/hindenburgstrasse-in-gummersbach-umbenennen\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"275\" src=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bildschirmfoto-vom-2023-02-05-15-14-44-1024x275.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1978\" srcset=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bildschirmfoto-vom-2023-02-05-15-14-44-1024x275.png 1024w, https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bildschirmfoto-vom-2023-02-05-15-14-44-300x80.png 300w, https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bildschirmfoto-vom-2023-02-05-15-14-44-768x206.png 768w, https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bildschirmfoto-vom-2023-02-05-15-14-44.png 1066w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption><a href=\"https:\/\/weact.campact.de\/petitions\/hindenburgstrasse-in-gummersbach-umbenennen\">https:\/\/weact.campact.de\/petitions\/hindenburgstrasse-in-gummersbach-umbenennen<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"> <strong>Fakten zu Hindenburg<\/strong>       (als pdf <a href=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/FaktenzuHindenburg.pdf\">hier herunterladen<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wo kam Hindenburg her?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hindenburg wurde am 2.10.1847 in Posen (damals Preu\u00dfen, heute mit dem Namen Poznan zu Polen geh\u00f6rig) geboren, er entstammte einer ostpreu\u00dfischen Adelsfamilie. Er absolvierte eine typische Milit\u00e4r-Ausbildung und machte Karriere beim preu\u00dfischen, sp\u00e4ter beim deutschen Milit\u00e4r, 1905 wurde er zum General bef\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>War Hindenburg ein Kriegsheld?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir f\u00fchlen uns nicht berufen, \u201emilit\u00e4rische Leistungen\u201c zu beurteilen. Hier die Fakten:<\/p>\n\n\n\n<p>Im Ersten Weltkrieg wurde Hindenburg als Oberbefehlshaber in Ostpreu\u00dfen eingesetzt. Dort fand Ende August die \u201eSchlacht bei Tannenberg\u201c statt, die mit einem Sieg der deutschen Truppen endete. Dieser Sieg wurde Hindenburg als Verdienst zugerechnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Wolfram Pyta stellt in der umfassenden Biografie \u201eHindenburg \u2013 Herrschaft zwischen Hohen\u00adzollern und Hitler\u201c klar: \u201e<em>Hindenburgs Anteil an den Planungen tendiert gegen Null, wenngleich er sp\u00e4ter erhebliche Anstrengungen unternahm, sich den Sieg von Tannenberg gutschreiben zu lassen<\/em>.\u201c<a href=\"#sdfootnote1sym\" id=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> Zu Hindenburgs Rolle w\u00e4hrend der Schlacht gibt Pyta den f\u00fcr die strategischen Planungen zust\u00e4ndigen Generalstabsoffizier Hoffmann wieder: \u201e<em>Von Oberst Max Hoffmann wird \u00fcberliefert, er habe sp\u00e4teren Besuchern das Quartier Hindenburgs mit dem Hinweis gezeigt, die<\/em><em>s<\/em><em> sei der Ort, an dem<\/em><em>Hindenburg vor der Schlacht von Tannenberg, danach und auch <\/em><em><u>w\u00e4hrend<\/u><\/em><em> dieser Schlacht geschlafen habe.<\/em>\u201c<a href=\"#sdfootnote2sym\" id=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Woher kam die Hindenburg-Verehrung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hindenburg betrieb eine geschickte \u201e<em>mediale Selbstinszenierung<\/em>\u201c<a href=\"#sdfootnote3sym\" id=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a>, er nutzte sogar die damals h\u00f6chst popul\u00e4ren Schriftsteller Ludwig Ganghofer und Sven Hedin, um seinen Helden-Mythos zu verbreiten. Eine heldenhafte Identifikationsfigur kam den Regierenden angesichts hunderttausender Toter in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben sehr gelegen, um der \u201eKriegsm\u00fcdigkeit\u201c entgegen zu wirken. Hindenburg wurde 1916 mit Ludendorff zusammen Chef der Obersten Heeresleitung und \u00fcbte damit nahezu diktatorische Macht aus. Es gelang ihm, eine nationalistische Stimmung in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung aufrecht zu er\u00adhalten, was dazu f\u00fchrte, dass viele deutsche St\u00e4dte \u2013 wie auch Gummersbach \u2013 ihn zum Ehrenb\u00fcrger ernannten und schon zu Lebzeiten wichtige Stra\u00dfen nach ihm benannten. So wurde 1917 in Gummers\u00adbach der Boulevard \u201eUnter den Linden\u201c in \u201eHindenburgstra\u00dfe\u201c umbenannt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Rolle spielte Hindenburg nach dem Ende des ersten Weltkriegs?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Niederlage der deutschen Truppen wollten sich gro\u00dfe Teile der Milit\u00e4rf\u00fchrung, der Monarchisten und der Nationalisten nicht abfinden. Sie erfanden die \u201eDolchsto\u00df-Legende\u201c: Eigentlich seien die deut\u00adschen Soldaten \u201eim Felde unbesiegt\u201c gewesen, doch finstere M\u00e4chte \u2013 \u201esozialistische Agitatoren\u201c, \u201evaterlandsfeindliche Schurken in der Heimat\u201c, \u201edie Juden\u201c \u2013 seien ihnen in den R\u00fccken gefallen, h\u00e4tten sie \u201evon hinten erdolcht\u201c. Damit konnten sich die Befehlshaber von ihrer Verantwortung f\u00fcr millionen\u00adfachen Tod, f\u00fcr die politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen der Niederlage nach dem Angriffs\u00adkrieg reinwaschen. Hindenburg selbst hat diesen Mythos massiv unterst\u00fctzt. \u201e<em>Wie Siegfried unter dem hinterlistigen Speerwurf des grimmigen Hagen, so st\u00fcrzte unsere ermattete Front; vergebens hatte sie versucht, aus dem versiegenden Quell der heimatlichen Kraft neues Leben zu trinken.<\/em>\u201c<a href=\"#sdfootnote4sym\" id=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie wurde Hindenburg Reichspr\u00e4sident in der Weimarer Republik?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei den ersten demokratischen Wahlen eines Staatsoberhauptes in Deutschland wurde der Sozial\u00addemokrat Friedrich Ebert gew\u00e4hlt. Er starb pl\u00f6tzlich im Februar 1925. F\u00fcr die Neuwahl konnten sich nur die nationalistischen und monarchistischen Parteien auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen: Hindenburg. Die Kandidaten der Parteien der \u201eWeimarer Koalition\u201c (das katholische \u201eZentrum\u201c, die Liberalen und die SPD) und der KPD traten gegeneinander an. So wurde wurde Hindenburg mit knap\u00adper Mehrheit gew\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der n\u00e4chsten Wahl 1932 stellte die NSDAP Hitler als Kandidaten auf, die SPD wollte einerseits Hitler verhindern, konnte sich andererseits nicht mit der KPD auf einen gemeinsamen linken Kandidaten einigen und unterst\u00fctzte daher Hindenburg, der mit absoluter Mehrheit wiedergew\u00e4hlt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum hat Hindenburg Hitler zum Reichskanzler ernannt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die NSDAP hatte bei der Wahl am 31. Juli 1932 mit 37,3% ihr h\u00f6chstes Ergebnis und stellte die st\u00e4rkste Fraktion. Hitler forderte damals schon das Amt des Reichskanzlers \u2013 doch er bekam es nicht, Franz von Papen blieb Reichs\u00adkanzler (bis er im Dezember durch Schleicher ersetzt wurde). Der Reichspr\u00e4sident Hindenburg hatte nach Artikel 53 der Weimarer Verfassung die Befugnis, so zu ent\u00adscheiden. Bei den Neuwahlen im November verloren die Nazis deutlich, sie erhielten nur noch 33,1%. F\u00fcr Hitler und seine F\u00f6rderer wurde es h\u00f6chste Zeit zu handeln, wenn sie legal an die Macht kommen wollten. In der Villa des K\u00f6lner Bankiers von Schr\u00f6der traf sich Hitler mit von Papen am 4. Januar, sie stellten die Weichen f\u00fcr den 30. Januar, an dem Hindenburg Hitler zum Reichskanzler ernannte.<\/p>\n\n\n\n<p>Historiker wie Dieter Hoffmann<a href=\"#sdfootnote5sym\" id=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a> machen f\u00fcr den Stimmungswandel Hindenburgs auch den \u201eOsthilfe-Skandal\u201c verantwortlich, bei dem es um fehlgeleitete Subventionen f\u00fcr die Landwirtschaft ging, die in den Taschen adliger Gro\u00dfgrund\u00adbesitzer landeten. Hindenburg soll darin verstrickt gewesen sein. Dazu passt, dass die \u201eBergische Wacht\u201c aus Engelskirchen am 2.2.1933 angesichts der angek\u00fcndigten Auf\u00adl\u00f6sung des Reichstags die Bef\u00fcrchtung \u00e4u\u00dfert, \u201e<em>da\u00df nunmehr der Osthilfeskandal \u2026 fein zugedeckt wird<\/em>\u201c<a href=\"#sdfootnote6sym\" id=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie unterst\u00fctzte Hindenburg Hitlers Regierung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufl\u00f6sung des Reichstags am 2. Februar mit dem Ziel von Neuwahlen entsprach auch Hindenburgs Wunsch, der sich \u2013 wie Hitler \u2013 eine verfassungs\u00e4ndernde Mehrheit f\u00fcr ein Erm\u00e4chtigungsgesetz w\u00fcnschte<a href=\"#sdfootnote7sym\" id=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a>, mit dem das Parlament entmachtet wurde. Um das gew\u00fcnschte Wahlergebnis zu erhalten, erlie\u00df er am 4. Februar 1933 die \u201eVerordnung des Reichspr\u00e4sidenten zum Schutze des deutschen Volkes\u201c, die massive Eingriffe in die Presse- und Versammlungsfreiheit erm\u00f6glichte, und unterzeichnete Ende Februar die \u201eReichstagsbrandnotverordnung\u201c. Die Konstituierung des neugew\u00e4hlten Reichstags am 21. M\u00e4rz 1933 wurde als \u201eTag von Potsdam\u201c inszeniert. Hierbei entstand nicht nur das bekannte Foto, auf dem Hindenburg Hitler mit Handschlag bis weit in die Mitte der Gesellschaft salonf\u00e4hig macht, Hindenburg ruft auch den gesamten Reichstag zur Unterst\u00fctzung Hitlers auf: \u201e \u2026 <em>ich hoffe von Ihnen, de<\/em><em>n<\/em><em> Mitgliedern des neugebildeten Reichstags, da\u00df Sie in der klaren Erkenntnis der Lage und ihrer Notwendigkeiten sich hinter die Regierung stellen und Ihrerseits alles tun werden, um diese in ihrem schwierigen Werk zu unterst\u00fctzen.<\/em><a href=\"#sdfootnote8sym\" id=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Am selben Tag wurden in Oranienburg und in Dachau die ersten KZs eingerichtet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>H\u00e4tte Hindenburg etwas verhindern k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hindenburg hat die Notverordnungen und die Gesetze der NS-Regierung unterzeichnet, er hat das Handeln der Regierung gesehen und zumindest hingenommen, wie z.B. die pogromhafte Boykottaktion gegen j\u00fcdische Gesch\u00e4fte und Praxen am 1. April 1933, durch die in Gum\u00admersbach Frau Dr. Sophie Simons die H\u00e4lfte ihrer Patientinnen und Patienten verlor. Hatte er die M\u00f6glichkeit, anders zu handeln und Einfluss zu nehmen? Ja, die hatte er! Auf Grund seines gro\u00dfen Ansehens wurde seine Meinung auch von den Nazis geh\u00f6rt und ernst genommen. Das zeigt das am 7. April erlassene \u201eGesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums\u201c, mit dem politische Gegner und auch \u201eNichtarier\u201c (also Juden) aus dem \u00f6ffentlichen Dienst entlassen wurden. Hindenburg setzte sich am 4. April in einem Schreiben an Hitler f\u00fcr ehemalige j\u00fcdische Frontk\u00e4mpfer ein, die im ersten Weltkrieg f\u00fcr das deutsche Kaiserreich gek\u00e4mpft hatten. Das Gesetz erhielt daraufhin einen Absatz, der sie vorerst vor den Ent\u00adlassung verschonte (\u201eFrontk\u00e4mpferprivileg\u201c). Dieser Vorgang macht deutlich, wie leicht es f\u00fcr Hindenburg war, die Politik Hitlers zu beeinflussen. Er hat also offensichtlich alle anderen Ma\u00dfnahmen, auch die Verfolgung der J\u00fcdinnen und Juden, die nicht unter das \u201eFrontk\u00e4mpferprivileg\u201c fielen, gebilligt und trotz seiner M\u00f6glichkeiten nichts verhindert.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote1anc\" id=\"sdfootnote1sym\">1<\/a>Wolfram Pyta, <em>Hindenburg Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler<\/em>, Siedler, M\u00fcnchen 2007, S. 48<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote2anc\" id=\"sdfootnote2sym\">2<\/a>Ebenda, S. 53<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote3anc\" id=\"sdfootnote3sym\">3<\/a>Ebenda, S. 115<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote4anc\" id=\"sdfootnote4sym\">4<\/a>Paul von Hindenburg: <em>Aus meinem Leben<\/em>. Hirzel, Leipzig 1920, S. 403<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote5anc\" id=\"sdfootnote5sym\">5<\/a>Dieter Hoffmann Der Skandal \u2013 Hindenburgs Entscheidung f\u00fcr Hitler, Donat-Verlag Bremen 2020<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote6anc\" id=\"sdfootnote6sym\">6<\/a>\u201eBergische Wacht\u201c Jahrgang 27, Nr. 27 vom 2.2.1933, S. 1, Verlag Jos. Schiefeling, Engelskirchen<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote7anc\" id=\"sdfootnote7sym\">7<\/a>Wolfram Pyta, <em>Hindenburg Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler<\/em>, Siedler, M\u00fcnchen 2007, S. 796<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#sdfootnote8anc\" id=\"sdfootnote8sym\">8<\/a>Verhandlungen des Deutschen Reichstags, 8. Wahlperiode 1933, Staatsakt zur Feier der Er\u00f6ffnung des Reichstags in der Garnisonskirche zu Potsdam, S. 5, <a href=\"https:\/\/www.reichstagsprotokolle.de\/Blatt2_w8_bsb00000141_00009.html\">https:\/\/www.reichstagsprotokolle.de\/Blatt2_w8_bsb00000141_00009.html<\/a>, abgerufen am 2.2.2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 90 Jahren hat der damalige Reichspr\u00e4sident Paul von Hindenburg die Nazis an die Macht gebracht: Am 30 Januar 1933 ernannte er Adolf Hitler zum Reichskanzler. 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