{"id":918,"date":"2021-05-30T22:30:36","date_gmt":"2021-05-30T20:30:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/?page_id=918"},"modified":"2021-05-31T17:15:56","modified_gmt":"2021-05-31T15:15:56","slug":"gedenktafel-auf-dem-friedhof-kreuzberg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/gedenktafel-auf-dem-friedhof-kreuzberg\/","title":{"rendered":"Text der Gedenktafel auf dem Friedhof Kreuzberg"},"content":{"rendered":"\n<p>Autor des Textes und Recherchen: Ulrich B\u00fcrger<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zwangsarbeitergr\u00e4berfeld<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das sogenannte Dritte Reich und der durch das Hitler-Regime ausgel\u00f6ste Zweite Weltkrieg haben Tod und Trauer, Leid und Elend \u00fcber weite Teile der Welt und insbesondere \u00fcber ganz Europa gebracht. Durch das menschenverachtende System der Nationalsozialisten sind Millionen von Menschen ihrer W\u00fcrde beraubt, geknechtet, missbraucht und get\u00f6tet worden. Es gilt, die Erinnerung an die damalige Zeit wach zu halten und fr\u00fchzeitig falschen Entwicklungen in der Gesellschaft entgegenzuwirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mahnmale f\u00fcr die gefallenen und vermissten Soldaten und Zivilopfer an der Westfalenstra\u00dfe, in Wasserfuhr und auf D\u00f6rpinghausen erinnern in unserer Region an Krieg und Gewalt. Der Erschie\u00dfungsplatz im ehemaligen Steinbruch Kupferberg, auf dem als fahnenfl\u00fcchtig beschuldigte deutsche Soldaten ermordet wurden, darf nicht in Vergessenheit geraten. Und dieses Gr\u00e4berfeld, auf dem ausl\u00e4ndische Zwangsarbeiter ihre letzte Ruhe gefunden haben, ist ein mahnendes Zeichen daf\u00fcr, welche Folgen eine Gewaltherrschaft hat. Es ist f\u00fcr uns heute gleichzeitig ein Auftrag, uns dauerhaft f\u00fcr eine Verst\u00e4ndigung zwischen den V\u00f6lkern einzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gr\u00e4berfeld wurde in den 5oer Jahren angelegt. Die Verstorbenen waren vorher an unterschiedlichen Stellen auf dem gesamten Friedhof beigesetzt und sind sp\u00e4ter nach hier umgebettet worden. Hier ruhen russische und polnische Zwangsarbeiter und ihre Kinder. Die einzelnen Grabsteine liegen nicht mehr am urspr\u00fcnglichen Bestattungsort. Sie sind zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt anders angeordnet worden. Auf dem Obelisken in der Mitte des Gr\u00e4berfeldes steht in deutscher Sprache jedoch in kyrillischen Buchstaben geschrieben: Hier ruhen 10 im Kriege 1941 \u2013 1945 verstorbene russische B\u00fcrger. Der Text kann sich auf 10 der bekannten 12 Einzelgr\u00e4ber beziehen. Man geht jedoch davon aus, dass 10 weitere verstorbene unbekannte russische Zwangsarbeiter ebenfalls hier ihre letzte Ruhe gefunden haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Verstorbene italienische Zwangsarbeiter sind sp\u00e4ter \u00fcber Hamburg in ihre Heimat \u00fcberf\u00fchrt worden. Einer dieser italienischen Zwangsarbeiter in Kupferberg war wohl ENRICO MAGGIO, *12.9.1922, + 9.8.1945 in Kupferberg.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kupfererzgrube Danielszug in Kupferberg wurde im April 1938 wieder ge\u00f6ffnet. Auf dem traurigen H\u00f6hepunkt des Zwangsarbeitereinsatzes mussten hier 341 Zwangsarbeiter (67 Italiener, 180 Russen, 94 Polen) unter schwierigsten Bedingungen arbeiten. Untergebracht waren sie in einem Barackenlager am heutigen Weidenweg (Russen, Italiener), im ehemaligen Zimmermann-Hof (dem sp\u00e4ter so genannten Polenhaus) in Kupferberg und im Saal (ehemals Turnhalle) der Gastst\u00e4tte Koppelberg in Wasserfuhr (Russen\/Ukrainer, Polen).<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Zwangsarbeiter waren ebenfalls eingesetzt zur Verlegung der Gasleitung f\u00fcr die Ruhrgas AG (3 Italiener, 3 Russen, 3 Polen). Sie waren in einem Barackenlager am heutigen Schevelinger Weg untergebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Zwangsarbeiter waren auch auf verschiedenen Bauernh\u00f6fen im Bereich Kreuzberg\/Kupferberg eingesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verstorbenen geh\u00f6rten bis auf 2 Ausnahmen alle zur Grube Danielszug. Sie sind zum Teil durch Ungl\u00fccke in der Grube ums Leben gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die 12 Einzelgrabsteine tragen folgende Inschriften (Erg\u00e4nzungen und Korrekturen in Klammern):<\/p>\n\n\n\n<p>WLADIMIER ORLOW, UDSSR, *29.4.1926, + 21.4.1943 (Wladimir Orlow, Lager Kupferberg)<\/p>\n\n\n\n<p>ANATOLY KUSCHNIER, UDSSR, *15.11.1923, + 8.1.1944 (Lager Kupferberg)<\/p>\n\n\n\n<p>WASIL WENZ, UDSSR, *22.4.1920, + 7.6.1943 (Ukraine, Lager Wasserfuhr)<\/p>\n\n\n\n<p>STANISLAUS WENELAWEK, POLEN (Stanislaus Wenslawek, *20.4.1899, + 18.6.1944, Kupferberg)<\/p>\n\n\n\n<p>LEO KOTENKO, UDSSR (+ 27.5.1945, Kupferberg)<\/p>\n\n\n\n<p>NUECZYSLAW SALOMON, UDSSR, *30.12.1923, + 30.4.1942 (Mieczyslaw o. Mieczyslaus Salomon o. Salamon, Polen, Grube Danielszug)<\/p>\n\n\n\n<p>ALEXI SAPAROSCHEW, UDSSR, * 10.9.1924, + 29.4.1944 (Lager Kupferberg)<\/p>\n\n\n\n<p>LEO ZURECKI, UDSSR<\/p>\n\n\n\n<p>LYDIA SASANOW, UDSSR, * 28.11.1943, * 3.1.1944 (Kind, Lager Kupferberg\/Wasserfuhr)<\/p>\n\n\n\n<p>ALEXI PLITUIOW, UDSSR, * 17.8.1925, + 8.1.1945 (Alexi Plitniow, Lager Kreuzberg)<\/p>\n\n\n\n<p>VALENTIN DECHTEROW, UDSSR, * 26.3.1944, + 3.4.1944 (Kind, Lager Kupferberg)<\/p>\n\n\n\n<p>NICOLY CELIMOW, POLEN<\/p>\n\n\n\n<p>Als Zwangsarbeiter aus dem Lager Kupferberg ist ebenfalls verstorben:<\/p>\n\n\n\n<p>NICOLAI ALEMOV, UDSSR, * 6.5.1926, + 25.12.1943.<\/p>\n\n\n\n<p>Verstorben ist ferner der Landarbeiter aus Kreuzberg<\/p>\n\n\n\n<p>NICOLAY TARASZUK, UDSSR, * 6.12.1922, + 22.4.1945.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo beide bestattet worden sind, evtl. auf diesem Platz, ist nicht bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der damalige Pfarrer der Kath. Pfarrgemeinde Kreuzberg, Heinrich Engel, hat die verstorbenen polnischen Zwangsarbeiter offenbar zur letzten Ruhe begleitet. Er hat sie ins Sterberegister der Kirchengemeinde eingetragen. Bei weiteren dort eingetragenen folgenden Verstorbenen scheint es sich ebenfalls um Zwangsarbeiter gehandelt zu haben:<\/p>\n\n\n\n<p>AUGUST BUCHALIK, POLEN, * 13.7.1910, + 18.5.1941 (Grube Danielszug)<\/p>\n\n\n\n<p>HENRICUS HELIOSCH, POLEN, * 22.2.1943, + 29.2.1944 (Kind)<\/p>\n\n\n\n<p>LEO JOROZYK (JURZIK), Polen, * 28.10.1896, + 24.4.1945.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie werden auf dem Kreuzberger Friedhof bestattet worden sein. Ob sie sp\u00e4ter ebenfalls auf dieses Gr\u00e4berfeld umgebettet worden sind, ist nicht bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6gen wir die Namen der hier verstorbenen Zwangsarbeiter und ihrer Kinder nicht vergessen. Gedenken wir der unbekannten Zwangsarbeiter, die hier oder auf anderen Friedh\u00f6fen bestattet worden sind. Hoffen wir, dass es in der Zukunft nicht mehr zu Auseinandersetzungen kommt, durch die Menschen ihren Familien entrissen werden, um fern der Heimat in fremden L\u00e4ndern als Zwangsarbeiter arbeiten zu m\u00fcssen. Und hoffen wir gemeinsam auf ein Leben in Frieden f\u00fcr alle Menschen auf dieser Erde.<\/p>\n\n\n\n<p>Kreuzberg im Dezember 2017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor des Textes und Recherchen: Ulrich B\u00fcrger Zwangsarbeitergr\u00e4berfeld Das sogenannte Dritte Reich und der durch das Hitler-Regime ausgel\u00f6ste Zweite Weltkrieg haben Tod und Trauer, Leid und Elend \u00fcber weite Teile der Welt und insbesondere \u00fcber ganz Europa gebracht. 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