{"id":1254,"date":"2022-01-22T15:40:44","date_gmt":"2022-01-22T14:40:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/?page_id=1254"},"modified":"2022-01-22T16:01:45","modified_gmt":"2022-01-22T15:01:45","slug":"redebeitrag-von-oberberg-ist-bunt-bei-der-kundgebung-am-22-januar-2022-in-waldbroel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/redebeitrag-von-oberberg-ist-bunt-bei-der-kundgebung-am-22-januar-2022-in-waldbroel\/","title":{"rendered":"Redebeitrag von Oberberg ist bunt bei der Kundgebung am 22. Januar 2022 in Waldbr\u00f6l"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Eigentlich wollten wir gar nicht hier sein.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir von Oberberg ist bunt hatten f\u00fcr heute einen Infostand in Gummersbach geplant, wie jedes Jahr Ende Januar. Denn vorgestern war der 80. Jahrestag der Wannsee-Konferenz, am kommenden Donnerstag ist der Holocaust-Gedenktag.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Doch dann kam die Information aus Waldbr\u00f6l, dass hier \u2013 im Schulzentrum, in der Aula \u2013 ein \u201eB\u00fcrgerdialog\u201c, also eine Propagandaveranstaltung der AfD stattfindet. Deswegen sind wir heute hier, um den Protest und das Engagement der Waldbr\u00f6ler \u00d6ffentlichkeit gegen Rechts, f\u00fcr Demokratie und Vielfalt zu unterst\u00fctzen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und: Unseren Infostand k\u00f6nnen wir ja auch hier machen. Sicher haben einige von euch schon unsere Plakatst\u00e4nder zum Holocaust-Gedenktag und unsere <a href=\"https:\/\/www.oberberg-ist-bunt.org\/wordpress\/die-wannsee-konferenz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Tafeln zur Wannsee-Konferenz gesehen<\/a>. Uns ist wichtig, an die Geschehnisse zu erinnern, damit wir daraus lernen k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 \u2013 vorgestern vor 80 Jahren \u2013 war der Einstieg in die systematische, industrielle Ermordung der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung. F\u00fcnfzehn M\u00e4nner trafen sich um nicht weniger zu planen als die Ermordung von 11 Millionen Menschen. Als am 27. Januar 1945 das Vernichtungslager Auschwitz von der sowjetischen Armee befreit wurde, hatten diese 15 M\u00e4nner, aber auch alle anderen Mitt\u00e4ter sechs Millionen J\u00fcdinnen und Juden, eine halbe Million Sinti und Roma und viele andere Menschen auf dem Gewissen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hier aus Waldbr\u00f6l waren es Meta und Hermann Bettelheiser, Hedwig und Albert Elias und Carolina Salomon, die ermordet wurden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie konnte es dazu kommen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gerade hier, im S\u00fcden des Oberbergischen, hetzte der N\u00fcmbrechter Robert Ley besonders erfolgreich. Seine Demagogie verfing schon vor 1933 besonders bei der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung, mit \u201eden Juden\u201c war ein S\u00fcndenbock gefunden f\u00fcr die wirtschaftlichen Probleme der Leute. Robert Ley bot einfache L\u00f6sungen f\u00fcr schwierige Fragen, er war das, was man heute einen Populisten nennt. Doch um 1933 wirklich an die Macht zu kommen, brauchten die Nazis noch m\u00e4chtige Verb\u00fcndete. Und damit kommen wir zu einem weiteren lehrreichen Gedenktag: Am 26. Januar 1932, also am kommenden Mittwoch vor 90 Jahren, war Hitler beim Industrieclub in D\u00fcsseldorf eingeladen. Er stellte dort seine Pl\u00e4ne f\u00fcr ein autorit\u00e4r regiertes Deutschland vor \u2013 und er erhielt gro\u00dfe Zustimmung. Viele Menschen aus dem b\u00fcrgerlichen Lager waren bereit, der NSDAP Regierungsverantwortung zu \u00fcberlassen \u2013 sie glaubten nicht, dass es so schlimm kommen w\u00fcrde. Wie schlimm es dann wirklich kam, daran erinnert uns der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und jetzt zum heutigen Tag:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dort dr\u00fcben, in der Aula, l\u00e4dt die AfD zu einer Veranstaltung. Die AfD, deren Ehrenvorsitzender Gauland die Terrorherrschaft der Nazis als \u201eVogelschiss in unserer \u00fcber tausendj\u00e4hrigen Geschichte\u201c bezeichnete, die AfD, deren heimlicher Strippenzieher H\u00f6cke das Holocaust-Mahnmal als \u201eDenkmal der Schande\u201c bezeichnete, die AfD, die pauschal die Menschen muslimischen Glaubens als \u201enicht zu Deutschland geh\u00f6rig\u201c ausgrenzt, die AfD, die im Oberbergischen den Rechtsextremisten Udo Sch\u00e4fer integriert und mit einem Kreistagsmandat versehen hat, um dessen Unterst\u00fctzerkreis in Radevormwald f\u00fcr sich zu gewinnen, die AfD, die f\u00fcr Deutschtum wirbt, aber zugleich Wahlkampfmaterialien in russischer Sprache verbreitet.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ja, sagen einige, das ist zwar schlimm, was die AfD verbreitet, und das ist auch gar nicht meine Meinung, aber: Lasst sie doch reden, wir haben Meinungsfreiheit. \u2013 Nein! Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen! Wer Menschen auf Grund ihrer Herkunft oder ihres Glaubens ausgrenzt, steht nicht auf dem Boden des Grundgesetzes! Wer den Holocaust leugnet oder verharmlost, \u00e4u\u00dfert nicht irgendeine Meinung, sondern macht sich strafbar! Wenn man beobachtet, wie die AfD im Bundestag agiert, wird klar: Die arbeiten nicht ernsthaft daran mit, dass wir alle eine gute Zukunft haben \u2013 die nutzen unsere demokratischen Institutionen aus, um ihre Hetze mit staatlicher Finanzierung zu verbreiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aber: Die sind doch demokratisch gew\u00e4hlt? Richtig, aber sind sie deshalb auch eine demokratische Partei? Auch die NSDAP ist durch demokratische Wahlen an die Macht gekommen. Die Demokratinnen und Demokraten waren sich damals nicht einig im Kampf gegen Rechts. Sp\u00e4ter sa\u00dfen sie dann gemeinsam in den KZs. Deshalb muss die Lehre f\u00fcr heute sein: Lasst uns bei allen Unterschieden einig sein im Kampf gegen Rassismus, gegen Antisemitismus, gegen Nationalismus!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es ist sch\u00f6n zu sehen, wie viele hier auf den Beinen sind, sich nicht von der K\u00e4lte abschrecken lie\u00dfen, um deutlich zu zeigen: Wir wollen keine Hetze in unserer Stadt, wir wollen ein friedliches, solidarisches Miteinander \u2013 egal, wo du herkommst, egal, was du glaubst, egal, wen du liebst: lass uns gemeinsam daran arbeiten, diese Stadt liebens- und lebenswert zu gestalten!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollten wir gar nicht hier sein. Wir von Oberberg ist bunt hatten f\u00fcr heute einen Infostand in Gummersbach geplant, wie jedes Jahr Ende Januar. Denn vorgestern war der 80. Jahrestag der Wannsee-Konferenz, am kommenden Donnerstag ist der Holocaust-Gedenktag. 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