{"id":1951,"date":"2023-01-24T13:56:51","date_gmt":"2023-01-24T12:56:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/?p=1951"},"modified":"2023-05-12T21:21:35","modified_gmt":"2023-05-12T19:21:35","slug":"oberbergische-opfer-des-holocaust-frieda-jung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/oberbergische-opfer-des-holocaust-frieda-jung\/","title":{"rendered":"Oberbergische Opfer des Holocaust: Frieda Jung"},"content":{"rendered":"\n<p>Anl\u00e4sslich des Holcaust-Gedenktags erinnern wir beispielhaft an das Schicksal eines oberbergischen Opfers. In diesem Jahr geht es um Frieda Jung. Sie wurde erst in den letzten Wochen des NS-Terrorregimes deportiert und ermordet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Unser Bericht basiert auf der Dokumentation des Stadtarchivs Gummersbach: &#8222;Judenverfolgung in Gummersbach w\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus &#8211; Eine Dokumentation des Stadtarchivs Gummersbach&#8220; dritte erg\u00e4nzte Auflage von Manfred Huppertz, Gummersbach 2020 <a href=\"http:\/\/www.gummersbach.de\/doku-judenverfolgung\">\u201chttp:\/\/www.gummersbach.de\/doku-judenverfolgung\u201d<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Frieda Jung<\/strong> war am 14. April 1888 in Ostrowo (damals Deutschland, Bezirk Posen, ab 1918 Polen) geboren. Sie war J\u00fcdin.  \u00dcber ihre Jugend und ihr Leben als junge Frau ist wenig bekannt, ins Oberbergische kam sie 1934 im Alter von 46 Jahren mit ihrem Mann Andreas Jung. Er war gelernter &#8222;Steuer-Inspektor&#8220; und hatte eine Anstellung beim Stahlwerk Schmidt &amp; Clemens in Kaiserau gefunden. Das Paar zog nach Niedergelpe bei H\u00fclsenbusch. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Anscheinend lebten die beiden dort ziemlich unbehelligt von der Verfolgung der J\u00fcdinnen und Juden durch den NS-Staat, doch im Laufe des Jahres 1944 griff die Gestapo auch nach Frieda Jung:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;&#8230; Im Laufe des vergangenen Jahres [gemeint ist 1944] erging  von der Geheimen Staatspolizei, Staatspolizeistelle K\u00f6ln, an den fr\u00fcheren Steuer-Inspektor Andreas Jung aus D\u00fcsseldorf, der seit dem Jahre 1934 in der hiesigen Gemeinde wohnt und der mit der Vollj\u00fcdin Frieda Haym, geb. 14.4.1888 in Ostrowo, verheiratet ist, die Aufforderung, sich bei der Staatspolizeistelle in K\u00f6ln zu melden. Daraufhin hat Jung einen Antrag eingereicht, von weiteren Ma\u00dfnahmen gegen ihn abzusehen, da er in der hiesigenGemeinde ans\u00e4ssig und als B\u00fcroangestellter bei der Firma Schmidt &amp; Clemens in Berghausen besch\u00e4ftigt sei. Dieser Antrag wurde vom B\u00fcrgermeisteramt in H\u00fclsenbusch beglaubigt und eingehend bef\u00fcrwortet. &#8230; &#8222;<\/p><cite>Quelle: Bericht des zust\u00e4ndigen Polizisten, zitiert nach &#8222;Judenverfolgung in Gummersbach w\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus &#8211; Eine Dokumentation des Stadtarchivs Gummersbach&#8220; dritte erg\u00e4nzte Auflage von Manfred Huppertz, Gummersbach 2020 <a href=\"http:\/\/www.gummersbach.de\/doku-judenverfolgung\">\u201chttp:\/\/www.gummersbach.de\/doku-judenverfolgung\u201d<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Damit hatte das Paar einige Monate Ruhe, doch Anfang Dezember kam dann eine Anordnung der Gestapo:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;&#8230; von der Staatspolizeistelle in K\u00f6ln, Appellhofplatz 22\/25, \u00fcber das Landratsamt in Gummersbach eine Anordnung vom 2.12.1944 Gesch\u00e4ftszeichen IV 4 b &#8211; 2875\/44 &#8211; erging, wonach die Ehefrau Jung polizeilich in das Lager K\u00f6ln-M\u00fcngersdorf eingeliefert werden sollte und Jung selbst, der arischer Abstammung ist, sich auf der Dienststelle der Staatspolizeistelle in K\u00f6ln, Appellhofplatz 22\/25, pers\u00f6nlich zu melden hatte. &#8230;&#8220;<\/p><cite>Quelle: wie oben<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Polizist gibt nach dem Ende der Nazi-Diktatur an, er habe die Anordung der Gestapo zun\u00e4chst einige Zeit liegen lassen, dann sei Herr Jung Ende Dezember 1944 \/ Anfang Januar 1945 mit seiner Frau zum Lager in K\u00f6ln-M\u00fcngersdorf gefahren. (Im Lager M\u00fcngersdorf wurden J\u00fcdinnen und Juden aus dem Umland bis zur Deportation interniert.)  In M\u00fcngersdorf wurde das Paar zun\u00e4chst zur\u00fcckgeschickt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;&#8230;Herr Jung ist dann mit seiner Frau allein nach K\u00f6ln gereist. Er hat bei dem Pf\u00f6rtner des Lagers K\u00f6ln-M\u00fcngersdorf vorgesprochen, der ihn dann mit seiner Frau wieder nach Hause geschickt hat, da er angeblich keine Anweisung zur Aufnahme der Frau Jung besa\u00df. Jung ist dann mit seiner Frau wieder in seine Wohnung in Niedergelpe zur\u00fcckgekehrt. &#8230;&#8220;<\/p><cite>Quelle: wie oben<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Mitte Januar kam dann die &#8222;dringende Erinnerung&#8220;, Frieda Jung nach M\u00fcngersdorf zu bringen. Ihr Mann f\u00e4hrt pers\u00f6nlich zum zust\u00e4ndigen Sachbearbeiter &#8211; wohl in dem Glauben, die Deportation seiner Frau noch verhindern zu k\u00f6nnen. Doch ihm wird &#8222;aufgegeben&#8220;, innerhalb von 48 Stunden das Rheinland zu verlassen und sich eine Wohnung weiter im Osten zu suchen &#8211; ohne Frieda. Er macht das, was ihm befohlen wird, und zieht zu seinem Bruder nach Breslau. Seine Frau l\u00e4sst er zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Frieda Jung wird am 22. Januar 1945 ins Lager K\u00f6n-M\u00fcngersdorf gebracht, dort verliert sich ihre Spur. <\/strong>Laut einer Liste im &#8222;Gedenkbuch&#8220; des Bundesarchivs ging am 12. M\u00e4rz 1945 ein Transport von K\u00f6ln nach Theresienstadt, der am 14. M\u00e4rz dort ankam. (Quelle https:\/\/www.bundesarchiv.de\/gedenkbuch\/chronology\/viewGermanReich.xhtml)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"705\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Anzeige-705x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-678\" srcset=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Anzeige-705x1024.jpg 705w, https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Anzeige-207x300.jpg 207w, https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Anzeige-768x1116.jpg 768w, https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Anzeige-1057x1536.jpg 1057w, https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Anzeige-1410x2048.jpg 1410w, https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Anzeige.jpg 1624w\" sizes=\"auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des Holcaust-Gedenktags erinnern wir beispielhaft an das Schicksal eines oberbergischen Opfers. 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