{"id":708,"date":"2021-02-03T15:29:51","date_gmt":"2021-02-03T14:29:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/?page_id=708"},"modified":"2022-01-30T15:04:01","modified_gmt":"2022-01-30T14:04:01","slug":"berichte-aus-den-lagern","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/berichte-aus-den-lagern\/","title":{"rendered":"Berichte aus den Lagern"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Zum<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/?page_id=892\" target=\"_blank\"> Lager &#8222;Eibacher Hammer&#8220; gibt es Original-Pl\u00e4ne<\/a>, die eine Vorstellung davon geben, wie beengt die Zwangsarbeiter*innen dort leben mussten.<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/?page_id=892\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hierzu haben wir eine gesonderte Seite angelegt.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wie die Situation in den Lagern war, kann man verschiedenen Zeitzeugen-Berichten entnehmen: <\/p>\n\n\n\n<p><strong><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/bericht-der-zeitzeugin-ludwika-kot-geb-kukielka\/\" target=\"_blank\">Die Zeitzeugin Ludwika Kot-Kukielka erlebte als Kind die deutsche Besetzung Polens, die Verschleppung aus der Heimat nach Deutschland und die Zeit im Lager der Firma Sondermann in Gummersbach.<\/a> <\/strong>(Den Bericht haben wir mit Genehmigung der Autorin von ihrem in Deutschland lebenden Schwager erhalten)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/das-verbrechen-von-hommerich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Im Kriegsgefangenenlager Hommerich wurden russische Kriegsgefangene brutal misshandelt, etwa vierzig von ihnen starben<\/strong><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber die Lager im damals zu Lindlar geh\u00f6renden Gebiet schreibt Richard Fabritius:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8230; <em>Die Zahl der Fremden in Lindlar nahm immer mehr zu. Es waren nicht nur Fl\u00fcchtlinge, sondern auch Zwangsarbeiter unterschiedlichster Nationalit\u00e4ten, die in der Landwirtschaft oder der Industrie vor allem in Kaiserau bei der Firma Schmidt &amp; Clemens arbeiteten. Ein Zeitzeuge erinnert sich an das Lager im Eibacher Hammer: \u201eHier waren russische Kriegsgefangene inhaftiert. Sie hatten das schlimmste Los, das man sich denken kann. Mehr als zw\u00f6lf Stunden mu\u00dften sie schwerstarbeiten und bekamen kaum etwas zu essen. Wer von denen nicht mehr konnte, wurde gefoltert\u201c. Au\u00dferdem gab es in Habbach ein Russenlager. Es war in der Bev\u00f6lkerung bekannt, da\u00df der SA-Mann F. aus Wipperf\u00fcrth die Russen bestialisch qu\u00e4lte, aber einzumischen trauten sich nur wenige. Wer den ausgemergelten Gefangenen Brot zusteckte, konnte hart bestraft werden. Aber auch in diesen unmenschlichen Zeiten gab es Menschen mit Zivilicourage. So berichtete ein Zeitzeuge von einem Ingenieur, H.K., der im Lager Hommerich beobachtet hatte, wie Wachhabende einen Russen totschlugen. Er zeigte diese Tat an. Der Erfolg: Die gesamte Wachmannschaft wurde ausgewechselt. Der M\u00f6rder wurde wenigstens in eine Strafkompanie verlegt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Zwischen Russen und Ukrainern wurden deutliche Unterschiede gemacht. Sie wurden in gesonderten Lagern untergebracht. Die Ukrainer wohnten in Niederhabbach. Aus den Feldpost-Sammelbriefen, die die Firma Schmidt &amp; Clemens herausgab und an die Soldaten im Feld schickte, wurde von fast paradiesischen Zust\u00e4nden berichtet, in denen die Ostarbeiter und Ostarbeiterinnen lebten: \u201eAls vor Jahresfrist die Ostarbeiter und Ostarbeiterinnen bei uns eintrafen, da hat doch mancher ahnungslose Mann aus unseren Bergen sich gewundert \u00fcber die R\u00fcckst\u00e4ndigkeit des Lebensniveaus [&#8230;] Heute [1943] leben unsere Ostarbeiterinnen im Lager Habbach [&#8230;] Jede Gruppe hat ihre gro\u00dfe Lagerstube mit sauberen Betten, einem Ofen und einem gedeckten Tisch. Sauberkeit und Ordnung sind die obersten Gesetze, dagegen darf keiner versto\u00dfen.\u201c Sie hatten im Gegensatz zu den Russen wohl das gro\u00dfe Los gezogen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Im Saal Spicher in Hartegasse lebten franz\u00f6sische Kriegsgefangene. Sie arbeiteten in der Regel in der Landwirtschaft. Mit ihnen gab es kaum Probleme, erz\u00e4hlt ein Zeitzeuge; denn \u201edie meisten von ihnen waren in die Bauernfamilien integriert\u201c. Die in der Firma Schmidt &amp; Clemens dienstverpflichteten ausl\u00e4ndischen Arbeiter waren zum Teil im Lager Unterw\u00fcrden, zum Teil auf dem Werksgel\u00e4nde untergebracht. Vor allem nach Mussolinis Kapitulation arbeiteten hier italienische Kriegsgefangene, die der Werksschutz bewachte, der der Parteileitung unterstellt war.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Quelle: FABRITIUS, Richard: Lindlar eine Gemeinde im \u201eDritten Reich&#8220;, Zeitgeschichtliche Dokumentation 1933 \u2013 1945, Band 2 Lindlar 1995.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"606\" src=\"http:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Lager-Eibacher-Hammer-1024x606.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-654\" srcset=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Lager-Eibacher-Hammer-1024x606.jpg 1024w, https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Lager-Eibacher-Hammer-300x177.jpg 300w, https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Lager-Eibacher-Hammer-768x454.jpg 768w, https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Lager-Eibacher-Hammer-1536x908.jpg 1536w, https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Lager-Eibacher-Hammer.jpg 1801w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Das Lager Eibacher Hammer (mit freundlicher Genehmigung von F.J. Ufer, Gummersbach-Berghausen, Bildrechte bei F.J. Ufer)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Das Lager \u201eUnter-W\u00fcrden\u201c in Kaiserau lag gegen\u00fcber der Fabrik Schmidt &amp; Clemens.<\/strong> Der Ort des Lagers ist in einem \u201eSituationsplan des Stahlwerks Schmidt und Clemens\u201c aus dem Jahr 1943 eingezeichnet:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"483\" src=\"http:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/AusschnittPlan-1024x483.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-594\" srcset=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/AusschnittPlan-1024x483.jpg 1024w, https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/AusschnittPlan-300x141.jpg 300w, https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/AusschnittPlan-768x362.jpg 768w, https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/AusschnittPlan-1536x724.jpg 1536w, https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/AusschnittPlan-2048x966.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><em>Situationsplan des Stahlwerks Schmidt und Clemens 1943, Kreisarchiv Rheinisch-Bergischer Kreis, Bestand 45 (Landrat), A 1 (Ausschnitt aus \u201eKRBK_Best_45_A_1_Stahlwerk_Schmidt_Clemens.jpg\u201c mit freundlicher Genehmigung des Kreisarchivs des Rheinisch-Bergischen Kreises)<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Man erkennt im Gel\u00e4nde noch die eingeebnete Fl\u00e4che, auf der die Baracken standen. Stellenweise findet man Betonst\u00fccke von den Fundamenten, auff\u00e4llig sind zwei Bunker, die vielleicht zu Schutz der Wachmannschaften dienten (Bilder anklicken f\u00fcr vergr\u00f6\u00dferte Ansicht).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-4 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"http:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_9728-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_9728-1024x768.jpg\" alt=\"\" data-id=\"595\" data-full-url=\"http:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_9728-scaled.jpg\" data-link=\"http:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/?attachment_id=595\" class=\"wp-image-595\" 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Gelhausen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Vermutlich traf Mitte bis Ende November 1941 ein Transport mit etwa 80 sowjetischen Kriegsgefangenen im Gemeindegebiet R\u00fcnderoth ein. Diese verblieben einem Zeitungsbericht zufolge zun\u00e4chst am Bahnhof in Osberghausen (damals Gemeinde Drabenderh\u00f6he \/ Bielstein), wo sie in Viehwagons der Reichsbahn untergebracht waren. Sie m\u00fcssen in einem schrecklichen k\u00f6rperlichen Zustand gewesen sein, waren unterern\u00e4hrt, zerlumpt, teilweise verwundet und litten zudem unter einer \u00e4u\u00dferst mangelhaften Hygiene (Oberbergische Volkszeitung vom 17.7.1982). Es ist dar\u00fcber hinaus &#8230; sehr wahrscheinlich, dass ein Teil der Gefangenen schon mit Fleckfieber infiziert war, als sie am Bahnhof in Osberghausen ankamen. &#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schon kurz nach ihrer Ankunft in Osberghausen muss dann die Einquartierung der sowjetischen Armeeangeh\u00f6rigen in den Saal der ehemaligen Gastst\u00e4tte Dissmann an der Einm\u00fcndung der L 336 in die B 55 (heute \u00bbK\u00fcmmelecke\u00ab, fr\u00fcher \u00bbWiehlbr\u00fcck\u00ab genannt.) in Wiehlm\u00fcnden erfolgt sein. &#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Im Lager Wiehlm\u00fcnden kam es nach der Einquartierung der sowjetischen Kriegsgefangenen vom 27. Nov. 1941 bis zum 27. Dez. 1941 zu mindestens 18 Todesf\u00e4llen, die auf die Fleckfieberseuche zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Zu weiteren drei Todesf\u00e4llen im Lager Wiehlm\u00fcnden kam es am 20. April, 17. Aug. sowie am 29. Nov. des Jahres 1942. Ob diese weiteren drei Menschen in Folge der Fleckfieberseuche oder aus anderen Gr\u00fcnden ums Leben kamen, ist heute nicht mehr zu kl\u00e4ren. Insgesamt kamen also in Wiehlm\u00fcnden 21 sowjetische Kriegsgefangene ums Leben. &#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die wohl mit dem Auftreten der ersten Todesf\u00e4lle vom Wachpersonal benachrichtigten zust\u00e4ndigen \u00c4rzte lehnten eine Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen ab, m\u00f6glicherweise aus Angst sich selbst zu infizieren. Einzig der Arzt Dr. Karl Hoffmann aus Bielstein zeigte sich bereit, den Kriegsgefangenen zu helfen. Nach den Informationen einer Schulfunksendung aus den 1950er Jahren stellte Dr. Karl Hoffmann bei seinem ersten Besuch im Lager Wiehlm\u00fcnden, etwa Anfang Dezember 1941, bei allen Internierten Sch\u00fcttelfrost sowie hohes Fieber fest. Die Kranken zeigten zudem Symptome wie r\u00f6tliche Punkte auf der Haut. Dar\u00fcber hinaus bemerkte Hoffmann bei einigen Insassen r\u00f6tliche Striemen, die offenbar von Misshandlungen stammten. Hoffmann beklagte die unmenschlichen hygienischen Bedingungen und lie\u00df den Saal l\u00fcften. Die Verb\u00e4nde der Verwundeten wurden gewechselt. &#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Am 10. Dez. 1941 zeigten sich bei Dr. Hoffmann selbst Symptome wie Sch\u00fcttelfrost und hohes Fieber, worauf er am 16. Dez. 1941 in ein Lazarett nach K\u00f6ln-Deutz eingeliefert wurde und wenige Tage sp\u00e4ter, am 22. Dez. 1941, im Alter von 56 Jahren in K\u00f6ln verstarb.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Quelle: Dr. Frank Gelhausen \u201e\u00bbFremdarbeiter\u00ab in R\u00fcnderoth \u2013 Die Situation Kriegsgefangener und ziviler ausl\u00e4ndischer Arbeitskr\u00e4fte in der Zeit des 2. Weltkriegs\u201c erschienen im Band 11 der \u201eBeitr\u00e4ge zur Oberbergischen Geschichte\u201c des Bergischen Geschichtsvereins, der \u00fcber folgende Adresse zu beziehen ist:                                Bergischer Geschichtsverein, Abteilung Oberberg e. V.<br>Gesch\u00e4ftsstelle, Z.Hd. Herrn Dieter Forst<br>Hochstra\u00dfe 10<br>51645 Gummersbach<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Lager &#8222;Eibacher Hammer&#8220; gibt es Original-Pl\u00e4ne, die eine Vorstellung davon geben, wie beengt die Zwangsarbeiter*innen dort leben mussten. Hierzu haben wir eine gesonderte Seite angelegt. 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